KRITIK

Parfum – Geschichte eines Mörders, Das

Parfum - Geschichte eines Mörders, Das Gleich vorweg: Ganz erschlagen ist man nach diesem Film. „Das Parfum“ ist mit Sicherheit einer
der größten deutschen Filme aller Zeiten. Und dennoch tat Produzent Eichinger gut daran, seine Bestsellerverfilmung mittels Besetzung und über die Drehorte möglichst international zu gestalten.

Da erstaunt es fast ein wenig, dass Tom Tykwer die Regie für das große Projekt übernahm, fehlt ihm doch, trotz beachtlicher Erfolge, die Erfahrung mit einem so großen Stoff. Aber wie sein Kameramann Frank Griebe, Kameramann aller Tykwer-Filme übrigens, wuchs auch er wie alle Beteiligten an diesem Projekt deutlich. Warum allerdings Filmemacher glauben, man müsse für einen großen Stoff sämtliche technischen Spielereien, die heutzutage umsetzbar sind, auch anwenden, bleibt bis zum Schluss schleierhaft.

Ein Glück ist, dass mit dem Briten Ben Wishaw ein gänzlich unbekannter Schauspieler in der Hauptrolle des Jean-Baptiste Grenouille auftritt. Vielleicht ein unvermutetes – aber wie Wishaw über zwei Stunden lang teilnahmslos, fast
autistisch, durchs Bild läuft – ein nachhaltig beeindruckendes. Mit der Figur des Grenouille ist dem Drehbuch-Kollektiv aus Andrew Birkin, Eichinger und Tykwer auch noch etwas Erstaunliches gelungen: Süskind beschrieb seine Figur als boshaft und hässlich und fand viele Worte, sein zeckenhaftes Wesen zu beschreiben. All das hat die filmische Umsetzng nicht nötig. Tykwer verzichtet gar darauf, aus Grenouille ein optisches Schreckgespenst zu machen. Wishaw wirkt zart und zerbrechlich. Beinah möchte man Mitleid mit ihm bekommen. Seine Wirkung verfehlt dieser Antiheld
nicht, obwohl Beweggründe für sein Handeln im Film zunächst etwas schleierhaft bleiben. Die Erklärung dazu liefert leider nur der Roman.

Eichingers „Parfüm“ ist ein Film nach einem Roman, der sich 15 Millionen mal verkaufte, und um dessen
Verfilmungsrechte sich angeblich sogar Spielberg, Scorsese und andere Lichtgestalten der Filmgeschichte bemühten. So muss er sich – bei aller Eigenständigkeit – natürlich mit dem
Buch vergleichen lassen. Den Autor des Romans, Patrick Süskind, kennt man in Deutschland auch als Drehbuchautor so wunderbarer Satiren wie „Rossini“ oder „Kir Royal“. Mit seinem düsteren Roman aus dem 18. Jahrhundert, „Das Parfum“, hatte er seinen ersten Welterfolg.

An Szenen wie beispielsweise der ersten Begegnung zwischen Parfumeur-Meister Baldini (Dustin Hoffman) und Grenouille, dürfte Süskind seine helle Freude gehabt haben. Die Szene ist im Film exakt so beschrieben wie im Buch. Auch andere Passagen hätten nicht besser umgesetzt werden können: Paris als stinkender, übervölkerter und düsterer Ort zum Bespiel, und hier besonders der Markt, auf dem Grenouille geboren wird. Selten hat man sich im Kino so geekelt.

„Das Parfum“ strahlt als Film die größtmögliche Authentizität aus, wozu vor allem die Hunderte von Kostümen und das sehr gute Production Design von Uli Hanisch beitragen. Hanisch verwandelte dazu die Bavaria-Studios in Räume aus dem 18. Jahrhundert und bei den Außendrehs wurde aus dem aktuellen Spanien plötzlich das alte Frankreich bzw. aus Barcelona plötzlich das alte Paris.

Neben Dustin Hoffman setzt Eichinger für die internationale Wirkung des Films vor allem auf Alan Rickman. Der große Schauspieler bleibt im Film jedoch etwas blass. In den letzten Jahren wurden immer wieder die Synchronsprecher Rickmans in Deutschland ausgewechselt. Bei einem Schauspieler, dessen Wirkung zu einem großen Teil auf seiner unglaublichen Stimme und Aussprache beruht, ist das fatal. Ausgerechnet der lebloseste aus der Riege seiner deutschen Sprecher, Bernd Rumpf, synchronisierte ihn in „Das Parfum“.

Erste Wahl dagegen dürfte Otto Sander als Erzählerstimme gewesen sein. Auch wenn
der einleitende Text ungewöhnlich lang ist: Der verwendete Originaltext aus Süskinds Roman ist als Einstieg hier aber unabdingbar.

