KRITIK

Phantomschmerz

Phantomschmerz Ein Urproblem des Lebens und des Kinos bleibt es, dass man mit Menschen kaum Mitgefühl empfinden kann, die einem unsympathisch sind. Marc, den Til Schweiger mit Zottelmähne und zum Weglaufen selbstgefälligen Grinsen spielt, ist so ein Fall. Ein verantwortungsscheuer Tagträumer, der beständig seine 12-jährige Tochter (Luna Schweiger) enttäuscht, den man aber dennoch als einen grundguten Kindskopf ins Herz schließen soll, der mit ach so verrücktem Seemannsgarn nicht nur die Arbeitskollegen am Hafen zu fesseln versteht. Funktioniert schon mal überhaupt nicht. Dann aber verliert Marc, der passionierte Hobby-Radrennfahrer, bei einem Verkehrs-Unfall ein Bein. Und hiermit kippt auch die Stimmung des Films.

Der Schelmen-Ton schlägt um in unerträgliche Larmoyanz, die wiederum nahtlos in die Gewinner-Geschichte eines unverbrüchlichen Siegeswillens überführt wird. Endlich, angestoßen durch die nicht zu vertreibende Freundin Nika (Jana Pallaske), findet Marc Zeit, sein Talent fürs Schreiben auszuleben. Die Haltung ist: Gibt das Leben dir Zitronen, mach eben Limonade draus. Und das wirkt nur noch lächerlich.

Was bedeutet es schon, dass Regisseur Matthias Emcke den realen Fall eines verunglückten Freundes vor Augen hatte? Nicht wovon, sondern wie man erzählt, ist entscheidend. Einzig Stipe Erceg gefällt hier in der Nebenrolle des bodenständigen, vermögenden besten Kumpels, der auch die kostspielige Prothese bezahlt. Ercegs Figur stößt inmitten dieses gelackten Schmerzens-Märchens immerhin für Momente interessante Fragen über Wert und Verbindlichkeit von Freundschaft an.



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INHALT

Der leidenschaftliche und ambitionierte Rennradfahrer, Frauenheld und Lebemann Marc erleidet einen Verkehrsunfall, bei dem er sein linkes Bein verliert. Zunächst versucht er, seine Situation zu verdrängen und macht mit seinem Lotterleben weiter wie bisher, sprich: ständiger Beziehungswechsel und sträfliche Vernachlässigung seiner zwölfjährigen Tochter. Doch Nika, in die er sich verliebt, hilft ihm dabei, einen Neuanfang zu machen.
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