KRITIK

Prestige – Meister der Magie

Prestige - Meister der Magie Sehen Sie auch genau hin? Eine Frage, die sich im Kino eigentlich erübrigen sollte, die aber im Verlaufe von Christopher Nolans viktorianischer Abrakadabra-Show über die Rivalität zweier Magier mehrfach gestellt wird, und das zu Recht – handelt der Film doch von der hohen Kunst der Täuschung. Jeder Zaubertrick, so weiht uns zu Beginn der Illusionisten-Impresario Cutter ein, den Sir Michael Caine mit anbetungswürdiger Souveränität spielt, besteht aus drei Akten:<br<
Dem Versprechen, also der Präsentation von etwas scheinbar Gewöhnlichem. Der Wendung, will heißen, der Verwandlung des Unspektakulären in etwas Überraschendes. Und schließlich dem Prestige, der Offenbarung der staunenswerten Fähigkeiten des Zauberers, dessen Geheimnis das Publikum nicht durchschaut. Und nicht durchschauen will.

Regisseur Christopher Nolan, der mit dem rückwärts aufgerollten Amnesie-Thriller „Memento“ zu Berühmtheit gelangt ist, wird diesem Prinzip der drei Schritte, man ahnt es bald, auch in seiner Montage des großen Gaukler-Duells folgen – und sich dennoch nicht in die Karten schauen lassen. Überhaupt gebärdet er sich wie ein Magier in seinem Bemühen, die Zuschauer in gebannter Ablenkung zu halten, um sie mit Hokuspokus und doppelten Böden verzücken zu können.

Im Vaudeville-Milieu des ausgehenden 19.Jahrhundert entzweien sich die Freunde und Bühnengefährten Robert Angier (Hugh Jackman) und Alfred Borden (Christian Bale) über einen tragisch missglückten Houdini-Trick. Als erbitterte Konkurrenten wetteifern Angier, der Show-Profi ohne Einfallsreichtum, und Borden, der Erfindungs-Begabte ohne Präsentations-Talent, fortan um das ultimative Zauberkunststück.

Ein Kampf, der immer besessener ausgetragen wird, in dem Frauen wie Angiers hübsche Assistentin (Scarlett Johansson) nur Schachfiguren sind, dem Liebe und Leben zum Opfer fallen. Vor dem Hintergrund der aufkommenden Elektrizität gewittert die Geschichte einem Finale von Goethescher Tragik entgegen: Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los.

Nolan, der zusammen mit seinem Bruder Jonathan den Roman von Christopher Priest adaptiert hat, beweist einmal mehr ein unverschämtes Gespür für intelligent-komplexe Unterhaltung, für film- und literaturgeschichtlich verwurzelte Moritaten über Identitäts-Irrungen und Doppelgänger-Dämonie. Schade nur, dass der so faszinierend ausgetragene Machtkampf der Zylinder-Trickser einem schließlich doch den Glauben an das Übersinnliche abverlangt.

Doch auch damit erzählt Nolan viel über die Liebessehnsucht der Kino-Künstler seines Schlages – bewundert werden wollen sie für das eigentlich Unmögliche.



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INHALT

Die Zauberer Robert Angier und Alfred Borden sind im London der Jahrhundertwende sind seit ihrem ersten Zusammentreffen zu Beginn ihrer Karriere Kontrahenten. Zunächst ist es ein freundschaftlicher Wettstreit, bei dem der eine den anderen übertrumpfen will, der sich aber alsbald zur erbitterten Rivalität auswächst, die alle Menschen in ihrem Umfeld gefährdet und die Männer schließlich zu Mördern macht.
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Eure Kritiken zu Prestige – Meister der Magie

  1. Marti

    Absolut sensationell. Umwerfender Thriller dem man bis zum Schluß nicht auf die Schliche kommt und ein dementsprechend verblüffendes Ende hat. Genialer Film im Stil von Sixt Sense.

  2. Cineast

    Es ist kein weiteres Christopher Nolan Meisterwerk so wie „Memento“ eines war. Dazu kann man sich viel zu schwer in die Charaktere und in die Geschichte „hereinfinden“. Dennoch überraschen die Nolan-Brüder mal wieder mit einer atemberaubend konstruierten Geschichte, die bis zum Schluss fesselt. Und mit einem überraschenden Ende überzeugt.

  3. Gleichstrom / Wechselstrom

    Nachdem „Der Illusionist“ mit Edward Norton in Deutschland völlig unterging, führt Christoper Nolan nun mit „Prestige“ ungleich erfolgreicher ins selbe Metier und die gleiche Zeit: In die wundergleiche Welt der Magier des 19. Jahrhunderts.

    Schön ist, dass das Drehbuch auf ein simples wie ermüdendes Gut-Böse-Schema verzichtet. Schön ist auch, dass es viele Anspielungen auf wahre Geschichten der Zauberkunst gibt bzw. dass reale Personen und Begebenheiten aus der Zeit des 19. Jahrhunderts im Film geschickt verwurstet werden. So darf man sich nicht nur über das mörderische Duell der beiden Illusionisten freuen, sondern am Rande auch über das der beiden Erfinder Thomas Alva Edison und Nikola Tesla. Und wundersame Geschichten des Showgeschäfts wie das des „falschen Chinesen“ unterfüttern die Story.

    Alles in allem ist „Prestige“ also ein sehr gut gemachtes und streckenweise sehr spannendes Porträt ewiger Duellanten mit mehr oder minder versteckten Hinweisen und Querverweisen.

    Leider ist der Film Christopher Nolan arg zu lang geraten. Zwischendurch kommt hier und da Langeweile auf, denn „Prestige“ ist einigermaßen gut durchschaubar und reicht nicht annähernd an das ungleich raffiniertere Werk „Memento“ heran.

    Mit Christian Bale werde ich auch in diesem Film nicht richtig warm. Alle anderen Schauspieler einschließlich des wahrhaft „elektrisierenden“ Tesla David Bowie passen trefflich in ihre Rollen.

    http://www.stadtbotschaften.de

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