KRITIK

Regeln der Gewalt, Die

Regeln der Gewalt, Die Es ist immer wieder erfrischend zu sehen, dass es mutige Autoren im amerikanischen Independent Kino gibt, die jenseits der Hollywood-Konventionen bewährte Erzählkonventionen über den Haufen werfen. Ein Beispiel dafür ist in diesem Jahr der Film „Die Regeln der Gewalt“ (Originaltitel: The Lookout) von Scott Frank.

Geprägt ist dieser Film vom überzeugenden Spiel des Hauptdarstellers Joseph Gordon-Levitt, der diesmal den jungen Chris Pratt darstellt. Chris ist der einzige Überlebende eines Unfalls, bei dem seine Verlobte und ein anderes befreundetes Paar umgekommen waren. In kurzen Rückblenden wird dem Zuschauer die ganze Dramatik des Vorfalls vorgeführt, behutsam aber, ohne damit dem Film eine zu reißerische Note zu verleihen. Joseph Gordon-Levitt spielt seine Figur sehr zurückhaltend, was aber hier nicht zum Nachteil ist. Ganz im Gegensatz zu seiner Rolle in BRICK, die dem einen oder anderen Kinobesucher noch in Erinnerung geblieben sein dürfte.

Hier kann Gordon-Levitt weitere Facetten seiner Spielkunst zeigen. Chris leidet unter Gedächtnisverlust und weiteren kognitiven Störungen, die aber nicht plakativ vorgeführt werden. In dieser Geschichte lebt er mit dem blinden Ex-Musiker Lewis zusammen, solide verkörpert durch Jeff Daniels. Daniels dürfte zahlreichen Kinobesuchern spätestens 1983 bekannt geworden sein als er in SOMETHING WILD (Regie: Jonnathan Demme) Melanie Griffith als „Gefährliche Freundin“ kennen lernte. Danach arbeitete sich Daniels zum Hauptdarsteller in zahlreichen Blockbustern wie beispielsweise ARACHNOPHOBIA (1989) hoch, mit denen der Disney-Konzern damals viel Geld verdient hat.

Die Story ist leider simpel und vorhersehbar, handwerklich jedoch interessant umgesetzt. Regisseur Scott Frank (Drehbuchautor von OUT OF SIGHT, GET SHORTY und MINORITY REPORT) entwickelt die Geschichte und die Charaktere ohne Zeitdruck. Durch die Kneipenbekanntschaft Luvlee (Isla Fisher) kommt der Hauptdarsteller in Kontakt mit dem Gangster Gary (Matthew Goode). Diesen trifft er auf einem Landhof. Eigentlich wollte Chris mit Luvlee alleine sein, muss sich aber von Gary erst anhören, was er ihm vorschlagen will. Die Geschichte entwickelt sich auf einen Bankraub zu, den Gary mit einer Clique geplant hat. Chris soll der wichtigste „Schmierensteher“ sein, da er mit seinem „Handicap“ eine zuverlässige Person ist und zudem jede Nacht als Wachperson das Gebäude bewacht hatte. Der Bankraub selbst ist eine Variation aus dem David Cronenberg Film HISTORY OF VIOLENCE (2004).

Da schon Bertholt Brecht festgestellt hat, „was ist das Einbrechen in eine Bank gegen das Besitzen einer Bank“, zieht sich die Dramatik des Films aus der Planung und Ausführung des riskanten Plans, der hier jedoch viel weiter geht, einschließlich des Eingreifens der Polizei, dem Krankenhausaufenthalt bis hin zum Resümee.

Die Anlehnung an große Filme wie MEMENTO (Gedächtnisverlust) und HISTORY OF VIOLENCE sind unübersehbar. Handwerklich ist das Werk von Scott Frank jedoch solide umgesetzt und lässt auf weitere große Auftritte von Joseph Gordon-Levitt hoffen.



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INHALT

Gary macht sich an Chris heran, der nach einem Unfall ein Gehirntrauma erlitt und sich nichts mehr merken kann. Chris, der als Nachtwächter bei einer Bank arbeitet, soll Gary helfen, eben diese Bank aus zu nehmen. Um Chris zu überzeugen, setzt Gary seine Gespielin Luvlee auf ihn an. Luvlee verliebt sich prompt in ihr Opfer.
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