KRITIK

Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten

Filmplakat Pirates of the Caribbean Fremde GezeitenEs war nur eine Frage der Zeit, bis der leicht tuntige, ewig nuschelnde Pirat Captain Jack Sparrow alias Johnny Depp die Segel zu einem neuerlichen Abenteuer hissen würde. Mit 40 Millionen Gründen soll ihm die Entscheidung erleichtert worden sein. Passend zum aktuellen Trend wurde der vierte Teil der „Pirates of the Carribean“-Reihe auch gleich auf 3D getrimmt, was zuweilen nett ausschaut, in der Gänze als teuer bezahlter Effekt, der sich unmittelbar im Preis der Kinokarte niederschlägt, aber ernstlich in Frage gestellt werden darf.

Dass Geld bei dieser Fortsetzung alles andere als eine untergeordnete Rolle spielte, veranschaulicht, dass das Budget insgesamt um ein Drittel gekürzt wurde. Von den nunmehr bescheidenen 200 Millionen Dollar verfiel ein großer Teil auf die Gage von Johnny Depp. Und zugegeben, ohne ihn wäre die Reihe (in der Form) gar nicht denkbar. Den Kürzungen sind wahrscheinlich auch einige Umbesetzungen in der Crew geschuldet. Neben Depp blieb nur Geoffrey Rush als Barbossa der Reihe erhalten, der von Beginn an den gewohnheitsmäßigen Widersacher gibt. Hingegen neu hinzu gekommen sind Penélope Cruz, die im vierten Teil die betörende Angelica verkörpert, eine verflossene Geliebte Jack Sparrows sowie Ian McShane, der den gefürchtetsten aller Piraten mimt, Blackbeard. Der berüchtigte Piratenkapitän ist mit dunklen Mächten im Bunde und herrscht mit finsterer Magie über sein Schiff und seine Mannschaft. Verzichtbar schienen hingegen Orlando Bloom und Keira Knightley gewesen zu sein; zwei Darsteller, die bereits im ersten Teil der Saga dabei waren. Sowie das Comedy Duo Pintel (Lee Arenberg) und Ragetti (Mackenzie Crook), das für zahlreiche Lacher in den ersten drei Teilen sorgte.

Die hanebüchene Geschichte beginnt damit, dass der gute Jack mal wieder richtig in der Tinte steckt. Nicht, dass dies etwas Neues wäre. Aber wenn eine abgelegte Liebhaberin zurückkehrt, kann es wirklich gefährlich werden. Dank Angelica (Penélope Cruz) landet Jack in den Händen des Oberfinsterlings Blackbeard, der es auf die „Quelle der ewigen Jugend“ abgesehen hat. Außer diesem befindet sich aber noch ein britischer Lord, der mit Barbossa, Jacks Busenfeind, gemeinsame Sache macht, auf der Suche nach dem mystischen Ort. Der dritte im Bunde ist ein spanischer Edelmann, der aber nur in wenigen Szenen zu sehen ist. Allerdings möchte letzterer die Quelle zerstören. Nach seiner katholisch-christlichen Weltanschauung darf kein Mensch über eine derartige Macht verfügen. Bis es zum großen Show-Down zwischen den verschiedenen Parteien kommt, gilt es aber erst mal eine Reihe lebensgefährlicher Abenteuer zu meistern.

Der Reboot der „Pirates of the Carribean“-Reihe wartet mit einer zugleich simplen wie verworrenen Story auf. Allen Filmfiguren gemein ist zwar, dass sie hinter der Quelle der ewigen Jugend, wie hinter dem Heiligen Gral her sind (und die Spanier müssen hierbei, wie so oft, als bornierte christlich-fundamentalistische Inquisitoren herhalten), doch die Geschichte artet zusehends zu einem Verwirrspiel aus, bei dem selten klar ist, wer gerade mit wem gemeinsame Sache macht.

Der kräftige Tritt aufs inszenatorische Gaspedal könnte über solche erzählerischen Defizite zumindest teilweise hinweghelfen, allerdings entpuppt sich der vierte Teil der Reihe als reichlich plapperhaft, was durchaus Längen nach sich zieht, die selbst ein fabelhaft aufgelegter Johnny Depp nicht zu überspielen vermag. Witzig ist der Film zumindest. Zwar auf eine reichlich platt-naive Weise, die sich, wie die Stammcharaktere selber, seit dem Start der Reihe nicht weiterentwickelt haben. Johnny Depp ist und bleibt zwar die fleischgewordene Inkarnation Jack Sparrows, doch auch nicht mehr als das. Auf Dauer erschöpft sich so selbst das Potenzial der originellsten Figur. Insbesondere, wenn es nicht gelingt, Abgänge in der Crew adäquat zu ersetzen.

Im neusten Abenteuer Captain Jack Sparrows weht alles andere als eine frische Brise. Die sandige Story vermag nicht zu begeistern; zumal zwei wesentliche Sympathieträger über die Planke gingen; dafür wirkt Penélope Cruz, die neu an Bord kam, als weiblicher Pirat die meiste Zeit über fehl am Platze; und auf die 3D-Technik hätte man zugunsten wichtigerer Elemente, wie imposanterer Settings, ebenfalls verzichten können. Bleibt auf der Haben-Seite ein klasse aufspielender Johnny Depp und ein ebenbürtiger Geoffrey Rush. Ohne die beiden und den beeindruckenden CGI-Effekten, wäre der Streifen aber kaum mehr, als die moderne Variante von „Sindbad – Der Heer der sieben Meere“.



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INHALT

Der mal wieder Schiffslose Captain Jack Sparrow stößt in London auf eine ehemalige Flamme, der er einmal das Herz gebrochen hat. Die attraktive Angelica hat sich als Jack Sparrow verkleidet, um ihn her zu locken. Denn nur er weiß, wo die Quelle der ewigen Jugend zu finden ist. Sie will sie zusammen mit dem berüchtigten Piraten Blackbeard zuerst erreichen. Auch die englische und spanische Krone ist hinter der Quelle her. Ein Wettlauf beginnt.
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Eure Kritiken zu Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten

  1. Christoph

    Ja, es stimmt! Pirates 4 ist eine Enttäuschung. Keine Neu-Interpretation, wie erhofft, sondern eine Johnny-Depp-Show mit wenig Abwechslung. Ob es an der fehlenden Chemie zwischen Depp und Penelope Cruz liegt? Vielleicht auch das. Doch der Film ist mehr ein Reisevideo. Ohne haftenbleibende Einfälle.

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