KRITIK

Paula

Bild (c) Pandora Filmverleih.

Bild (c) Pandora Filmverleih.

Trotzig stellt sie sich ein Bild vor´s Gesicht. Paula will Aufmerksamkeit – und sie will Malerin werden, auch wenn ihr Vater ihr widerspricht: „Frauen können keine Malerin werden.“ Doch Paula bringt alles mit, um sich ihren Traum – auch um die Jahrhundertwende – zu erfüllen: Sie ist schön, talentiert und selbstbewusst. Und Christian Schwochow stellt sie vor, mit einem Knall. Eine junge Frau, geboren in Dresden, die früh nach Bremen kam, um sich selbst zu verwirklichen. Und das in einer Zeit, in der Frauen „nur beim Kinderkriegen schöpferisch tätig sein sollten„, so ihr Lehrer, der die junge Paula lediglich wegen des Geldes ihrer Familie in seiner Künstler-Gemeinschaft aufnimmt. Genau diese Paula Becker wird etwa 100 Jahre später als erste Künstlerin in Deutschland unter ihrem Namen Paula Modersohn-Becker ein eigenes Museum erhalten und bis heute unter den früh-expressionistischen Malerinnen weltweit eine Sonderstellung inne haben.

Nach Filmen wie „Novemberkind“ und „Die Unsichtbare“ widmet sich Christian Schwochow also erneut einer starken und widerspenstigen Frau. Und Schwochow kann auch mit seinem fünften Spielfilm für´s Kino überzeugen, weil er in „Paula“ die richtigen Schwerpunkte setzt und mit der Schweizerin Carla Juri eine Hauptdarstellerin hat, die das Selbstbewußtsein und die Lebenslust der jungen Künstlerin zu Beginn des 20. Jahrhunderts perfekt auf der großen Leinwand umsetzt.

Szene_paulaBremen, im Sommer 1900. Zur Mißgunst ihres Vaters Carl (Michael Abendroth) siedelt die 24-jährige Paula (Carla Juri) in die ländlich gelegene Künstlerkolonie Worpswede über. Ihr Traum ist es, als Malerin erfolgreich zu werden und es den etablierten männlichen Kollegen zu zeigen:  Auch Frauen können mit ihrer Kunst erfolgreich sein. Unter ihren wenigen „Kolleginnen“ und weitaus mehr „Kollegen“ stößt ihr expressionistischer Stil allerdings auf Unverständnis. Besonders bei ihrem Lehrer, dem angesagten Maler Fritz Mackensen (Nicki von Tempelhoff). Mackensen hält nichts von seinen jungen Künstlerinnen, erst Recht nicht von ihrem Wunsch nach künstlerischer Selbstbestimmung; ganz im Gegensatz zu seinem Malerkollegen Otto Modersohn (Albrecht Schuch), der sich sofort hingezogen fühlt zu der selbstbewußten und lebenslustigen Paula Becker.

Als einige Zeit später Paulas Freundin Clara Westhoff (Roxane Duran), eine Bildhauerin, den Poeten Rainer Maria Rilke (Joel Basman, „Unter dem Sand“) heiratet, gibt auch Paula dem hartnäckigen Werben Otto Modersohns nach und ehelicht nur wenig später den zunächst weitaus erfolgreicheren Maler. Schwochow ist jedoch weniger an den Stationen seiner Protagonistin interessiert als an ihren Empfindungen. Ganz im Gegensatz zu den vielen emanzipatorischen Frauenporträts wie „Lou Andreas-Salomé“ oder „Marie Curie“ bebildert Schwochow also nicht nur die wichtigsten Lebensabschnitte, sondern heftet sich wie eine gute Freundin an die Schulter seiner Hauptfigur und stellt dadurch eine ganz andere Intimität her als die Regisseure in den zuvor genannten Werken.

Paula (AT) Regie: Christian Schwochow Kamera: Frank Lamm Szene 095 Paula bei George im Bett. abgeb.: Paula Modersohn-Becker (Carla Juri), George (Stanley Weber) Foto: Martin Valentin Menke

Zudem stellt Schwochow besonders die schwierige Vereinbarkeit von künstlerischem Freiheitsdrang und Familienleben heraus, indem er weniger die Besonderheit der Kunst Modersohn-Beckers unter die Lupe nimmt als die Rückschläge, die sich einstellen, nicht nur wenn man Freiheitsdrang und Familienleben in Einklang zu bringen versucht. Schwochows „Paula“ darf also auch scheitern und leiden. Das suggieriert nicht zuletzt der etwas „ranschmeißerische“ Titel. Zum Glück hat Schwochow aber auch eine Hauptdarstellerin gefunden, die diese Nähe zu der Hauptfigur mit Leben füllt. In der Hauptrolle der selbstbewussten Künstlerin glänzt die wunderbare Schweizerin Carla Juri („Feuchtgebiete„), die dem biederen Treiben zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer wieder echte Empfindungen einhaucht.

Der Mut, den Schwochow aufbringt, auf einen ganz besonderen Schwerpunkt zu setzen und damit den ein oder anderen (künstlerischen) Aspekt außen vor zu lassen, zahlt sich aus. Denn im Gegensatz zu den oben genannten Biopics bleibt „Paula“ von Christian Schwochow viel länger im Gedächtnis des Zuschauers haften. Was nicht zuletzt an der Hauptdarstellerin – und den großartigen Nebendarstellern (Albrecht Schuch als Otto Modersohn) – liegt sondern vor allem an der Tatsache, dass er seine Hauptdarstellerin sowohl beim Aufstieg als auch beim Scheitern begleitet. Selten ist dem Zuschauer eine Figur in einem Biopic näher gekommen als Paula Modersohn-Becker im Film „Paula“ von Christian Schwochow. Sehenswert.

 

 

Kritikerspiegel Paula - Mein Leben soll ein Fest sein



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


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