KRITIK

Prinzessinenbad

Prinzessinenbad Das östliche Berlin-Kreuzberg, immer noch gern wie zu Teilungszeiten SO 36 genannt, gilt nicht nur als Szeneviertel, sondern auch als „Problembezirk“, vor allem wegen der muslimischen „Parallelgesellschaften“, die dort leben. Klara, Tanutscha und Mina ist das herzlich egal. Kreuzberg ist die Heimat der drei Freundinnen, die sich jetzt, mit 15, langsam um Ausbildungsfragen kümmern (müssen).

Die junge Regisseurin Bettina Blümner hat mit „Prinzessinnenbad“ alles richtig gemacht: Sie hat sich vor dem Dreh das Vertrauen der Kiez-Girls erworben und damit sicher gestellt, dass diese dann vor der Kamera ganz ungehemmt ihre Sicht auf Liebe und Leben kundtaten.

Klara, ganz blondes Gift, bekennt etwa: „Ich habe einer alten Frau 2000 Euro gestohlen.“ Pause. „Meiner Oma.“ Tanutscha liebt den gepflegten Telefon-Chat mit überforderten Jungs, denen sie stolz entgegenschleudert: „Ich komm nicht aus Reinickendorf, ich komm aus Kreuzberg, du Muschi!“ Mina dagegen, bessere Schülerin, hat schon seit zehn Monaten einen Freund – doch den zieht`s nach Übersee.

Alltag, Familienumfeld, die (stets dunkelhäutigen) Verehrer, Freizeit im Kreuzberger Prinzenbad: Blümner zeichnet nicht nur ein herzerfrischendes Berlin-Bild, exakt so chaotisch-optimistisch und beängstigend sozialverwirrt wie Berlin heute nun einmal ist, sondern vor allem auch eine Jugendstudie von aktueller Präzision. Mit Protagonistinnen, wie man sie sich lebendiger und schlagfertiger kaum erdenken könnte. Sehenswert.



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INHALT

Regisseurin Bettina Blümner folgt in ihrem Dokumentarfilm keineswegs drei verwöhnten Prinzessinnen der Straße, sondern drei 15-jährigen Kreuzberger Mädchen, die seit der Kindheit eng miteinander befreundet und alles andere als abgehoben, weltfremd oder eingebildet sind.
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Eure Kritiken zu Prinzessinenbad

  1. Christian

    Diese beim ersten Anschauen eher unspektakuläre Dokumentation entfaltet sich erst auf dem Nachhauseweg. Die Doku reift im Kopf so zu sagen. Man behält viele Aussagen und Einstellungen im Kopf. Und die Bildermontage von Frau Blümner wird beim zweiten und dritten Nachdenken und reüssieren immer spannender. Eine beeindrucke Doku!

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