KRITIK

Ray

Ray
15 Jahre hat Taylor Hackford, der in den 80er Jahren nicht nur als Filmregisseur durch den Welterfolg “Ein Offizier und Gentleman”, sondern auch als ein Filmemacher mit einem großen Faible für die Geschichte der amerikanischen Musik bekannt wurde, an seinem Herzensprojekt „Ray“ gearbeitet. Seine Karriere begann er mit dem Musical “Alle meine Stars”, führte später bei dem mit großem Beifall aufgenommenen Dokumentarfilm “Chuck Berry Hail! Hail! Rock’n‘Roll” Regie und produzierte die Lebensgeschichte Richie Valens‘ “La Bamba”, das eines der ersten Bio-Pics einer Rock-Legende war.

Sein handwerkliches Geschick hatte Taylor Hackford also schon früh unter Beweis gestellt. Nun ein Film, den er schon lange vor dem ersten Treffen mit dem Musiker Ray Charles machen wollte. Doch was erzählt man auf der Leinwand, in Anbetracht einer so aufregenden Lebensgeschichte, die er zudem 1987 persönlich erzählt bekam? Biographisches Erzählen kommt im Kino immer einem Gewaltakt gleich. Ein Leben wird in den zeitlichen Rahmen eines Films gepresst, und alles, was nicht hinein passt, wird gestrichen, bis die Erzählungen austauschbar wirken. Taylor Hackford beugt sich mit Ray, seinem Biopic über das Leben der Musik-Legende Ray Charles, zwar durchaus den Konventionen des Genres, widersetzt sich ihnen aber auch: Statt alle Stationen seines Lebensweges zu bebildern, greift er einen Akt heraus. Der Film erzählt von 1948, als Ray Charles in Florida in einen der berühmten Greyhound-Busse stieg und quer durchs Land nach Seattle fuhr, um in der dortigen Jazz-Szene Fuß zu fassen und spannt den Bogen bis in das Jahr 1966, als Ray Charles nach einer Verurteilung wegen Heroinbesitzes eine Entziehungskur machte. Kurze wichtige Ereignisse werden als Erinnerungsfetzen eingestreut. Den Rhythmus gibt die Musik vor, oder besser die wichtigsten Hits, die Ray Charles auf allen wichtigen Stationen als persönliche Wegpunkte hinterließ.

Das oberflächlich betrachtet so gewöhnliche Biopic musste in Hackfords versierten Händen einfach zum Bekenntnis werden. Und tatsächlich findet der Regisseur in Charles die perfekte Verkörperung seiner Ideen von Amerika, vom Aufstieg eines blinden Klavierspielers aus Georgia, der fest an sich und an seine Musik glaubt. Patriotismusvorwürfe ertrinken jedoch in den intensiv festgehaltenen Schicksalsschlägen. Sowohl die Drogensucht als auch der mehrfache Ehebruch werden dem Zuschauer nicht vorenthalten. Hackford erzählt nah und ehrlich. Das gelingt ihm auch dank eines hervorragenden Darstellers, den er in Jamie Foxx fand. Foxx spielt das Spiegelbild von Ray Charles mit jenem mimischen und körpersprachlichen Habitus, mit dem das Vorbild mindestens so bekannt geworden ist wie mit seiner markanten Stimme. Und Foxx beherrscht auch die Kunst des Klavierspiels. Das hatte er wie Mister Charles von Kindesbeinen an gelernt. Und so dauert es nicht lange, bis sich auch hier die Grenzen zwischen Original und Imitation verwischen. Mehr muss eine gute Biographie nicht leisten. Hackford gelingt ein unglaublich gut erzählter Film über eine Legende.



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INHALT

Ray Charles Robinson wurde am 23. September 1930 in Albany, Georgia, geboren. Es war die Zeit der großen Depression und Armut. Ray fand schon sehr früh zur Musik. Er wurde sowohl von den Gospelgesängen, die er jeden Sonntag in der Baptisten-Kirche hörte, beeinflusst, als auch von den Blues-Musikern vor Ort. Schon vor seinem fünften Lebensjahr fing Ray mit dem Klavierspielen an. Dann kam es zu einer Reihe von tragischen Ereignissen. Zuerst sah er wie sein Bruder George vor seinen Augen ertrank, ein Unfall, für den Ray sich zeitlebens die Schuld gab. Dann erkrankte er, wahrscheinlich durch das seelische Trauma begünstigt, am Grünen Star und verlor langsam sein Augenlicht. Mit Sieben war er schließlich ganz blind und lernte – unter Anleitung seiner Mutter – sich in der Welt allein durch sein Hörvermögen zurechtzufinden. Vor allem half ihm dabei seine Liebe zur Musik. Viel später gab er in seinem Buch Brother Ray zu Protokoll: “Ich kann mir das nur so erklären, dass ich mit der Musik in mir geboren wurde.”

Um Ray einen besseren Start ins Leben zu ermöglichen, schickte seine Mutter den jungen Ray in die über 200 Kilometer entfernte Blindenschule St. Augustine, wo Ray lernte, Noten in der Braille-Schrift zu lesen. Dort lernte er auch verschiedene Instrumente und ließ sich von der dortigen Künstler-Szene mit Jazz, Swing, Gospel, Blues und Country-Musik versorgen. Da geschah eine weitere Tragödie: Rays Mutter starb und ließ ihn ganz allein in der Welt zurück. Motiviert von den mahnenden Worten seiner Mutter, er solle sich nie im Leben als Krüppel behandeln lassen, sondern seinen eigenen Weg finden, verschwendete Teenager Ray keine Zeit. Er setzte alles daran, mit seiner großen Liebe – der Musik – Geld zu verdienen und es gelang ihm schließlich regelmäßig, in kleinen Clubs, Tanzhallen und Bars in Nord-Florida aufzutreten. Er spielt sogar eine Zeitlang mit einer Country & Western-Band namens “The Florida Playboys”. Das Leben war allerdings alles anderes als einfach für den jungen, uner-fahrenen Teenager in der rauen Wirklichkeit. Aber Ray lernte schnell.
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Eure Kritiken zu Ray

  1. Udo

    Go for Oscar, JamieWas für eine schauspielerische Leistung von Jamie Foxx. Allein seine Leistung ist das Eintrittsgeld wert…

  2. Manni

    Sehr guter Film, toller Hauptdarsteller… unbedingt ansehen…

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