KRITIK

Revanche

Revanche Nach einigen Kino- und TV-Produktionen (darunter eine Verfilmung von Arthur Schnitzlers „Spiel im Morgengrauen“) hatte Götz Spielmann seinen großen Durchbruch im Jahre 2004 mit „Antares“. Der episodenhafte Film über die verwobenen Schicksale verschiedener Menschen in Wien war ein großer Erfolg bei Kritik und Publikum.

Ein ähnlicher Effekt ist wohl auch bei seinem neuesten Film „Revanche“ zu erwarten, den Österreich dieses Jahr in das Rennen um den Auslands-Oscar schickt. Erzählt wird die Geschichte von Alex (Johannes Krisch), einem Geldeintreiber und Fahrer, der für einen Bordellbesitzer (Hanno Pöschl) arbeitet. Vor diesem verheimlicht er seine Beziehung zu der Prostituierten Tamara (Irina Potapenko), sie ist seine große Liebe. Die beiden träumen davon, aus ihrer unmoralischen, schmutzigen und auch gefährlichen Umgebung zu fliehen, darum brauchen sie Geld und beschließen, eine Bank zu überfallen. Der Plan ist gut durchdacht und scheint Anfangs auch zu klappen, doch während Tamara auf Alex im Fluchtauto hinter der Bank wartet, wird diese von dem Polizisten Robert (Andreas Lust) kontrolliert. Alex kommt dazwischen und flieht mit Tamara, dabei wird sie von dem Polizisten unabsichtlich angeschossen und stirbt. Polizist Robert ist durch den Tod der jungen Frau am Boden zerstört, da er nur auf die Reifen gezielt hat. Alex hat mit Tamara das einzige verloren, was ihm im Leben etwas bedeutet hat. Er zieht sich zu seinem Großvater Hausner (Spielmann-Veteran Hannes Thanheiser) aufs Land zurück, trifft jedoch dort auf die Frau des Polizisten, der seine Freundin auf dem Gewissen hat. Er weiß, dass seine Chance auf Rache nun da ist…

„Revanche“ ist ein Film voller Überraschungen. Dies liegt vor allem an Götz Spielmanns Können, seinen Charakteren unerwartete Wendungen auf ihrer Entwicklung innerhalb der Geschichte mit zu geben. Der Film ist ein Paradebeispiel für eine Geschichte, die von den Figuren vorangetrieben wird. Diese agieren und reagieren im Film mehr als nur einmal anders, als es der Zuschauer erwarten würde, ja sogar anders als man es ihnen zutrauen würde. Dies liegt nicht nur an dem raffinierten und dramaturgisch nahezu perfekten Drehbuch, sondern auch an den hervorragenden Darstellern.

Der bislang wenig bekannte Burgschauspieler Johannes Krisch zeigt in „Revanche“ eine unvergessliche Performance. Seine Darbietung des Alex ist sehr subtil, ruhig, auf Details konzentriert. Seine Blicke, vor allem in Szenen, in denen er dem Polizisten Robert gegenübersteht, sagen mehr als viele von Spielmanns geschriebenen Worte. Dabei kann sich das Publikum aber den ganzen Film hindurch mit ihm identifizieren. Keineswegs verstecken muss sich auch Ursula Strauss. Die in letzter Zeit viel beschäftigte Schauspielerin ist in „Revanche“ in ihrer bisher besten Rolle zu bewundern.

Götz Spielmanns Film „Revanche“ ist nicht nur die beste österreichische, sondern auch einer der bemerkenswertesten europäischen Produktionen seit Jahren. Tolle Schauspieler, ein aussagekräftiges Drehbuch, detailreiche Inszenierung, schöne Kameraarbeit (von Martin Gschlacht) und ein beängstigend ruhiger Schnitt (von Karina Ressler – bis auf den letzten Dialog im Film findet sich kein klassischer Schuss-gegen-Schuss!) machen diesen Film für die Zuschauer zum Kino der Extraklasse.



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INHALT

Eine Landschaft im späten Sommer. Ein Teich mitten im Wald. Keine Menschen, Stille. In der Nähe ein neugebautes Haus, ein Ehepaar lebt darin. Robert und Susanne. Ein alltägliches Leben, so wie bei vielen anderen auch. Wien, zur selben Zeit. Nächte, Rotlicht, die Welt der Prostitution. Alles hier ist dem Geld, dem Geschäft untergeordnet. Die meisten können mit ihrer Arbeit gerade überleben. Wie Alex und Tamara. Sie eine Prostituierte aus der Ukraine, er der Handlanger vom Chef. Ein Liebespaar, heimlich. Die Gesetze des Milieus verbieten Liebe zwischen Angestellten.

Sie wollen weg aus diesem Leben, dazu braucht es Geld. Alex fasst den Plan, eine Bank zu überfallen, in einer kleinen Stadt am Land. Tamara will dabei sein, er lässt sich überreden. Alles scheint nach Plan zu laufen, doch ein Polizist kommt zufällig dazu: Robert. Er schießt dem flüchtenden Wagen nach und trifft die junge Frau. Tamara stirbt. Verzweifelt lässt Alex sie zurück, an einer Lichtung im Wald. Er taucht bei seinem alten Großvater unter, der lebt dort am Waldrand auf einem kargen Bauernhof. Schweigsam und verschlossen macht Alex sich an die Arbeit, ihm das Holz für den Winter zu machen. Was ihn dabei nie verlässt: sein Schmerz, seine Trauer und der Hass auf den, der Schuld trägt an Tamaras Tod. Ein Teich im Wald ist Roberts Rückzugsort. Dort versucht er das, was geschehen ist, zu begreifen. Alex observiert den Polizisten, spioniert ihm nach, folgt seinen Wegen. Und er lernt Susanne, die Frau des Polizisten, kennen. Das Leben von ihnen allen wird sich durch Tamaras Tod verändern, radikaler als sie ahnen. Und es wird Herbst, wie jedes Jahr.
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Eure Kritiken zu Revanche

  1. tine

    Ich habe den Film gesehen ohne irgendwas über den Inhalt vorher zu wissen, wofür ich sehr dankbar bin … ein sehr solider subtil spannender film mit einem hauptdarsteller der so fesselnd ist in seiner motivation, das man nicht weiss ob man ihn hassen oder bewundern soll … tip!

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