KRITIK

Road to Perdition

Road to Perdition Sam Mendes hat mit „American Beauty“ 1999 ein Versprechen abgegeben, das er mit seinem zweiten Film durchaus eingelöst hat: Sam Mendes ist mehr als ein hervorragender Geschichtenerzähler. Obwohl er sich mit „Road to Perdition“ ein Godfather Thema ausgewählt hat, schafft es der Engländer, keinen üblichen Patenfilm, kein düsteres, in gefährlich kitschigen Bildern schwelgendes Heroenepos abzuliefern. Seine wie gemalt inszenierten Bilder sind langsam in der Bewegung, dunkel zwar, doch selten bedrohlich, unheilschwanger.
Die Kameraarbeit, auffallend oft mit Schärfe-/Unschärfeeffekten, erzeugt zwei, manchmal gar drei Bildebenen in einer Einstellung und damit unterschiedliche Wahrnehmungsperspektiven. Mafia-Essentials wie Exekutionen und wilde Ballereien gibt es zwar, doch die werden nicht mit Zeitlupe und Blutgespritze aufgemotzt, die Choreografie des Tötens wie des Sterbens beschränkt sich auf ein schnelles Niedersinken, und von manchem Tod erfährt der Zuschauer allein durch einen kurzen Blick in einen zurück schwingenden Spiegel oder den Schrei eines Mannes aus einem anderen Stockwerk im Haus, in dem er seine Frau und seinen Sohn ermordet vorfindet.
Abstriche muss der Rezensent in seinen Ausführungen allein bei der schauspielerischen Leistung machen; Tom Hanks stete Leichenbitter-mine wird dem offenbar auch fühlenden Michael Sullivan in keiner Weise gerecht (wenn Hanks überhaupt überrascht, dann mit diesem noch nicht gezeigten Gesicht, das irgendwie an einen griesgrämigen Oliver Hardy erin-nert!). Paul Newmann fasziniert allein durch die hundert Filmgeschichten, die man immer wieder aus seinem alt gewordenen Gesicht herauszulesen vermag; Jennifer Jason Leigh spielt mit Liam Aiken die blasseste Nebenhauptrolle ihrer Karriere …
Allein, und das ist wohl auch aus dem Grunde des Mangels insgesamt verständlich, allein Jude Law, in manchen Filmbesprechungen fälschlicherweise als Polizeifotograf bezeichnet, allein dieser ungeheuerliche Maguire gibt dem Ganzen schauspielerischen Glanz. Aber vielleicht ist es auch einfacher, einen Mann zu spielen, dessen Obsession die Fotografie gerade eben Ermordeter ist, und der beispielsweise – weil offensichtlich Psychopath – auch nicht davor zurückschreckt, einen ins Leben Zurückkehrenden endgültig auszulöschen; schließlich hat er ihn bereits tot porträtiert, also „geschossen“, wie er sagt.
Der Mann – der in der mittelprächtigen Ripley-Verfilmung (Regie: Anthony Minghella) den Schönling Dickie Greenleaf so überzeugend spielt wie keiner oder der in dem überragenden „Gattaca“ die Inkarnation des reinen, zukünftigen Menschen ist – der Mann, hier so überzeugend häßlich innen wie außen, hätte den Oskar verdient; Hanks hat schon genug davon.
Nein, gemimt wird wenig. Wie schon in seinem ersten Film setzt Mendes eher auf Inszenierung, auf die Bilder und das, was sie erzählen: Räume in dunklen Häusern, Straßen im Regen, in der Sonne, schweigende Gesichter, Licht-flecken hier und dort, Schattenreiche daneben. Doch die ästhetische Qualität ist nicht sich selbst genügend, der Mann von der Bühne Mendes erzählt kleine Dramen im Großen. Von der Eifersucht eines Sohnes ohne Vater, von eines anderen Sohnes Hundstreue, die bis zur letzten Kugel in die Ziehvaterbrust vom Mafia-Ehrbegriff getragen wird, von der Unfähigkeit zweier Väter, überhaupt Vater zu sein, von der Kinderlosigkeit eines sich zu spät gefundenen Paares, das am Ende dann doch „Eltern“ wird, von der Liebe eines Sohnes zu seinem Vater, der ihn zurück weist, weil er in ihm sich selbst so deutlich zu sehen glaubt.
Mendes verweist mit Andeutungen auf das Kommende und erzählt zumeist äußerst spannend und beinahe bis zum unbefriedigenden Ende ohne Pathos. Nicht zuletzt damit hat „Road to Perdition“ das Potential, für lange Zeit der Godfather-Film zu sein. Benedikt Kraft



