KRITIK

Rebell in Turnschuhen

Rebell in Turnschuhen Mädchen rebelliert, Mädchen gerät an einen störrischen Trainer, Mädchen wird geläutert: Sportfilme nehmen oft diesen Weg. Auch das Regiedebüt der „Aquamarin“-Autorin Jessica Bendinger tut das. Ihr Film „Stick it“, vom deutschen Verleih leicht peinlich in „Rebell in Turnschuhen“ umgetauft, ist so etwas wie die Teenie-Variante von „Million Dollar Baby“, natürlich abzüglich aller existenziellen Tragik, dafür aber angereichert um einschlägig amerikanisierte „Billy Elliott“-Elemente.

Die optimistische Mär vom Können, wenn man nur genug will, ist auch hier die Leitlinie allen Wirkens. Im Mittelpunkt steht die Selbstfindung. „Smallville“-Ensemblemitglied Missy Peregrym, die mehr als nur eine entfernte Ähnlichkeit zu Hollywoods führender Muskel-Charaktermimin Hilary Swank aufweist, spielt die junge Haley, ein einst weltmeisterlich aufstrebendes Turn-Talent, das dann aber aus dem ganzen Zirkus um strenge Regeln, Geldmacherei und Drill ausstieg und zum Punk-Luder wurde. Zu Beginn des Films ist die künstliche Revoluzzer-Attitüde, die dem Skater-Mädel im Motörhead-Shirt hier angedichtet wird, denn auch entsprechend unerträglich. Dauernd ergeht sie sich in satanischer Rock-Gestik, ihr Trotz ist etwas zu ausgestellt, ihre Slacker-Kumpels etwas zu künstlich erdacht, um glaubwürdig rüberzukommen. Aber je plakativer der Querulanten-Gestus, desto wirkungsvoller wohl die Läuterung.

Als sie in die farblich schick innenausgestattete Turnschule des bärbeißigen Trainers Vickerman (sträflich unterfordert, aber trotzdem sympathisch: Jeff Bridges, „The Door in the Floor“) gelangt, ist der Drehbuchweg über die Stutenbeißerei im Girlie-Konkurrenzkampf zum Designer-Rebellentum im finalen Ausscheidungswettkampf ohne jede Abweichung vorgezeichnet: Was zuvor auf Regeln pfiff, bekennt sich am Ende zur Solidarität. Ein Wohlfühlfilm eben, trotz des pausenlosen Skater-Punks auf dem Soundtrack. Selbst der noch halbwegs originell wirkende Einfall, dass sich die zuvor in Konkurrenz und Zickenkrieg verzankten Sportlerinnen aus Protest gegen das verstaubte und parteiische Reglement kollektiv der Leistungsverweigerung überantworten, verpufft mit allem angestrebten Rebellengestus schnell, wenn es dann im direkten Wechsel doch wieder auf die dollste, durch hartes Training und Glauben an sich selbst hervorgebrachte Kür ankommt, die Haley zum Supertalent macht.

Die meist leicht geschürzten Kunstgymnastinnen (darunter Vanessa Lengies als Biest und Nikki SooHoo als asiatisches Turngenie) wissen durchaus zu gefallen, vor allem angesichts der Tatsache, dass das Drehbuch ihnen nur wenig intelligente Dialoge gönnt. Beachtlich allerdings, wie sehr Regisseurin Bendinger aufs Optische achtet. Mit reichlich Effekte-Schnickschnack, Zeitlupen und -raffern inszeniert sie die Hungerhaken am Reck in gleichsam durch die digitale „Matrix“ gedrehten Busby-Berkeley-Choreographien: So wirkt das Altmodische hier erstaunlich trendbewusst. Zielgruppentechnisch gedacht ist das ein cleverer Schachzug.



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INHALT

Einst war die 17-jährige Haley die beste Turnerin des Landes und in der Olympiaauswahl, doch der Druck war zuviel, sodass sie am Abend vor der Weltmeisterschaft einfach weglief. Seither übernimmt die renitente Rebellin keinerlei Verantwortung mehr, bis sie bei einem misslungenen Trick auf ihrem BMX-Rad eine teure Panoramascheibe zerstört und vom Richter zurück in die elitäre Gymnastik-Akademie des legendären Trainers Burt Vickerman geschickt wird. Dort wird ihr von den anderen Mädchen ein eisiger Empfang bereitet: Doch nach anfänglichen Schwierigkeiten erkämpft sich Haley den Respekt des Trainers und der anderen Mädchen.
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