KRITIK

Palindrome

Palindrome
Der Name Aviva lässt sich vorwärts und rückwärts lesen, ganz so wie Otto oder Anna. Derlei linguistische Phänomene werden Palindrome genannt, was den amerikanischen Independent-Regisseur Todd Solondz genug begeistert hat, um seinen jüngsten Film danach zu betiteln.
Seine Hauptfigur, die 12-jährige Aviva, wird von insgesamt acht Darstellerinnen unterschiedlichen Alters und verschiedener Hautfarbe verkörpert, womit der Künstler nach eigenem Bekunden die Identifikationsgewohnheiten des Zuschauers unterlaufen wollte. So weit, so verkopft.

Wirklich problematisch aber ist, dass Solondz, der solch großartige Werke wie „Willkommen im Tollhaus“ und „Happiness“ geschaffen hat, einem Tabula-Rasa-Nihilismus verfallen ist, der haltungslose hundert Minuten lang Tabutüren einrennen will, die himmelweit offen stehen, und der in seiner öden antimoralischen Provokations-Manie bloß noch Ekel hinterlässt.

Nichts ist mehr zu spüren von der zärtlich-sarkastischen Jeunesse triste, deren Geist das „Tollhaus“ belebte, keine Spur mehr von der radikalen Unkonventionalität, mit der in „Happiness“ einem Kinderschänder humanistische Gerechtigkeit widerfuhr. „Pädophile lieben wenigstens Kinder“ heißt es auch hier einmal. Ein trauriger Nachhall früher Tage.

Todd Solondz erzählt also von Aviva, die unbedingt schwanger werden will, von den Eltern zur Abtreibung gezwungen wird und sich christlichen Radikalen anschließt, die behinderte Kinder beherbergen und Mordanschläge auf Abtreibungsärzte verüben. Jede, wirklich jede Figur darf sich der Verachtung des Regisseurs sicher sein, und Schlimmeres lässt sich über einen Film nicht sagen.



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INHALT

Das zwölfjährige Mädchen Aviva Victor hat nur eines im Sinn, nämlich Mutter zu werden. Sie unternimmt alles, um sich diesen Wunsch zu erfüllen. Es gelingt ihr auch beinahe, wären da nicht ihre Eltern, die ihr im letzten Moment doch noch einen Strich durch die Rechnung machen. Daraufhin läuft Aviva von Zuhause weg, immer noch fest entschlossen, auf die eine oder andere Weise schwanger zu werden. Stattdessen jedoch landet sie unversehens in einer anderen Welt, die zwar vielleicht etwas unheimlich ist, in der sich aber allerlei seltsame Möglichkeiten auftun. Am Ende dieser so ungewöhnlichen Reise lässt sich kaum sagen, ob Aviva jemals wieder die gleiche sein wird – oder ob sie umgekehrt jemals eine andere als immer nur die gleiche wird sein können. Ein Mädchen, das sich danach sehnt, immer einen Menschen zu haben, den es lieben kann.
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Eure Kritiken zu Palindrome

  1. Manni

    Nach so einem guten Film wie „Happiness“ habe ich mich auch gefragt, was dieser Film soll. Solondz hat kein Herz für seine Protagonisten und das sollte doch ein regisseur immer haben. Für mich ein langweiliger Total-Flop.

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