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Irgendwo in den Vereinigten Staaten, im Dunstkreis der legendären Al Capone-Stadt Chicago, im Winter 1931, zur Zeit der Prohibition.
Hier wird, in einem offenbar von der irischen Mafia beherrschten Stadtteil, ein Mann aufgebahrt. Abschiednehmen ist das Programm, und Abschied nimmt auch die Familie Sullivan: Vater Michael, Mutter Annie und die beiden jungen Söhne Peter und Michael.
Ebenso anwesend ist der Clan um den schon weit in die Jahre gekommenen Boss John Rooney, der sein riesiges, düsteres Haus für die Zeremonie zur Verfügung gestellt hat. Der Bruder des Toten hält eine kurze Ansprache, die schnell in Anschuldigungen an die Anwesende umzuschlagen droht. Der Mann wird hinausgeführt, einen Tag später von Rooneys Sohn Connor kaltblütig ermordet.
Der junge Michael ist Zeuge des Blutbades, bei dem auch sein Vater anwesend und indirekt beteiligt ist. Connor, von seinem Vater vor den kleinen Clan-Bossen wieder einmal gedemütigt und offenbar seit längerem schon auf die väterliche Zuneigung Rooneys zu seinem Ziehsohn Michael eifersüchtig, beauftragt einen Barbesitzer, Michael, die hired hand des Clans, umzubringen; er selbst tötet Michaels Frau Annie und den Sohn Peter.
Der beauftragte Killer geht nach Chicago zu einem anderen Boss, und bittet darum, Connor töten zu dürfen. Der Boss rät ihm ab, Michael jedoch will Rache. Mit Banküberfällen setzt er dem schwarzen Mafia-Guthaben zu und deckt Connors Betrügereien gegen dessen Vater auf; der hat längst einen perfiden Killer auf Michael angesetzt und weigert sich, mit den Betrügereien konfrontiert, den Sohn auszuliefern. Michael tötet Rooney, tötet – mit Zustimmung "von oben" – Connor, und reist mit seinem Sohn zu einer Tante nach Perdition, einem Ort am Ende der Welt, um hier Ruhe zu finden.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Road to Perdition

  1. Manni

    Packendes FamiliendramaDer neue Film von Sam Mendes ist nach American Beauty ein sehr spannender Gangsterfilm aus der zeit der Prohibition. und zugleich ein packendes Familiendrama. Zudem wie ich finde bis in die kleinsten Nebenrollen grossartig besetzt (u.a. Paul Newman, Jude Law….) Sehenswert.

  2. Lars

    Klasse!Bin eigentlich kein Fan des Genres, aber der Film hats mir wirklich angetan. Klasse Schauspieler, klasse ruhige Stimmung, ein super Film

  3. Udo

    HerausragendHerausragend ist der Film mit Sicherheit. Tom Hanks wie gewohnt souverän, Jude Law absolut spitze und Paul Newman, ohne Konkurrenz. Das Ganze von Sam Mendes in Szene gesetzt – klasse!

  4. Steffi

    Sehr überzeugendMir hat der Film sehr gut gefallen. Auch und vor allem, weil er sich behutsam seiner Charaktere annimmt und die Schauspieler durch die bank hervorragend sind. Nach American Beauty ein weiterer „besonderer“ Film von Sam Mendes. Gruß Steffi

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*