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Pirates of the Caribbean 5: Salazars Rache

Bild (c) 2017 Disney Motion Picture Germany.

Im Piratenuniversum von Captain Jack Sparrow ist der Tod nicht notwendigerweise endgültig. Genauso wenig wie das Ende des erfolgreichen Franchises selbst, das am Ende des Abspanns im fünften Teil einmal mehr einen Hinweis auf ein weiteres Abenteuer bereithält. Nein, Jack Sparrow – und mit ihm und in ihm Johnny Depp sind nicht kleinzukriegen. Selbst die Ehe-Prügeleien und alkoholisierten Auftritte ihres Hauptdarstellers hatten die Verantwortlichen bei Disney weder zu einer Pause noch zu einem Ende der „FdK“-Reihe genötigt. Das florierende Franchise mit einem bisherigen weltweiten Einspiel von 4 Milliarden US-Dollar hat mehr verdient. Nach „Jack is back“ im zweiten und „noch mehr Jack“ im dritten, bekommt es der Piratenkapitän im fünften Auftritt mit einer Horde Untoter zu tun. Diese wird von einem (wie immer) herausragenden Javier Bardem angeführt. Und allein wegen der (leider viel zu geringen) Spielzeit des Spaniers lohnt die Kinokarte für „Dead Men Tell No Tales“, wie der Film treffender im Original heißt.

Doch es dauert ein wenig, bis Captain Jack Sparrow auf den rachsüchtigen Spanier trifft. Zunächst bekommt das Franchise mit dem Auftritt des jungen Henry Turner (Brenton Thwaites) eine Art „Next Generation Frischzellenkur“ verpasst. Der Name „Turner“ dürfte einigen „Fluch der Karibik“-Fans bekannt vorkommen: Richtig, Vater Will Turner (Orlando Bloom) hatte einst von den „Rotröcken“ der britischen Flotte kommend bei den Piraten „angeheuert“ und dem damals eifersüchtigen Jack die taffe Elizabeth Swann (Keira Knightley) ausgespannt.

Nach einer kurzen Vorgeschichte über die Beweggründe des jungen Henry, seinen Vater aus den Fängen des verfluchten Pratenreiches zu befreien, stellt ihn das Drehbuch von Terry Rossio (nach vier erfolgreichen Geschichten diesmal in Zusammenarbeit mit Jeff Nathanson) als jungen Offiziersanwärter vor. Als einziger Überlebender eines Angriffs durch den gefürchteten Captain Salazar, soll Henry vom unstillbaren Rachedurst des untoten, spanischen Kapitäns berichten. Denn dieser hat mit Jack Sparrow noch eine Rechnung offen.

Während der Spanier mit seinem Geisterschiff durch die Weltmeere mordet, taucht Jack Sparrow sturzbetrunken in einem „uneinnehmbaren“ Tresor auf. Das Prachtstück steht auf einer Pazifik-Insel kurz vor der Einweihung. Die letzten Verbliebenen seiner unerschrockenen Crew (Kevin McNally als „Gibbs“, Martin Klebba als „Marty“ und Adam Brown als „Cremble“) versuchen, mit dem Inhalt des Tresores ihren kaum vorhandenen Reichtum zu mehren. Was natürlich misslingt. Nein, was natürlich – so die eiserne Regel der Reihe – misslingen muss. Und wer an dieser Stelle genau aufpasst, dem wird auffallen, dass zeitgleich fantastische Fiktion auf harte Boulevard-Realität trifft: Ein sturzbetrunkener, mittelloser Pirat trifft auf eine taffe Frau, verhilft ihr zur Flucht, macht ihr Avancen, muss sie später jedoch an einen anderen abgeben. Jack Sparrow trifft auf Johnny Depp. Und Amber Heard grüßt mit blauem Auge aus der Ferne.

Als sich die Geschichte des jungen Henry Turner mit der über die erfolglosen Bankräuber um Captain Jack Sparrow kreuzt, wird plötzlich ein geheimnisvoller Dreizack, der Poseidon gehört haben soll, zum Objekt der Begierde. Also raufen sich der junge Henry, die schöne Unbekannte namens Carina Smyths (Kaya Scodelario), das Team um Jack Sparrow und nicht zuletzt der unerschrockenen Kapitän Hector Barbossa (Geoffrey Rush) zusammen, um den begehrten Dreizack zu finden. In ihrem Fahrwasser: Kapitän Salazar und seine Crew der Untoten.

Bereits bei der Nacherzählung wird deutlich, dass die Handlung des fünften Teiles sehr viel kohärenter ist als in den letzten beiden Teilen des Franchises. Daran dürfte sicherlich Autor Jeff Nathanson einen großen Anteil haben, der mit seinen Geschichten zu den Steven Spielberg-Filmen „Catch me if you can“, „Terminal“ oder vielleicht auch „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ sein Können unter Beweis gestellt hatte. Für die visuelle Umsetzung zeichnete diesmal das skandinavische Regie-Duo Joachim Rønning und Espen Sandberg verantwortlich, das bereits mit dem sehr sehenswerten Abenteuerdrama „Kon-Tiki“ bewiesen hatte, dass es spannende Geschichten auch auf dem Wasser inszenieren kann.

Alles neu im verfluchten Piratenreich also? Mitnichten. Denn nach nunmehr vierzehn Jahren knarzt und knirscht es kräftig im Gebälk der Piraten-Saga. Einige Handlungsstränge können nur mit seeehr viel Phantasie zusammengeführt werden und das betrunkene Gebrabbel von Jack Sparrow haut schon lange niemanden mehr vor Lachen vom Hocker. So sind es immer wieder die kleinen Ideen, die mitlerweile fast ikonographischen Szenen, mit denen sich Johnny Depp aus jeder noch so misslichen Lage zu befreien weiß.

Diesmal wird ihm mit dem furchteinflößenden spanischen Kapitän Salazar ein wirklich ernstzunehmender Gegenspieler auf die Gegenseite gestellt. Gerne hätte man sich mehr Szenen mit den beiden gewünscht. Doch gerade mit dem fünften Teil wird deutlich, dass es sich bei „Pirates of the Caribbean“ im Kern um eine Idee aus einem Disney-Themenpark handelt. Einmal mehr liegt also der Schwerpunkt auf den Effekten und weniger im Erzählerischen. Fans wird das kaum stören. Einige von ihnen werden gar Reminiszenzen zu älteren Piratenfilmen („Sindbad“) entdecken, andere sich über die Geschlechterrollen im Disney-Franchise aufregen. Am Ende bleibt es eine temporeich inszenierte Rückbesinnung auf den Kern der Reihe mit über-sich-hinaus-wachsenden-Neben- und einem nimmermüden Hauptdarsteller, der Ehe-und-Suff-Eskabaden mühelos ins Reich der Fantasy manövriert.

 

 

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Eure Kritiken zu Pirates of the Caribbean 5: Salazars Rache

  1. Farbfussel

    Ich war am Mittwoch bei der Preview und muss sagen, dass der Film mich förmlich umgehauen hat. Und das in wirklich jeder Lage! Nach dem -für mich- schon sehr enttäuschenden 4. Teil ist das ein grandioser Film voller Spannung und Humor. Johnny Depp spielt seine Rolle wieder mit vollem Elan und auch die beiden neuen Hauptfiguren passen zur Geschichte. Mit dem Ende hätte ich so nicht gerechnet, denn es hält einige Überraschungen bereit!
    Alles in allem ein fantastischer Film! Anschauen lohnt sich!

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