Wie in fast allen seinen Filmen hat Tykwer auch hier die Musik mit seinen Freunden Johnny Klimek und Reinhold Heil geschrieben. Dass die drei ihre
Kompositionen diesmal mit großem Orchester unter der Leitung Sir Simon Rattles einspielen ließen, war bei diesem opulenten Film unbedingt notwendig. So erklingt zwischen engelsgleichen Gesängen eines lättischen Chores, Harfenklängen und dumpfen Paukenschlägen auch schon mal eine Kirchenorgel und verlieht der Szene durch dieses unterstützende Medium noch mehr Tiefe. Diese düster-mystische Musik, manchmal melodiös, manchmal nur ein Klangbrei, passt perfekt zu den Filmbildern. Besonders passend sind das fast
heiter-verträumte Thema „Distilling Roses“ und das sich anschließende Thema „The 13th essence“. Hier malt die Musik die Bilder, die Süskind mit seinen
Duft-Beschreibungen so trefflich in der Fantasie der Leser hervorzurufen wusste.

Dass der Film im letzten Viertel mit der Hinrichtungsszene in eine furchtbar alberne Richtung kippt, kann ihm noch nicht mal ernsthaft vorgeworfen werden. Im Roman ist die Szene tatsächlich so beschrieben. Und doch begleitet den Zuschauer bei der Bebilderung der Messiasgleichen Verehrung der Eindruck von Plattheit. Vielleicht auch, weil – wie oben beschrieben – die Beweggründe und Innenansichten Grenouilles im Film völlig untergehen.

Ein Geniestreich dagegen ist die Umsetzung der Schlussszene. Tom Tykwer ist insgesamt ein sehr großer, sehr opulenter Film gelungen, den man nicht verpassen sollte.



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INHALT

Paris, 1738. Auf dem Markt wird ein Kind namens Jean-Baptiste Grenouille geboren. Nach der Verhaftung seiner Mutter wegen versuchten Kindsmordes wächst der Kleine in einem Waisenhaus auf. Er kann kaum sprechen, aber sein Geruchssinn ist extrem ausgeprägt. Später lernt Grenouille bei dem Parfümeur Baldini. Er wird besessen von der Idee, menschlichen Duft zu konservieren. Schon bald kommt es zu einer Mordserie an Mädchen von ausgesuchter Schönheit.
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Eure Kritiken zu Parfum – Geschichte eines Mörders, Das

  1. Christian

    Tom Tykwer ist wieder einmal ein großer Film gelungen, eine überzeugende Umsetzung des als unverfilmbar geltenden Romans. Spannend, atmosphärisch dicht, herausragend und inbedingt sehenswert.

  2. Dietmar

    Alles in allem ein unterhaltsamer und großer deutscher Film, mal schauen ob er`s schafft den aus dem gleichen Produktionshaus stammenden „Stinkstiefel des Manitu“ Besucherzahlen-mäßig einzuholen. Sehenswert.

  3. Hans

    Vorweg: ich bin vom Film begeister. Allerdings kann ich immer noch nicht einschätzen – der Besuch liegt zwei Tage zurück -, ob es am genialen Buch mit all seinen Facetten und Interpretationsmöglichkeiten liegt, oder aber tatsächlich an der filmischen Umsetzung. Wie dem auch sei, all das (Kampf Natur gegen Vernunft im und außerhalb des Menschen; der Mörder als Schöpfer und somit Vorreiter der Aufklärung etc etc etc) was ich am Buch geliebt habe, konnte ich im Film wiederfinden. Doch ist mE das Buch eben aufgrund der detaillierten Schreibweise sehr gut geeignet, um verfilmt zu werden, da sich der „Filmemacher“ nicht als Interpret betätigen muss. Vielmehr konnte sich Tykwer auf eine (gelungene!, da förmlich alles Dargestellte gerochen werden kann) Umsetzung ins Visuelle „beschränken“. Hinzukommen die bereits oft erwähnten guten Leistungen der Schauspielerinnen und Schauspieler. Ein Film zum genießen und für jeden Süßkind-Fan ein MUSS!

  4. Swantje

    Ich bin ein absoluter Fan des Buches und fand en Film genial!!! Eine der besten Bestsellerverfilmungen aller Zeiten!!! Unbedingt anschauen!

  5. Marzipan

    Blutleer und langweilig. Trotz oder vielleicht gerade auf Grund all der oplulenten Blider lässt einen der Film kalt. Und selbst in der Schlusszene weiss man immer noch nicht, ob man den Tod jetzt beweinen oder sich freuen soll. Ich war nur froh, dass der Film endlich aus war.

  6. Axel

    Richtig. Einer der besten Filme des Jahres! Berauschende sinnliche Bilder, großartige Schauspieler, allen voran Ben Whishaw und atemberaubende Bilder, die Kameraarbeit ist perfekt. Am schönsten die erste Begegnung mit dem rothaarigen Mirabellen-Mädchen. Schöner hat man so etwas noch nicht eingefangen. So etwas sollte es öfters aus deutschen Landen geben! Klasse!

  7. Isch^^

    joa.. also ich geh morgen ins uci und guck mia den film an! hab schon viel gutes drüber gehört und stells mia ziemlich spannend alles vor… hm… naja.. könnt ja das gleiche machn^^ ich denk ma der film is echt sehenswert!

  8. Kerstin

    Sehr guter Film, der es wirklich schafft den Pariserfischmarkts, als den ekeligsten Ort der Welt darzustellen. Die Schauspieler sind hervorragend ausgewählt, und die Bilder fesseln den Zuschauer .Das Ende hat mir zwar weder im Buch noch im Film gefallen , sowohl das Buch und jetzt der Film sind uneingeschränkt weiterzuempfehlen.

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