KRITIK

Perlenstickerinnen, Die

Perlenstickerinnen, Die
Claire (Lola Neymark) ist 17 Jahre alt und schwanger, was ja bereits problematisch genug ist. Zu den Eltern hat das Mädchen kaum noch Kontakt, im Supermarkt, wo sie an der Kasse arbeitet, meidet sie die Kolleginnen und erfindet gar ein Krebsleiden, um ihren wahren Zustand nicht preisgeben zu müssen. Vielleicht wäre die junge Frau mit den feuerroten Locken längst verzweifelt, würde sie nicht Zuflucht in ihrer großen Leidenschaft finden, der Stickerei.

Um ihre Passion zu perfektionieren, und auch, um ihr Kind in Abgeschiedenheit zur Welt bringen und zur Adoption freigeben zu können, flieht Claire aus der Kleinstadt Angoulême und bewirbt sich um Arbeit im Atelier der armenischen Haut-Couture-Stickerin Madame Melikian (Ariane Ascaride). Die Grande Dame, die für namhafte Designer fertigt, willigt ein und kümmert sich zunächst nicht weiter um die Nöte ihres jungen Lehrlings. Zu sehr schmerzt sie selbst der Verlust ihres Sohnes, der bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen ist. Doch allmählich, nach Wochen der schweigsam miteinander verrichteten filigranen Näherei, kommen die beiden Frauen sich näher.

Ein rechtes Rührstück hätte aus dieser Geschichte werden können, doch die französische Regisseurin Eléonore Faucher bebildert die Annäherung zwischen Claire und Madame Melikian mit distanzierter Sensibilität. Die Perlenstickerei spielt dabei zwar eine gewichtige Rolle und wird auch mit Detailliebe ins Bild gerückt, allerdings geht es Faucher weniger um eine Feier der guten alten Handarbeit, als vielmehr um eine Metapher des Kinos selbst, dessen Kunst in ihren Worten ja auch darin bestehe, die Arbeit der Techniker unsichtbar zu machen – so wie ein paillettenbesticktes Kleid nicht die Mühe erkennen lässt, die jede einzelne Applikation verlangt.

Eléonore Faucher erzählt hier in bisweilen traumschönen, auch surreal-schwebenden Bildern von wachsender Hingabe und Liebe einerseits, von der schier aufzehrenden Überwindung des Verlustes andererseits. Die Liaison zwischen dem Mädchen und der Meisterin ist eine der berührendsten Freundschaften seit langem.



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INHALT

Die siebzehnjährige Claire ist schwanger, doch das geht niemanden etwas an. Sie wirft ihren Job im Supermarkt hin, lügt den Kolleginnen vor, sie habe Krebs, und plant, das Kind nach der Geburt zur Adoption freizugeben. Spaß macht ihr nur die Arbeit für die Haute-Couture-Stickerin Madame Melikian. Die alte Dame hat eben erst ihren Sohn bei einem Unfall verloren, und über ihre gemeinsamen Schicksalsschläge kommen die beiden unterschiedlichen Generationen einander näher.
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