KRITIK

Reise – El Viaje, Die

Reise – El Viaje, Die Der Argentinier Fernando Solanas schickt den 17-jährigen Jungen Martin auf eine lange Reise der Entdeckungen durch den lateinamerikanischen Kontinent. Auf den Spuren der Ureinwohner, der Eroberer und Exilanten lernt er die harte Wirklichkeit, aber auch die Schönheit der Länder Lateinamerikas kennen. So wie in den Romanen Gabriel García Márquez sind auch in Solanas Film die Grenzen zwischen Realität und dem, was man sich vorstellen, erinnern oder erträumen mag fließend. Die argentinische Hauptstadt Buenos Aires beispielsweise steht unter Wasser, sie wird als riesige Kloake dargestellt, doch der Präsident Doktor Rana (Frosch) unternimmt nichts. Er tritt mit Schwimmflossen in die Öffentlichkeit, um dem unruhigen Volk lediglich sein Lächeln vorzuführen. Solanas kleiner argentinischer Film von 1992, der lange Jahre von den Verleihfirmen auch wegen seiner beißenden Kritik abgelehnt wurde, besticht in erster Linie durch seine multilateralen Aufnahmen Lateinamerikas. „Ich will Lateinamerika durch das Prisma der Jugend wieder entdecken“, hat Solana, dieser Gabriel Marquez des Kinos, beim Erscheinen seines Filmes gesagt. Wie gefährlich eine kritische Betrachtung des Alltags in Argentinien sein kann, hat er nach den Dreharbeiten am eigenen Leibe erfahren müssen. Ein Attentäter schoss ihm mehrfach in die Beine. Solanas hatte sich vor Gericht geweigert, seine Bestechungsvorwürfe gegen Argentiniens Präsident Menem, der hier mehr als offensichtlich karikiert wird, zurückzunehmen. Sein Film hinterlässt dennoch viele Fragen. Nahtlos wechselt er die Erzählebenen, Komik folgt auf Tragik, Realität auf Allegorie. Sein politisches Märchen, oder persönlich poetisches Road-Movie überzeugt durch eine visuelle Kreativität, verstört aber durch die kraftvolle Empörung und verspielte Lebhaftigkeit. Der Zuschauer bleibt mit der gewaltigen Bildersprache alleine. Christian Gertz



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INHALT

Martín ist Schüler auf einem College am - wie es gleich zu Beginn heißt - Arsch der Welt (Ushuaia/Feuerland). Die Zustände sind skandalös. Eine fehlende Heizung bei tiefsten Minusgraden und der von der Wand fallende Putz machen es den Schülern nicht leicht. Selbst die Pädagogen verdienen ihre Berufsbezeichnung in dieser Institution schon lange nicht mehr. Als seine Freundin Vidala das gemeinsame Kind abtreibt und sein bester Freund die Stadt verlässt bricht er mit dem Fahrrad Richtung Mexiko auf, um seinen leiblichen Vater zu suchen. Der Weg führt ihn durch mehrere Länder Lateinamerikas, wie Chile, Peru, Brasilien und Mexiko.
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