KRITIK

Point Break

Bild (c) 2015 Concorde Filmverleih.

Bild (c) 2015 Concorde Filmverleih.

John „Johnny“ Utah, ein junger FBI-Agent, schließt sich einer Gruppe junger, abenteuerlustiger Sportler an. Ältere Filmfans dürften diesen Plot kennen. In Kathryn Bigelows „Point Break – Gefährliche Brandung“ aus dem Jahr 1991 wird Johnny Utah zunächst dem alt eingesessenen FBI-Agenten Angelo Pappas (Gary Busey, „Lethal Weapon“) als Partner zugeteilt, der eine gefühlte Ewigkeit nach den so genannten vier „Ex-Präsidenten“ sucht. Das ist eine Bande, die sich mit Masken der alten US-Präsidenten verkleidet und Banken ausraubt. Pappas vermutet eine Gruppe Surfer hinter den Überfällen, die sich ihre Surf-Trips davon finanzieren. Und so schickt er seinen grünschnabeligen neuen Partner Utah los, um surfen zu lernen und sich nach einer Surfergruppe, die auf das Profil passt, zu erkundigen. Im Remake von Ericson Core ist die gleichnamige Hauptfigur Johnny Utah kein Surf-Azubi sondern ein Ex-Extremsportler. Und das bleibt nicht die einzige Steigerung in „Point Break“ – Version 2.0.

Fast 25 später ist die Welt schneller und mobiler geworden. Zum Surfen fährt man nicht nur an einen Strand nach L.A., man reist inzwischen um die ganze Welt. An die französische Mittelmeerküste zum Beispiel, an der der junge Ex-Youtube-Star Johnny Utah auf eine Truppe Extremsportler unter der Führung des charismatischen Südamerikaners Bodhi (Èdgar Ramírez, „Carlos“, „Joy„) trifft. Auf einer Yacht eines russischen Geldgebers wird auf die „eine Welle“ gewartet. Surfer werden wissen, was gemeint ist. Und dass diese eine Welle ausgerechnet an der französischen Mittelmeerküste auf die Surfer wartet, ist nicht die letzte Ungereimtheit in dieser Neuauflage. Der US-Amerikaner darf sich dem gemischten Team (u.a. Clemens Schick, „Vier Könige„) um Bodhi anschließen. Wenig später ist nur noch skizzenhaft zu erkennen, was von der Undercover-Mission des FBI-Agenten (Luke Bracey) übrig geblieben ist.

Szene_Point-Break-3D„Bin dabei“ heißt hier aber noch lange nicht „bin mittendrin“. Erst nach einigen Prüfungen mit Surfbrett, Motorbike und Snowboard wird Johnny in die Gruppe aufgenommen. In der 2.0-Version wird zudem die vitalistische Komponente des gemeinsamen Abenteuers noch verschärft: Ziel ist nicht nur der gemeinsame Spaß sondern das gemeinsame Meistern von acht Extremsport-Aufgaben, die so genannte Prüfung der „Ozaki Eight“: Erreiche den vollkommenen Einklang mit der Natur indem Du über Grenzen gehst. Um diese Prüfungen zu schaffen, werden auf verschiedenen Kontinenten Banken überfallen, hier verknüpft mit einer Prise Kapitalismus-Kritik.

Snowboarden in den Alpen, Freeclimbing mit anschließenden Sprüngen von Wasserfällen in Ecuador, da wo die Wellen am gefährlichsten sind, die Berge am höchsten und die Pisten am steilsten – dort soll man dem wahren Leben näherkommen. Mit zahlreichen 3D-Kameras aufgenommen, sehen diese Mutproben zugegeben sehr eindrucksvoll aus. Vorausgesetzt man ist nicht zufällig selbst Surfer oder Freeclimber. Denn „Pofis“ werden über die teilweise hahnebüchenen Einstellungen sehr bald nur noch kopfschüttelnd schmunzeln. Eine Bergbesteigung ohne jegliches Material wird hier sehr vereinfacht zu einem fast spielerischen Spaziergang am Fels.

Genau mit diesen Extremsport-Location-Bewerbungssquenzen wird der Film zur Lachnummer und unterminiert seine eigene so wirre wie unreflektierte Botschaft: Extremsport-Lifestyle zum Schutz der Umwelt. Und wer dies bis dahin noch nicht erkannt hat, möge sich an die Szenen zu Beginn erinnern, in denen die Öko-Truppe, die eigentlich anders denken müsste, mit dekadenten Geldgebern feiert, die den Eso-Spaß finanzieren. Schade, denn man hatte sich gerade an den charismatischen Édgar Ramírez und seine Truppe gewöhnt. Unter Vernachlässigung des schauspielisch völlig überforderten Luke Bracey in der Hauptrolle. Am Ende ist es dann doch nicht mehr als ein Extremsport-Porno zum Schutz der Umwelt auf Kosten eben dieser. Vor diesem Hintergrund hatte Kathryn Bigelow einst weitaus mehr Fingerspitzengefühl bewiesen.

 

 

Kritikerspiegel Point Break



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Stefan Turiak
WIDESCREEN, triggerfish.de
2/10 ★★☆☆☆☆☆☆☆☆ 


Julius Zunker
kinofans.com
0/10 ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem Kritikerspiegel Januar.

 



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