KRITIK

Quellen des Lebens

Plakat zum Film Quellen des LebensVor drei Jahren ist Oskar Roehlers „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ auf der Berlinale verrissen worden; dieses Jahr hätten manche seinen neuen Film trotzdem gern dort laufen sehen – angesichts der Tatsache, dass sonst kein „wirklich“ deutscher Film im Wettbewerb vertreten ist. Aber ob das eine gute Idee gewesen wäre? Roehlers Drei-Stunden-Werk befasst sich grenznarzisstisch mit der eigenen „Herkunft“ (so der Titel seines Romans, um dessen Verfilmung es sich letztlich handelt) und hätte dem internationalen Publikum wohl Rätsel aufgegeben. In seiner aus früheren Filmen (vor allem „Lulu und Jimi“) bekannten, idiosynkratischen Stilmixtur aus Trash-Groteske und Douglas-Sirk- Melodram rumpelt sich Roeh­ler durch die westdeutsche Nachkriegszeit. Anhand dreier Generationen blättert er gleich mehrere Kapitel deutscher Mentalitätsgeschichte auf.

Szenen aus dem Film Quellen des Lebens Der Mittelteil passt zu Roeh­lers bekanntestem Film – „Die Unberührbare“ mit Hannelore Elsner. Denn wieder geht es um das Gruppe-47-Fräuleinwunder Gisela Elsner, die diesmal von Lavinia Wilson gespielt wird. Die Schriftstellerin heiratet den Lektor Klaus Roehler (Moritz Bleibtreu). Gemeinsam verstrickt sich das Sixties-Glamourpaar im Widerstandsfuror der 68er, es scheitert an freier Liebe und unterschiedlichem Erfolg. Ihr kleines Kind Oskar – Gisela nennt es verächtlich „das Bündel“ – stört dabei nur. Irgendwann verschwindet die Mutter.

Oskar heißt im Film Robert, und dessen Selbstfindung in der No-Future-Punkszene der Berliner Spätsiebziger und Achtziger ist mit Abstand der schwächste Part des Epos. Wesentlich interessanter ist der Beginn: Da kommt Opa Erich (großartig: Jürgen Vogel) 1949 zauselbärtig aus der Kriegsgefangenschaft zurück, nur um seine Frau (Meret Becker) in einer lesbischen Beziehung (mit Sonja Kirchberger) vorzufinden. Später wird er Gartenzwergfabrikant. Zur runden Sache fügt sich das alles nicht: Provozierende Farce, die an John Waters erinnert, prallt auf psychologisch ausgespieltes Melodram, irres Tempo auf zähe Zwischenspiele, und auch schauspielerisch gibt es starke Gefälle. Warum das Ganze drei Stunden dauern muss, erschließt sich jedenfalls nicht.

  

Kritikerspiegel Quellen des Lebens



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Dimitrios Athanassiou
moviemaze.de
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Klaus-Peter Heß
Münstersche Zeitung
2/10 ★★☆☆☆☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
3.5/10 ★★★½☆☆☆☆☆☆ 




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