KRITIK

Philomena

Bild (c) Universum Film.

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Die Award Season neigt sich so langsam dem Ende. Die wenigen Filme mit Oscar-Chancen tröpfeln jetzt noch in die europäischen Kinos. „Philomena“ ist einer der letzten. Philomena steht für Philomena Lee, eine gütige alte Frau aus Großbritannien. Ihre Moral bezieht die ehemalige Krankenschwester aus Liebesromanen und aus ihrem katholischen Glauben. Dieser Film erzählt ihre Geschichte.

Martin Sixsmith dagegen ist ein weltläufiger Fernsehjournalist aus London, ein Zyniker. Anfangs ohne Verknüpfungspunkte, Verve und Eifer machen sich beide bald gemeinsam auf die Reise. Sixsmith möchte ein Buch über Philomena schreiben. Die 70-Jährige nämlich – die Geschichte ist wahr – hat nach einem halben Jahrhundert ihre Lebenstragödie öffentlich gemacht: Im erzkatholischen Irland der 1950er Jahre war sie als Teenager schwanger, zur Strafe in ein kirchliches Heim für „gefallene Mädchen“ gepfercht und dort zur Fronarbeit in einer Wäscherei gezwungen worden. Ihr Kind wurde, wie das vieler anderer junger Mütter auch, von den Nonnen gegen Geld an US-Ehepaare verkauft. Gesehen hat sie den Sohn nie wieder. Mit Sixsmith macht sie sich nun auf die Suche.

Szene_PhilomenaDie gutherzige Mutter und der sarkastische Akademiker: Diese gegensätzlichen Figuren aufeinander loszulassen, das ist natürlich schon die halbe Miete in diesem unaufgeregt inszenierten, keine einfachen Antworten liefernden Film von Regisseur Stephen Frears („Die Queen“). Gekonnt balanciert er die Roadmovie-Komik des ungleichen Paares mit der Tragik eines Lebensschicksals aus, ohne zu verharmlosen oder zu verkitschen.




Die brillanten Darsteller helfen dabei: Judi Dench, eben noch hat sie sich als eisige 007-Vorgesetzte verabschiedet, erspielt sich hier verdientermaßen die siebte Oscar-Nominierung für ihren Auftritt als graulockig-trutschige Philomena, die statt auf Rache auf Vergebung setzt. Der scharfzüngige Brite Steve Coogan gibt ihren Widerpart ebenso gekonnt. Sehenswert.

 



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INHALT

Er hat auf höchster politischer Ebene mitgemischt. Menschelnde Schicksalsstorys öden ihn an. Aber als die fast 70jährige Philomena Lee (Judi Dench) dem arroganten Journalisten Martin Sixsmith (Steve Coogan) ihre Lebensgeschichte anvertraut, wittert er eine Story: Als Teenager wird Philomena im streng katholischen Irland der fünfziger Jahre ungewollt schwanger. Zur Strafe kommt sie in ein Kloster, in dem sie ihren unehelichen Sohn zur Welt bringt und gezwungen wird, ihn zur Adoption freizugeben. 50 Jahre lang schweigt Philomena aus Scham. Jetzt bittet sie Martin um Unterstützung bei der Suche nach ihrem Kind. Während ihrer gemeinsamen Reise auf den Spuren der Vergangenheit prallen zwei Welten aufeinander: Die fromme, warmherzige ältere Dame und der zynische Reporter bilden ein kurioses Team. Trotz aller Gegensätze freunden sie sich an – und stoßen im Verlauf ihrer Nachforschungen auf einen unfassbaren Skandal … (Text: Universum Film)
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