KRITIK

Polnische Ostern

Filmplakat Polnische Ostern

Plakat Polnische Ostern (Bild: Zorro Film)

Der Mann ist leidgeprüft im schlimmsten Sinne: Seit seine Tochter starb, hat sich die Welt für Bäckermeister Grabosch aufgehört zu drehen. Außer für seine siebenjährige Enkelin Mathilda (blass: Parashiva Dragus) und für die großen Pötte, die sich Tag für Tag durch den Nord-Ostsee-Kanal schieben, brennt der Rentner aus Rendsburg für gar nichts mehr. Verbitterung droht. Doch das Drehbuch hat sich für Grabosch eine Komödie ausgedacht. Und Henry Hübchen kann sie spielen.

In Gang gesetzt wird die Posse von polnischen Familienbehörden. Die wollen, dass die kleine Mathilda bei ihrem Vater Tadeusz (Adrian Topol) aufwächst und nicht beim Opa in Schleswig-Holstein. Gra­bosch wappnet sich mit allen Ressentiments, derer er habhaft werden kann. Obendrein mit einer Videokamera, und reist der Kleinen hinterher: Dem Jugendamt will er Beweise liefern dafür, dass Mathilda in Polen nur Unheil droht und dass sie besser aufgehoben ist bei ihm. Am Nord-Ostsee-Kanal.

Was folgt, ist ein Witz-Inferno der Polenklischees. Sie sollen durch Zuspitzung entkräftet werden, was aber nicht immer gelingt: Von der Wodka-Orgie über den Autoklau und das Ganoventum bis hin zu den fast manisch durchexerzierten Ritualen des Katholizismus wird ungefähr so ziemlich jeder Polenwitz in Szene gesetzt. Es trifft sich daher gut, dass gerade Ostern ist, als Grabosch die Oder überquert. Und es trifft sich noch besser, dass Mathildas neue Familie im polnischen Wallfahrtsort Czestochowa residiert: So können auch Pilgerscharen pittoresk durchs Bild laufen, auf ihrem Weg zur Schwarzen Madonna.

Nun haben verfilmte Polenwitze schon im letzten Jahr in der Christian-Ulmen-Plotte „Hochzeitspolka“ nur sehr mäßig gezündet: Lacher sind zunächst garantiert, auf Dauer aber wirken sie schal. Gut also, dass Regisseur Jakob Ziemnicki in seinem Spielfilmdebüt doch noch ein wenig mehr Substanz im Gepäck hat: Der Deutsch-Pole, der zuvor am Episodenfilm „Berlin – 1. Mai“ mitwirkte, lässt Grabosch auf Mathildas patente Oma treffen, die von der wunderbaren Grazyna Szapolowska aus Kieslowskis „Kurzem Film über die Liebe“ gespielt wird. Sie stiehlt ihm seine Verbitterung, und am Ende, viel zu hoppla-hopp, hat Grabosch die Polen ganz furchtbar gern. Die prompte Wandlung ist unplausibel, aber Henry Hübchen, natürlich, der spielt sie mit links.



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INHALT

Das Schicksal meint es mit dem alleinstehenden Bäckermeister Grabosch nicht gerade gut. Denn nach dem tragischen Unfalltod der Tochter soll nun auch noch sein einziges Enkelkind bei dessen polnischem Vater aufwachsen. Grabosch aber hat einen Plan: Er wird Mathildas neue Familie an Ostern in Polen besuchen und alles unternehmen, dass man ihr das Sorgerecht wieder entzieht. Doch je länger sich der alte Mann dort aufhält, desto klarer wird ihm, dass sämtliche Vorurteile, die er bisher gegen die Polen gehegt hatte, haltlos sind.
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