KRITIK

Robin Hood

Robin Hood Gut und gerne 30-mal wurde die Robin-Hood-Legende, die ähnlich wie die Artus-Sage über die Jahrhunderte hinweg viele Umdeutungen und Überformungen erhielt, verfilmt. Die ältesten Quellen dieser Geschichte datieren auf die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts; einer Zeit, in der die Bezeichnung Robin Hood vor allem für Wegelagerer und Spitzbuben üblich war. Im Gegensatz zu den Überlieferungen war Robin Hood zu Beginn nicht von adligem Geschlecht, und weder König Löwenherz, noch sein intriganter Bruder John oder Maid Marion finden sich in den Ursprungstexten. Die romantische Komponente kam erst hinzu, als der englische Dichter Alexander Barclay um das Jahr 1500 die französische Hirtenromanze Robin et Marion mit der angelsächsischen Sage verschmolz.

Im Prinzip dichtete jede Generation und jede zeitgenössische Strömung ihren Teil zu dieser Legende hinzu. Am Ende war der Robin Hood entstanden, wie man ihn aus Kino und TV kennt: Ein edelmütiger Adliger, Rächer der Entrechteten, Wohltäter und Beschützer des Volkes und eine Art Sozialrevolutionär.

Zuletzt gingen im Jahr 1991 gleich zwei Filmadaptionen an den Start, welche die Figur gemäß diesem Raster zeichneten. Die berühmtere und erfolgreichere ist sicherlich die mit Kevin Costner unter der Regie von Kevin Reynolds. Nun hat sich Erfolgsregisseur Ridley Scott des Themas angenommen. Dass er es wie kein zweiter versteht, martialische Historienspektakel erfolgreich in Szene zu setzen, hat Scott bereits mit „Gladiator“ und „Königreich des Himmel“ unter Beweis gestellt. Und wie schon in seinem überaus erfolgreichen „Gladiator“, steht ihm einer der letzten echten Kerle in Hollywood, der australische Schauspieler Russel Crowe, zur Seite. Dieses Gespann verspricht zünftiges Männerkino. Vollmundig kündigte Scott an, dass es im Gegensatz zu den unzähligen Verfilmungen, diesmal ein ganz anderer Robin Hood werden würde – eine Geschichte, „die so noch nie erzählt wurde.“

„Reich das Land, das Helden hat, aber arm jenes, das welche braucht.“ Getreu diesem berühmten Zitat verfährt es sich mit der neuesten Verfilmung um den angelsächsischen Bogenschützen und Waldläufer. Es ist eine wilde und barbarische Zeit Ende des 12. Jahrhunderts: König Richard Löwenherz befindet sich auf dem Rückweg vom Heiligen Land. Da sich die Kreuzzüge aber als ungemein kostspielige Angelegenheit erwiesen haben, plündert er noch en passant ein paar Burgen und Schlösser im ungeliebten Frankreich. Im nicht allzu fernen England giert inzwischen Richards jüngerer Bruder John nach dem Thron. Und auch der französische König sehnt sich nach ein paar Ländereien jenseits des Kanals. Ihm wäre ein schwächlicher König auf dem englischen Thron allemal lieber, als ein heimgekehrter Richard. In dieser prekären Lage braucht es jemanden, der alle Briten gegen die gemeinsame Bedrohung vereint.

Es ist die Vorgeschichte des eigentlichen Mythos, die hier zusammengestrickt wurde. Das merkt man dem Film auch deutlich an: Er müht sich redlich um einen epischen Bogen, bekommt dies jedoch lange Zeit nicht hin. Zu viele Storylines werden zu Beginn etabliert und es dauert leidlich lang, bis daraus ein konkreter Handlungsstrang geflochten wird. Einiges hat in der Neuauflage dabei ausgedient: König Richard als Retter der Nation wird schnell entzaubert, der Sheriff von Nottingham ist nur Beiwerk und Sir Robert Loxley wird nur insoweit benötigt, als das ein gemeiner Langbogenschütze, dank einer Schicksalsfügung, alsbald seinen Platz einnimmt. Es bleiben eine edle Lady Marion (stoisch taff: Cate Blanchett), um deren Gunst Robin Longstride (Russel Crowe) buhlen darf und der fiese Throngrabscher John (Oscaar Isaac). Ganz neu ist auch die Interpretation der Figur des Robin Hood, der sich hier nicht als Waldguerilla betätigt, sondern gleich einer französischen Invasionsarmee trotzen darf.

