KRITIK

Pearl Harbor

Pearl Harbor „Hollywood spielt Schiffe versenken oder, Titanic with bombs“, den Kritikern der Zunft ist kein Superlativ zu plakativ, keine Aussage zu platt, um das 300Mio. DM teure Film-Spektakel zu beschreiben, mit dem das Erfolgsduo Jerry Bruckheimer und Michael Bay (The Rock, Armageddon) in die Fahrwasser von Titanic schwimmen wollte, um Pearl Harbor nicht nur zum aufwendigsten, sondern auch zum erfolgreichsten Film der Geschichte zu machen. Doch warum dies niemals gelingen wird – wurde doch die Erfolgsformel „Liebesgeschichte vor historischem Ereignis“ nahezu eins zu eins übernommen – muss im einzelnen erklärt werden. Zunächst einmal ist Pearl Harbor kein Weltereignis mit romantischer Liebesgeschichte, sondern ein Kriegsfilm mit pseudo-romantischer Staffage. Bedenkt man, dass im Krieg Humanität grundsätzlich außer Kraft gesetzt wird, gehört eine große Portion Zynismus dazu, Erinnerungen an reale Ereignisse spekulativ in den Bereich einer patriotisch geprägten Unterhaltung einzuordnen. Die wenigsten Kriegsfilme kommen ohne Propaganda aus, will heißen, den wenigsten Drehbuchautoren gelingt es die Werbung für Werte wie Tapferkeit, Patriotismus und Heldentum so zu handhaben, dass nicht polarisiert wird. Pearl Harbor bewegt sich ganz klar in eine Richtung. Drehbuchautor Randall Wallace gelingt es zudem seinen Protagonisten Dialoge in den Mund zu legen, die zum Haare raufen sind. Aber wozu eine Geschichte erzählen, wenn man auch alles in die Luft jagen kann? Als schlichtweg dilettantisch darf man sein Gefühl für Rhythmus und Dramaturgie bezeichnen. Als beispielsweise Rafe über dem englischen Kanal abstürzt, wird der Zuschauer deutlich darauf hingewiesen, dass dies nicht das Ende des kühnen Piloten ist. Als er später auf Hawaii wieder auftaucht, stört er nur noch. Sehr deutlich zeigt sich die Unfähigkeit in dem Aufbau der Konfliktsituation bei Rafes Rückkehr aus Europa. Evelyn ist die Frau, die unfreiwillig zerstörerisch in eine Männerfreundschaft eindringt (nicht nur bei seinen Vorgänger-Filmen wird mehr als deutlich, dass Regisseur Michael Bay keine Frauen mag). Drehbuchautor Randall Wallace zieht es vor, den entstandenen Konflikt anhand eines Stereotyps des Schicksals zu lösen: Danny stirbt als Gekreuzigter. Die Rahmenhandlung darf man getrost als schlecht und unglaubwürdig bezeichnen, womit nur noch ein paar Worte über das eigentliche Spektakel gesagt werden sollten. Aufwendig, das ist nicht erst seit Armageddon bekannt, heißt bei Jerry Bruckheimer ein trick- und pyrotechnisches Inferno zu entfesseln, das sicherlich seines gleichen sucht. 40 Minuten wägt sich der Zuschauer auf einem Kriegsschauplatz, verfolgt abgeworfene Bomben bei ihrem Fall in ein US-Schlachtschiff, verfolgt Kampfflugzeuge bei ihrem Tiefflug nur wenige Meter vom Boden oder hört das Gewehrfeuer, als stände direkt neben dem Kinositz eine FLAG. Die Kamera schneidet dabei von Köpfen verwundeter oder eingeschlossener Soldaten auf Totalen von Explosionen und wieder zurück zu den Soldaten. Dass die japanischen Piloten während ihres Angriffs völlig gesichtslos bleiben, sei hier nur am Rande erwähnt. Sie durften vorher lediglich Gründe für ihre Attacke nennen und abschließend mit dem Satz „Jetzt kommen die Amerikaner, wir haben einen schlafenden Riesen geweckt!“ große Furcht zeigen. Filme, die amerikanische Führungsstärke in Krisensituationen aufzeigen, sollte man tunlichst meiden. Nicht nur, weil sie ein konservatives Weltbild im Gewand eines Unterhaltungsfilms vermitteln. Dass es weitaus besser geht, haben Kriegsfilme der 60er, 70er und 80er, wie beispielsweise Tora! Tora! Tora! (1969) von Richard Fleischer bewiesen, der sehr genau, sehr behutsam, einen japanischen Angriff auf Pearl Harbor nacherzählen konnte. Christian Gertz



