KRITIK

Persepolis

Persepolis „Zeichnen“, befand Marjane Satrapi unlängst in einem Interview, „ist die universelle Sprache der Welt.“ Sie selbst hat diese Sprache als Waffe eingesetzt, in den Comics, besser noch trifft der englische Ausdruck graphic novels, die sie über ihre Kindheit im Iran, die Jahre des Schah-Sturzes und des Mullah-Regimes gedichtet hat.

„Persepolis“, Satrapis ureigene und zugleich allgemeingültige Geschichte, die sie jetzt mit Vincent Paronnaud als Animation auf die Leinwand gebracht hat, ist kein bitteres Pamphlet. Sie erzählt nicht zuletzt von Teenager-Sehnsüchten, die sich im Iran kaum von denen in den USA unterscheiden: Punk und Abba hören, Fritten, Flirts und Freiheit.

Satrapi stammt aus einer liberalen, weltoffenen Familie, mit 14 Jahren wird sie von den Eltern nach Wien geschickt, reist Jahre später in ihre verwandelte Heimat zurück und emigriert erneut, diesmal nach Frankreich. Warmherzig ist der Film, voller Liebe zu Mutter und Vater, auch zum Onkel, der in den Folterkellern der Fundamentalisten ermordet wurde. Aber eben auch derart satirisch treffend, dass für Satrapi eine Rückkehr ins Geburtsland auf lange Zeit ausgeschlossen scheint.

Sosehr sich „Persepolis“ indes gegen die Bigotterie der Gotteskrieger richtet, sosehr räumt der Film – mit klaren Strichen überwiegend in Schwarzweiß gezeichnet, getragen vom Patriotismus einer Exilantin – auch mit Klischees über den Iran auf, der eben nicht nur von bärtigen Fanatikern behaust wird. Satrapi, im Original von Chiara Mastroianni, in der deutschen Fassung von der gebürtigen Iranerin Jasmin Tabatabai gesprochen, macht Hoffnung auf den unwahrscheinlichen Sieg der Vernunft.



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INHALT

Punkmusik, ABBA, Iron Maiden und natürlich Jungs - das sind die großen Leidenschaften des Mädchens Marjane, das im Iran lebt. Daran kann auch die Machtergreifung durch die fundamentalistischen Mullahs, die den Schah aus dem Land gejagt haben, nichts ändern. Marjane begehrt auf gegen die Verschleierungspflicht für Frauen, gegen die Bespitzelung der Bevölkerung und die Repressalien gegen ihre Familie. So groß ist Marjanes Lebenshunger, dass die Eltern sie sicherheitshalber außer Landes schicken, bevor Schlimmeres geschieht...
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Eure Kritiken zu Persepolis

  1. Colonia

    Schnappt Euch den Iraner oder die Iranerin, der oder die neben Euch wohnt, und schaut Euch diesen Film an.

    Absolut empfehlenswert.

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