KRITIK

Revenge of the Warrior

Revenge of the Warrior Im Jahr 2003 wurde das Martial Arts Universum kräftig aufgemischt. Die thailändische Filmlandschaft war bis dato in zwei Extreme gespalten. Neben kleinen, feinen Filmen wie „Tears of the Black Tiger“ oder „Last Life in the Universe“ überzeugte das andere Extrem durch unsagbar dumme, billige Horror- oder Actionstreifen.

Weitesgehend unbeobachtet vom Rest der Welt frönte Thailands Filmkunst ein unauffälliges Nischendasein. Dann kam der Paukenschlag. „Ong Bak“ erschien aus dem Nichts und nachdem Luc Besson den Streifen auf westlich orientierte Sehgewohnheiten gestutzt hatte, trat die Kloppertruppe mit Tony Jaa an der Spitze seinen weltweiten Siegeszug an. Nebenbei räumte Tony Jaa auf den Weg in den Kampfsport-Olymp alle Martial-Arts Ikonen der letzten 25 Jahre aus dem Weg. Ausnahmslos alle Actionhelden verblassen ob der Kampfkunst eines Jaa.

2 Jahre Produktionszeit hat es gebraucht, bis Prachya Pinkaew seinen Schützling erneut auf böse Buben losgelassen hat. Nebenbei hat Tony Jaa einen neuen Muay Thai Stil entwickelt, anstatt auf Statuen- geht es jetzt auf Elefantensuche und der Schauplatz wurde auf Sydney verlagert.
„Tom Yum Goong“, übrigens eine thailändische Suppe, ist ein Action-Feuerwerk, das seinen Vorgänger in allen Bereichen übertrifft. Die Kämpfe sind spektakulärer, der Film ist weitaus aufwendiger und leider auch viel dümmer. Sei es die Transe, die sich in der Verbrecherorganisation in die Führungsspitze giftet oder der Sidekick Mark (Petchtai Wongkamlao ), der als australischer Quotencop nur mit massiven Problemen bei der Artikulation englischer Wortlaute auffällt. Die Nebenstränge und Lücken zwischen den Fights funktionieren nur als Signalwirkung, kaltgestellte Biervorräte am Sitzplatz aufzufüllen. Die erste halbe Stunde langweilt und es kommt lediglich Fernweh auf, denn die Landschaften Thailands sind wunderschön fotografiert. Aber da wir es mit einem fernöstlichen Kampfsport-Klopper zu tun haben, liegt das Augenmerk auf den Kämpfen.

Die Kampfszenen kommen ohne Wirework oder Stuntdoubles aus und sind einfach atemberaubend. Visuelle und kampfsporttechnische Highlights sind dabei die Kirchenszene mit dem Capoeira-Fighter, das fröhliche Knochenbrechen, wo mittels Griff- und Hebeltechnik ca. 30 bis 40 Leuten sämtliche Knochen und Gelenke verdreht werden und die Sequenz im mehrstöckigen Gebäude. Letztere ist sowieso einmalig, da sie mit über 4 Minuten die längste „Ohne – Schnitt“ – Actionszene weltweit ist – und die coolste zudem auch noch.

Aus den Anfängerfehlern „Ong Bak’s“, jede abgefahrene Aktion dreimal zu wiederholen, haben die Macher gelernt, und so wirken die Kämpfe noch besser und runder. Damit hat Tony Jaa die Meisterprüfung bestanden und das Motto lautet: Hirn aus, die Frauen an den Herd und die Scheibe in den DVD-Player. Die deutsche DVD ist jedoch völlig unbrauchbar, weil sie leider eine immens verstümmelte Fassung enthält. Alternativ gibt es auf dem englischen Markt oder in Hong Kong die ungeschnittene Version.
„Tom Yum Goong“ ist übrigens der erste thailändische Film, der es am Startwochenende in die Top 5 der amerikanischen Kino-Charts geschafft hat. Und sollten Regisseur und Tony Jaa es schaffen, eine halbwegs
vernünftige Geschichte um die Kämpfe zu stricken, dann prügeln sich die Beiden geradewegs in den Actionhimmel. Wir warten auf den neuen Streich „Sword“!



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INHALT

Kham, ein Landjunge aus Thailand, reist nach Sydney, wo er sich mit allen kloppt, die am Diebstahl seiner Elefanten und am Mord seines Vaters beteiligt sind.
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