KRITIK

Picknick mit Bären

Bild (c) 2015 Alamode Filmverleih.

Bild (c) 2015 Alamode Filmverleih.

Rucksack auf und loswandern. Das wär´s – denkt sich auch Reise-Autor Bill Bryson, der zwei Jahrzehnte in England gelebt hat und jüngst mit Familie in seine US-Heimat zurückgekehrt ist. Nur hat sich Bryson (Robert Redford) längst aus dem Berufsleben zurückgezogen und für seinen „A Walk in the Woods“ (wie der Film treffend im Original heißt) ausgerechnet den Appalachian Trail, den längsten Fußweg der Welt, ausgesucht. Der etwa 3.500 Kilometer lange Wanderweg, der nicht nur durch vierzehn US-amerikanische Bundesstaaten, sondern auch durch tausende Hektar großes, unbewohntes Waldgebiet und über mehrere Berge führt, soll selbst für jüngere Hobbysportler eine echte Herausforderung sein. Das mahnt auch Brysons fürsorgliche Ehefrau Catherine (Emma Thompson), um am Ende zähneknirschend zu fordern: „Nicht allein“. Klein beigebend telefoniert der zivilisationsmüde Rentner schließlich einige alte Freunde ab, bis am Ende Stephen Katz (Nick Nolte), ein inzwischen von zahlreichen Alkoholeskapaden schwer gezeichneter Studienfreund als einziger diesem verrückten Vorhaben beiwohnen will.

A WALK IN THE WOODSBereits die erste Begegnung der beiden Freunde zeigt, dass der übergewichtige Stephen Katz, herausragend authentisch verköpert von Nick Nolte, ganz andere Schwerpunkte in seinem Leben gesetzt hat als der zielstrebige, disziplinierte und in jeder Hinsicht erfolgreiche Bill. Und beide ahnen, dass ihr Vorhaben ihnen mehr abverlangen wird als nur körperliches Durchhaltevermögen. Der auf Komödien spezialisierte amerikanische Film- und TV-Regisseur Ken Kwapis lässt jedoch keinen Zweifel daran aufkommen, wie das witzige Buddy-Road-Movie am Ende ausgehen wird. Ebenso wenig lässt er seine beiden Stars als zwei Streithähne oder Wettbewerber aufeinander los sondern als zwei sich respektierende Freunde, die nicht hochtrabend über die Welt, das Gestern und Heute philosophieren, sondern die Tücken eines solchen Trips gemeinsam meistern. Inklusive nervigen Wanderskolleg(inn)en und amourösen Verlockungen.

Das sorgt neben beeindruckenden Landschaftsaufnahmen natürlich für zahlreiche berührende Momente, die nicht nur Lust auf eine Wanderung zu zweit machen sondern auch das Herz erwärmen. Vor allem, wenn man in den 104 Filmminuten dabei zusieht, wie zwei Ikonen des amerikanischen Kinos ihr Image noch einmal so richtig auf der großen Leinwand gegeneinander ausspielen. Ein Film, der von existenzialistischen Innenansichten ähnlich ambitionierter Protagonisten („Der große Trip“, „Spuren“ oder bald „Ich bin dann mal weg“) ebenso meilenweit entfernt ist wie das Ziel dieser Reise für die zwei überforderten Altvorderen.

 

 



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INHALT

Der bekannte Reiseschriftsteller Bill Bryson (Robert Redford) möchte sich nicht in ein langweiliges Rentnerleben verabschieden. Allen Warnungen seiner liebevollen Frau Catherine (Emma Thompson) und seiner Kinder zum Trotz will er sich ein letztes Mal in ein Abenteuer stürzen und zu Fuß den Appalachian Trail bezwingen, einen 3.500 Kilometer langen Wanderweg quer durch die USA. Die Probleme beginnen allerdings bereits bei der Suche nach einem geeigneten Wanderpartner. Der einzige, der sich mit ihm auf die Reise machen möchte, ist ausgerechnet sein schon lang entfremdeter Schulfreund Stephen Katz (Nick Nolte), ein ehemaliger Alkoholiker, der für das gewagte Vorhaben neben einer schlechten Kondition auch zu viele Kilos mitbringt. Dennoch macht sich das ungleiche Gespann auf den Weg in die atemberaubende amerikanische Wildnis und findet hierbei nicht nur eine alte Freundschaft wieder sondern vor allem auch zu sich selbst. (Text: Alamode Film)
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