Erstaunlich unaufgeregt, vorbei an mainstreamigen Gepflogenheiten präsentiert sich Ridley Scotts Version. Der langsame Erzählfluss und die sorgsam eingeführten Charaktere verleihen der Geschichte Authentizität; allerdings bedarf es leider an einigen Abzweigungen reichlich naiver Wendungen, um der Handlung eine neuerliche Richtung zu geben. Zudem drängen sich an einigen Stellen scott`sche Deja-vus regelrecht auf. Der Regisseur scheint Ideen aus seinen vorigen Filmen einfach noch mal verwurstet zu haben: Die Charakterdynamik zwischen Robin Longstride und dem alten Sir Walter Loxley (Max von Sydow) erinnert sehr an das Verhältnis zwischen Maximus und dem römischen Kaiser Marcus Aurelius in „Gladiator“, und die Idee, dass ein ursprünglich gemeiner Steinmetzsohn aus dem Volke, dieses anführt und gegen eine Übermacht verteidigt, wurde außer in „Königreich der Himmel“ auch schon bei anderen Mittelalterepen umgesetzt.

Die komplette Geschichte erinnert in weiten Zügen zudem deutlich an „Braveheart“ und die Invasion der französischen Armee an der englischen Küste wirkt wie eine kleine mittelalterliche Version von „Der Soldat James Ryan“. Der finale Fight, so viel darf man verraten, an dem Lady Marion schwertschwingend mitwirkt, lässt überdies sogar wehmütig das Flair des dritten Teils vorm „Herrn der Ringe“ aufkommen. Trotz dieser Kritikpunkte, sowie einigen Übergangs-, Logik- und Fehlern in der Szenenmontage, ist Ridley Scott ein aufwändig und liebvoll konzipierter Film gelungen, der sich auch dadurch abhebt, dass hier Kino für eine ältere Zielgruppe gemacht wurde. Dem anhaltendem Kommerz-Zeitgeist folgend, hätte man das Werk auch mit gehypten Jungdarstellern besetzen können. Von Kitsch bleibt der Zuschauer somit weitestgehend verschont und auch das Pathos hält sich in Grenzen.

Am Positivsten bleibt aber nach über 2 Stunden Spielzeit im Gedächtnis, dass Robins Gefährten von richtig markanten Typen verkörpert werden, die man gerne noch in weiteren Actionszenen gesehen hätte. Entgegen der Körperkult-Gepflogenheiten in Hollywood, hält Crowe bei entblößtem Oberkörper sogar stolz seine sichtbaren Wohlstand-Rundungen in die Kamera, was ihm überdies einen ordentlichen Sympathiebonus einbringt. Am Ende drängt sich dennoch unwillkürlich das Gefühl auf, dass man nach knapp zweieinhalb Stunden gerade erst den Prolog hinter sich hat. Man möchte kaum glauben, dass dieses Ensemble nicht die Geschichte weiter fortführt. Auch hier darf man wieder auf den Director´s Cut gespannt sein.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Robin Longstride ist Bogenschütze im Heer von Richard Löwenherz, bis ihm der Tod des Königs und seines Vertrauten Robert Loxley eine neue Bestimmung zuweist. Um die Krone nach England bringen und Loxleys letzten Wunsch erfüllen zu können, nimmt Longstride die Identität Loxleys an. Auf Wunsch ihres Schwiegervaters lässt Loxleys Witwe, Lady Marion, Longstride das Erbe ihres Mannes antreten. So wird aus einem einfachen Mann ein Held, der Marians Leben und das eigene verändern und England im Kampf gegen französische Invasoren einen wird.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Robin Hood

  1. Fiska

    Hab mir mehr drunter vorgestellt.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*