KRITIK

Panic Room

Panic Room Eigentlich keine schlecht Idee, die Spannung so lokal zu begrenzen und die Geschichte nur in einem Haus – und hier noch explizierter in einem winzigen Raum – spielen zu lassen. Wo doch ein Panic Room in Zeiten des Terrors als Schutzbunker dienen kann. Und wo heute jeder daran denken muss ein zufälliges Opfer zu werden.
Aber das hat Fincher nicht eingeplant. Bei ihm geht es um das Übliche, einen Haufen Geld – im Panic Room. Dabei hat er drei kuriose Gestalten gezaubert, die in einer Nacht reich werden wollen. Jared Leto als arrogantes Großmaul Junior, der maskierte Widerling Raoul – und Forest Withaker als Burnham. Mit Whitaker wird zumindest ansatzweise Menschsein präsentiert. Aber keine Gefühlsduselei. Das was Fincher initiiert besteht aus Kamerafahrten, ein Durchleuchten von Räumen und Decken. Von oben nach unten, von links nach rechts, um die Ecke und zurück. Das macht die Spannung aus. Und Sarah ist Diabetikerin – sie braucht Insulin. Vor manchen Dingen ist kein Raum sicher.
Das was viel verspricht, ist lieblos ausgearbeitet. Die Geschichte von David Koepp („Der Tod steht ihr gut“ und „Jurassic Park“) hakt. Das ist zu simpel gedacht. Da veranstaltet eine frisch geschiedene Mutter an einem einzigen Tag einen kompletten Umzug. Zum Einstand gibt es eine Flasche Wein und einen Überfall. Alarmanlage und Telefonanschluss für den Panic Room konnte sie nicht aktivieren. Natürlich. Die Million ist im Panic Room versteckt. Naja. Und das wichtigste fehlt. Die Menschen, die Gefühle, die die Geschichte schreiben.
Fincher zeigt Figuren, keine Menschen. Das ganze wirkt unglaubwürdig, wenn Charaktere über ihren Job, ihre Krankheit oder ihren Familienstand definiert werden. Das ist schade. Das bringt das Wesen des Thrillers streckenweise zum Erliegen. Suspense hat nicht nur was mit Kameraeinstellung und Schnitt zu tun. Es geht auch um das Parapsychologische. Sich hineinzuversetzen, mitzufühlen mit den Menschen. Das wird hier schwierig. Wo er bei „Se7en“ und „Fight Club“ auf skrupellose Brutalitäten vertraute, setzt Fincher in Panic Room szenische Leerzeichen. Mit kleinen Brutalitäten kann er keinen Film füllen, keine Geschichte gut erzählen.
Jennifer Reker



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INHALT

„Es ist abartig, wie sehr ich Dich liebe“ – ungefähr so funktioniert das Spiel der Mutter-Kind-Beziehung Meg und Sarah Altman. Cool und gelassen, ein paar wenige Emotionen werden geweckt. Für Menscheleien hat Regisseur David Fincher nicht viel übrig. Das ist in Manhattans Upper West Side eher Nebensache. Dort nämlich haben Mutter Meg und ihre Tochter Sarah sich gerade in einem vierstöckigen Haus eingenistet. Kein normales Haus, sondern das von einem verstorbenen Superreichen. Der verschrobene Millionär hatte nichts Besseres zu tun, als zu seiner eigenen Sicherheit einen Panic Room einrichten zu lassen. Ein kalter grauer Raum mit dem Nötigsten versehen: Telefonanschluss, Notration und Feuerdecken. Einzig ein kleiner Luftschacht gibt den Weg frei zur Außenwelt.
Unheimlich, findet Meg noch bei der Wohnungsbesichtigung. Dass sie diesen Raum schon in der ersten Nacht zum Schutz ihrer eigenen Person aufsuchen muss, hat sie nicht gedacht. Doch das Unerwartete kommt zuerst bei David Fincher.
Ein brutaler Einbruch treibt die geschiedene Mutter und ihre Tochter wenig später in das gepanzerte Refugium, das die Bewohner vor jedweden Eindringlingen schützen soll. Dabei ahnen sie nicht, dass ausgerechnet dieser Panic Room das Ziel des genau geplanten Einbruchs der Dreiergruppe Burnh, Raoul und Junior ist. Und diese werden vor nichts Halt machen, bis sie bekommen, wonach sie suchen ...
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Eure Kritiken zu Panic Room

  1. Ralf

    Eine EnttäuschungWenig Inhalt, viel Verpackung, aber das habe ich schon ium Forum erzählt. Nein, es gibt bessere Fincher-Filme

  2. Christian

    Nur Durchschnitt, weil Fincher sich selbst überrascht…Und das nicht nur durch eine eher „magere“ Geschichte. Fincher überrascht, da er sich erstmals von seinem Konzept der Vereinnahmung des menschlichen Körpers oder Geistes durch fremde, als auch ureigene unkontrollierbare Kräfte entfernt. In „Alien 3“ hatte Hauptfigut Lt. Ripley das Böse in ihrem Körper, und nur ihr Tod konnte Erlösung sein, in „Seven“ und „The Game“ triumphiert das abstrakte Böse nur durch Zerstörung menschlicher Selbstkontrolle. In „Fight Club“ schließlich ist die Realität letztlich auf den eigenen Körper beschränkt, der Kampf findet nur noch im Menschen selbst statt und die Hölle sind immer die anderen. In „Panic Room“ ist das Haus Mittelpunkt allen Übels, gleichzeitig aber auch Überlebensraum. Man möchte sich aber von ihm trennen. Die vielen Kamerafahrten durch das Haus versuchen folglich zunächst eine Beziehung zum Haus aufzubauen. Doch dieses wird dann verletzt. Eine Trennung scheint unausweichlich und auf diese wird der Betrachter früh eingestimmt. Zu früh leider, denn am Schluss erwartet man eine Fincher-typische Überraschung oder Wendung. Doch die größte Überraschunmg ist es, dass eine Überraschung am Ende ausbleibt.

  3. Grobi

    Spannung purIch mag David Fincher und ich mag den Film. Tolle Kamera, sehr gute Hauptdarsteller und eine griffige Story. Diese ist zwar ein bisschen duenn, doch der Film hat mir allen in allem gut gefallen. P.S.: Wie auch die Seite hier..

  4. Beate

    Fast Food- SpannungDie Story wurde sicher schon hundertfach erzählt: drei Männer brechen in ein Haus ein – nur ist hier das Geld im Panic Room und nicht in einer Matratze versteckt… Einer ist der Blöde, einer der Liebenswerte mit dem schlechten Gewissen und der Dritte ist der Brutale, rücksichtslose Einbrecher. Jodie Foster als alleinerziehende Mutter ist gewöhnungsbedürftig, die Krankheit ihrer Tochter offentsichtlich dazugeschrieben, um damit neue Spannung einzubauen…Der Story ist zu einfach gestrickt, nur die Kameraarbeit hat mir gefallen….Fincher hin, Fincher her….dies ist ein Popcorn-Film, der nur beim 1. Besuch spannend ist!

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