KRITIK

Restless

Filmplakat zum Film RestlessDie Romantische Komödie ist in den meisten Fällen ein Geschenk für einen Regisseur. Mit zwei guten Hauptdarstellern muss er keinen Flop fürchten und die Grenzen der Spielart innerhalb des Genres sind fest abgesteckt. Auch wenn es um den Umgang mit dem unzeitigen Tod geht. Nicht in erster Linie, sondern in letzter Konsequenz. Denn in „Restless“ geht es lediglich um zwei junge Menschen, die die Zeit, die ihnen bleibt, auskosten und das Leben genießen, auch wenn das Enddatum mehr oder weniger gesetzt ist. Der Film streift aber diesen Bleimantel so gut es geht ab – und es geht, sehr, sehr gut – und das Sujet ließe sich in seiner luftigen Leichtigkeit auf „boy meets girl“ herunterbrechen, mit dem Zusatz „by Gus van Sant“, allerdings als Zusatz, der nicht als Einschränkung zu verstehen ist, sondern als Erweiterung eines altbekannten, scheinbar auserzählten Topos.

Van Sants Filme lassen sich in der Regel in zwei Kategorien einteilen, in die stilistisch eher konventionellen Großproduktionen wie „Good Will Hunting“, „Finding Forrester“ oder „Milk“, die mit der ihm eigenen Sensibilität von außergewöhnlichen Biographien erzählen, und in die mitunter beinahe experimentellen, zumindest formal ungewöhnlichen Werke wie „Elephant“, „Gerry“ oder „Last Days“, die abseits herkömmlicher narrativer Strukturen ihre eigene Faszination bergen und van Sants filmische Anfänge im Underground erahnen lassen. „Restless“ setzt sich mit seiner unaufgeregten Bildsprache und seinen erratischen Charakteren zunächst einmal zwischen diese beiden Stühle.

Szene aus dem Film Restless

(c) Sony Pictures

Ganz behutsam nähert er sich seinen Protagonisten und ihren, teils vermeintlichen, Schrullen. Ein Hauch der Nouvelle Vague weht durch die erste Begegnung in den hellen Fluren eines Krematoriums. Mia Wasikowska mit ihrer Jean-Seberg-Frisur und dem Leuchten in ihren Augen, wie sie Henry Hopper, Sohn des großen Dennis, aus der Zwangslage erklären zu müssen, weshalb er sich andauernd bei fremden Beerdigungen aufhält, befreit. Wie sie sich beschnuppern und ihre Gemeinsamkeiten feststellen – zwei Gefährten, das wird schon frühzeitig klar. Vereint durch ihr Schicksal, das dem Tod einen unermesslich großen Platz in ihrem Leben eingeräumt hat, so dass Annabel (Wasikowska), das Mädchen im Dalmatiner-Mantel, und Enoch, der stets schwarzgekleidete Junge, gewissermaßen an dessen Rändern entlang denken, sich imaginäre Freunde und Biographien herbeizaubern, die der möglichen Schwere einen magischen Realismus entgegensetzen. Restless und weightless.

 

Szene aus dem Film Restless

(c) Sony Pictures

Mia Wasikowska ist gewiss zu süß für die unheilbar erkrankte Annabel und Henry Hopper zu sehr Indie-Posterboy als traumatisierter Jüngling, der vom Unfalltod seiner Eltern erlöst werden müsste, aber Van Sants zurückhaltende Inszenierung kleidet seine Darlings in so wohlige Melancholie, dass ihm selbst diese Besetzung verziehen sei. Seine Helden spielen auf Zeit – das ist ihnen auch stets bewusst – doch der Film selbst verströmt eine Zeitlosigkeit, die bemerkenswert ist: der Geist eines japanischen Kamikaze-Piloten mitsamt Anspielungen auf Nagasaki und die Atombombe durchwandert Enochs verqueren Verstand, bis schließlich auch Annabel von ihm Notiz nimmt; der Soundtrack vereint Sixties-Pop, gegenwärtigen Indie-Rock und Nico-Elegie zu einem stimmigen Mix, dessen Eklektizismus eine wahre Freude ist. Restless, weightless und timeless.

Van Sants vierzehnter Kinofilm ließe sich schließlich als Versöhnung zwischen seinen beiden Filmwelten verstehen, als kleine, charmante und widerborstige tragische Love Story, von Hollywood produziert (Ron Howard! Brian Grazer!), doch mit genügend Abseitigkeit ausgestattet, die dem Mainstream schwer im Magen liegt. Gänzlich unprätentiös und stets die leisen Töne anschlagend, spielt van Sant mit der Routine eines Meisters auf der Klaviatur der Gefühle, die hier leicht rührselig und tränenziehend ausfallen könnte, und trifft durchgehend die rechte Balance und unglaublich schwer zu erreichende Leichtigkeit und Durchlässigkeit, die der Erzählung Raum zum Atmen gibt und die bittersüße, wenn auch nicht neue Erkenntnis, dass nicht unbedingt die Länge des Lebens, sondern vielmehr die Intensität entscheidend ist.

 



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INHALT

Annabel Cotton ist eine hübsche und charmante junge Frau, die das Leben und die Natur liebt. Gleichzeitig jedoch leidet Annabel an Krebs im Endstadium. Auch das Leben von Enoch Brae ist nach dem Unfalltod seiner Eltern ziemlich aus der Spur geraten. Als sich die beiden Außenseiter zufällig auf einer Beerdigung treffen, stellen sie fest, dass sie die Welt sehr ähnlich und gleichzeitig einzigartig erleben. Als Enoch von Annabels Schicksal erfährt, bietet er mit selbstverständlicher Unbekümmertheit an, Schicksal, Tradition und sogar dem Tod entgegen zu treten und gemeinsam ihre letzten Tage zu verbringen.
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