KRITIK

Requiem for a dream

Requiem for a dream Es gehört nicht viel dazu, den zu Tode zitierten amerikanischen Traum vom schnell erreichbaren Erfolg für alle als Billigmythen-Gespinst zu entlarven. Und die Kritik an der Ruhmessucht der im unerbittlichen 15-Minuten-Takt pulsierenden Fernseh-Society sowie den Abhängigkeiten ihrer konsumfixierten Ausgeburten sind in jedweder filmischen Form schon zur Genüge abgehandelt worden.

Regisseur Darren Aronofsky aber, dessen arsenbitteres Drogen-Drama „Requiem for a Dream“ sämtliche dieser Moral-Motive vereint, findet zu einer exzessiv-soggewaltigen Bildsprache, die seine Gesellschafts-Zertrümmerung nicht bloß radikal konsequent, sondern schier augenbetäubend originell erscheinen lässt.

Aronofsky, dessen schwarzweißes No-Budget-Debüt „Pi“ bereits ein beachtliches Talent für visionär-paranoide Stilisierungen erkennen ließ, hat den zugrunde liegenden Roman von Hubert Selby, Jr. („Letzte Ausfahrt Brooklyn“) in ein bedrückendes Delirium der Selbstzerstörungs-Sequenzen übersetzt. Sein Impressionen-Inferno aus Kamera-Reißschwenks, blitzenden Schlaglichtern, Millisekundenschnitten und Animations-Fetzen entfaltet eine Brachialwirkung, der man sich zusehends nicht mehr entziehen kann.

Dabei werden die Sucht-Karrieren der Konsum-Hedonisten zwar so mitleid- wie schonungslos verfolgt, das entsetzlich einfältige Gebaren der verlorenen Seelen aber fordert nie den Spott des aufgeklärten Zynikers heraus. Wo für Harry, großartig gespielt von Jared Leto, das kümmerliche Rest-Glück eine gefüllte Spritze für zwei bedeutet, da phantasiert die ebenso phänomenale Ellen Burstyn als entrückte Sara Goldfarb von einem besseren, schöneren Mattscheiben-Selbst im roten Kleid – bis zum Blackout. Herausragend!



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INHALT

Der junge Harry Goldfarb, leptosomer Antiheld dieser strudelschnellen Chronik eines Gossen-Abstiegs, hängt an der H-Nadel und dem Junkie-Phantasma vom großen Coup, der ihm und seiner ebenfalls süchtigen Freundin Marion Stoff und Glück bis zum seligen Ende bescheren soll.
Seine verwitwete Mutter Sara dämmert hingegen im brav-bürgerlichen Wohlfühl-Rausch vor dem Fernseher dahin und verschafft sich ihre tägliche Endorphin-Dosis durch Pralinen-Massen.

Als ihr jedoch eines Tages am Telefon das zweifelhafte Angebot gemacht wird, in einer Quizshow aufzutreten, verfällt sie dem Schlankheitswahn und hungert sich mittels Diätpillen auf vermeintliches TV-Format. Für alle Beteiligten aber endet das Streben nach einem Platz an der Sonne in der Vorhölle.
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Eure Kritiken zu Requiem for a dream

  1. Christian

    Ich habe es noch geschafft..und Gott sei Dank diesen Film gesehen. Ein Film, der wirklich unter die Haut geht, kein einfaches Thema behandelt und in seiner ganzen Form ein, vor allem durch das geniale Zusammenspiel zwischen Stil und Sujet, ein kleines Meisterwerk darstellt, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Ein gleichzeitig verstörender wie betörender Film. Bitte mehr davon!

  2. tine

    tief einatmen ……. vor und nach dem film. ich kann mich den kritiken hier nur anschliessen. der film ist übrigens auch schon auf video draussen, falls man ihn im kino verpasst hat.

    pflicht.

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