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INHALT

Zwei Jungen spielen auf einem Feld, es sind die Freunde Rafe und Danny, die später um jeden Preis Piloten werden wollen. Zeitsprung. Wir schreiben das Jahr 1940. Ganz Europa befindet sich im Krieg. Im Zuge der weltpolitischen Machtverschiebungen nach dem ersten Weltkrieg sind Japan und die USA die einzig verbliebenen Konkurrenten um ein Gebiet, das außerhalb Europas zum wichtigsten Schauplatz unterschiedlichster Interessen wird – Ostasien. Die Wege der beiden Freunde Rafe und Danny, inzwischen risikofreudige Piloten, trennen sich, als Rafe, der ältere der beiden nach England gehen will, um seine Laufbahn als erfolgreicher Kampfpilot zu vervollkommnen. Amerika hat sich bis dato aus dem Krieg heraus gehalten. Danny jedoch wird nach Pearl Harbor abkommandiert, auf den amerikanischen Marinestützpunkt auf Hawaii. In seiner Begleitung befindet sich auch die Krankenschwester Evelyn, mit der Rafe kurz zuvor eine Liebesbeziehung angefangen hat. Als die Nachricht vom Abschuss Rafes auf der friedlichen „Ferieninsel“ Hawaii eintrifft, bricht für Danny und Evelyn eine Welt zusammen. Sie trösten sich gegenseitig und werden ebenfalls ein Paar. Einige Monate später, im Dezember 1941. Evelyn erwartet inzwischen ein Kind von Danny, als Rafe plötzlich wieder auftaucht. Evelyn gerät zwischen die Fronten zweier Freunde. Es kommt zum Kampf, der sich noch am Abend in einer Bar entlädt. Tags darauf, an einem Sonntagmorgen, die Soldaten liegen noch in ihren Kojen, überfällt die japanische Luftwaffe den amerikanischen Marinestützpunkt. Danny und Rafe überleben und melden sich zu einem freiwilligen Höllenfahrtskommando.
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Eure Kritiken zu Pearl Harbor

  1. Cineast

    Was denn nun??Die Filmhistorie kennt zwei Sichtweisen des amerik. Kriegsfilms. Die affirmative (Rambo, Top Gun) und die kritische (Apokalypse Now). Produzent Jerry Bruckheimer (Top Gun !) wuchtet hier in epischer Länge und Breite ein 300 Millionen Mark teures Destruktions-Spektakel auf die Leinwand, das zur ersten Gattung gezählt werden muss Unter Mithilfe seines Lieblingsregisseurs Michael Bay (Armaggedon, The Rock) bringt er uns seine Sichtweise des größten Traumas der amerik. Militärgeschichte näher und positionierte seinen Film ganz klar als Verfolger. Doch mit dem erfolgreichsten Untergangsspektakel der Filmgeschichte hat Pearl Harbor nichts gemein. Die Story ist nebensächlich, sie dient nur dazu den Zuschauer auf den pyrotechnischen Overkill vorzubereiten, der sich Mitte des Filmes entlädt. Spezialeffekte aber leider auch Platte Romantik und peinlicher Hurra-Patriotismus suchen seines gleichen. Letzteres schmerzt so sehr, das man von diesem Film nur abraten kann.

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