KRITIK

Prisoners

Plakat zum Film PrisonersRegen, dauernd Regen. Keine Szene im Film, in der wenigstens das Wetter mal ein Einsehen hätte und Gnade walten ließe. Es bleibt klamm und feucht und schmutzig in der Provinz von Pennsylvania, und Schreckliches geschieht. An Thanksgiving verschwinden zwei Mädchen, die Tochter des kernigen Familienvaters Keller Dover (Hugh „Wolverine“ Jackman), Hobby-Jäger und zum Fundamentalismus neigender Christ, und die seines Nachbarn. Die Polizei verhaftet zunächst den geistig verwirrten, in einem alten Wohnwagen umherziehenden Alex (stark: Paul Dano aus „Looper“), muss ihn allerdings bald wieder freilassen, aus Mangel an Beweisen. Während Detective Loki (Jake Gyllenhaal) in andere Richtungen ermittelt und schließlich in tief psychopathischen Gefilden fündig wird, greift Dover zur Selbstjustiz: Er entführt Alex, um in einer Art Verlies ein Geständnis aus ihm heraus zu foltern.

Zappenduster ist das, was Denis Villeneuve seinem Publikum hier zweieinhalb Stunden lang zumutet. Der kanadische Regisseur, der mit „Die Frau, die singt“ vor zwei Jahren die kongeniale Verfilmung von Wajdi Mouawads Theaterstück „Verbrennungen“ ins Kino brachte, zeichnet besonders in der ersten Hälfte des Films das präzise, tief pessimistische Bild einer versehrten Gesellschaft, die zwischen religiöser Eiferei und inneren Zwängen vergeblich ihr Heil zu finden versucht. Stark sind die Szenen aus den Opferfamilien (Viola Davis und Maria Bello spielen die Mütter), schwer erträglich die Sequenzen im Folterkeller. Roger Deakins, Kameramann der Coen-Brüder, bewirbt sich dazu mit seinen brillanten Schmutz- und Regenbildern nachdrücklich für den Oscar.

Szene aus dem Film Prisoners

(Foto: (c) Tobis Film)

Man kann diesem Charakter-Thriller vorwerfen, dass er sich am Ende etwas zu sehr in konventionellen, mit abstrusem Grusel spielenden Psychothriller-Klischees verliert; auch bleibt seine Haltung zum Folterer Dover am Ende zwiespältig. Dennoch gelingt Villeneuve etwas, das in Hollywood derzeit ausgestorben zu sein scheint: erwachsenes Kino ohne Gimmicks und Event-Beilage. „Prisoners“ ist großes Drama und ohne Zweifel eine der intensivsten Erfahrungen, die man im US-Kino dieses Jahr machen kann – woran die beiden Hauptdarsteller größten Anteil haben: Hugh Jackman endlich mal wieder jenseits von Musical und Fantasy als rasender Vater, und vor allem Jake Gyllenhaal in seiner besten Rolle seit „Brokeback Mountain“: Seinen zerquälten Cop vergisst man nie wieder. Sehenswert.

  

 



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