KRITIK

Projekt Gold – Eine deutsche Handball-WM

Projekt Gold - Eine deutsche Handball-WM Ein Dokumentarfilmer ist live dabei: Bei den Vorbereitungen auf die Weltmeisterschaft, bei Sieg und Schmach der deutschen Nationalmannschaft während des Turniers, bei den Taktiksitzungen, beim Gewitzel der Spieler. Das klingt nach Sönke Wortmanns „Sommermärchen“. Ist es aber nicht. In diesem Fall geht es um die sechs Monate nach der furios geglückten Fußball-WM ebenfalls in Deutschland durchgezogene Weltmeisterschaft im Handball – die wegen des stark spielenden deutschen Teams am Ende ein gewaltiges Publikumsinteresse erzeugte.

Regisseur Winfried Oelsner hat den Wortmann gemacht und einen Film zusammengestellt, der formal und dramaturgisch als Blaupause des „Sommermärchens“ funktioniert. Man mag das abgekupfert finden, schließlich ist von den Rüffeln des Trainers bis zu den Bekenntnissen der Spieler auf dem Hotelbett vieles am Wortmann-Film orientiert.

Doch hier funktioniert es nicht minder, vor allem wegen der kleinen Unterschiede: Bundestrainer Heiner Brand besitzt als bärbeißiger Rheinländer einen herrlich anti-klinsmannesken Grummel-Charme, das Drama des zweifelnden Torhüters und Bundesliga-Ersatzspielers Henning Fritz, der das Team mehrfach vor dem Aus rettet, könnten Drehbuchautoren kaum besser erfinden, und die Einsichten der Spieler in den Einzel-Interviews wirken geerdeter als die ihrer exorbitant besser bezahlten Fußball-Kollegen. Nur die tragische Dimension fehlt diesem geglückten Mix aus Interviews, (Fernseh-)Spielszenen und beiläufigen Impressionen: Im Gegensatz zu Klinsis Jungs hat Brands Team die WM bekanntlich gewonnen. Damit ist „Projekt Gold“ quasi die Doku-Variante jener Sport-Heldenmärchen, die Hollywood sonst so gern erzählt.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

19. Januar bis 4. Februar 2007: Handball-WM in Deutschland. Die deutsche Mannschaft, immerhin Europameister des Jahres 2004 und Vize-Weltmeister 2003, zählt nicht zu den Favoriten. Bei der letzten WM 2005 in Tunesien scheiterte das DHB-Team in der Vorrunde, wurde am Ende Neunter. Die besten Mannschaften kommen aus Frankreich, Kroatien und Spanien. Im tristen Grau des Januars hat die deutsche Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, „dass schon wieder WM is’“. Als dann auch noch der Start mit mittelmäßigen Leistungen bei Siegen gegen schwache Gegner (27:22 gegen Brasilien, 32:20 gegen Argentinien) holprig verläuft, steht das „Projekt Gold“, das Brand als Ziel ausgegeben hat, nach dem 25:27-Debakel gegen starke Polen vor dem Aus. Der Rest ist Geschichte. Dank einer Trotzreaktion fegt Deutschland Slowenien zum Auftakt der Zwischenrunde mit 35:29 weg und marschiert mit weiteren Siegen gegen Tunesien (35:28), Topfavorit Frankreich (29:26) und Island (33:28) ins Viertelfinale. Dort wird der amtierende Weltmeister Spanien mit 27:25 aus dem Weg geräumt, anschließend Frankreich im Halbfinale (32:21 nach zwei Verlängerungen) niedergerungen und im Endspiel Polen (29:24) keine Chance gelassen.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Projekt Gold – Eine deutsche Handball-WM

  1. Christian

    Eine wirklich fesselnde Doku. Spannend, einfühlsam und nachvollziehbar eingefangen. Für mich der bessere Film über eine deutsche WM-Teilnahme.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*