KRITIK

Ricki – Wie Familie so ist

Bild (c) 2015 Sony Pictures GmbH.

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Als verlottert-ludrige Alt-Rockerin ist Meryl Streep in Jonathan Demmes Familiendrama eine Fehlbesetzung – nicht etwa, weil sie die Rolle schlecht spielen würde, sondern weil ihr das fast schon statuarische Image der ikonischen Rollen, die sie in den letzten Jahren spielte, im Weg steht. Doch womöglich ist gerade dieser Zusammenprall von Image und Bild noch das Interessanteste an diesem sehr redlichen, aber auch sehr braven Familienzusammenführungsdrama.

Ricki (Meryl Streep) stand mal kurz davor, eine große Nummer im Rock-Business zu werden, sie verließ dafür einst ihren Mann und die Kinder. Jetzt ist sie über 60, und die Karriere schnurrt zusammen zu allabendlichen Gigs in einer windigen Bar in Los Angeles, in der sie mit ihrer Band rüstige Coversongs spielt. Dann holt ihr Ex-Mann Pete (Kevin Kline, „Ein Fisch namens Wanda“) sie zurück nach Indianapolis: Die inzwischen erwachsene Tochter Julie (Mamie Gummer, Streeps tatsächliche Tochter) hat einen Selbstmordversuch hinter sich. Ein unweigerlich ans harmonische Ziel führender Annäherungsprozess beginnt, in den auch ihre beiden Söhne sowie Petes neue Ehefrau verwickelt werden.

Szene_Ricki„Schweigen der Lämmer“-Regisseur Jonathan Demme verlässt sich in der ersten Hälfte des Films auf die bewährt scharfen und durchaus amüsanten Dialoge von „Juno„-Drehbuchautorin Diablo Cody und zele­briert ansonsten die Rocknummern von Streep. Da kennt er sich als langjähriger Produzent von Musikfilmen bestens aus; Rickis Band „The Flash“ setzt sich aus prominenten Rost-Rockern wie Rick Springfield, Bernie Worrell und Rick Rosas zusammen.

Zum Bedauern vieler Streep-Fans aber könnte der Rest des Films öder kaum ablaufen: Nach ein paar pflichtschuldigen Streitscharmützeln löst sich alles, wirklich alles, in Wohlgefallen auf. Hochzeit inklusive. Oscar-Meryl im angeranzten Schabrackenlook ist da, wie erwähnt, noch der interessanteste Widerhaken.

 

 

 



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