KRITIK

Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat

Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat Tom Cruise verkörpert Graf von Stauffenberg. Ein Scientologe in der Rolle eines deutschen Widerstandskämpfers? Wahrscheinlich hat der Film in den zwei Jahren seit Bekanntwerden der Dreharbeiten das größte Getöse ausgelöst, das – zumindest im neueren Deutschland – je um einen Film gemacht wurde. „`Operation Walküre` werde das Bild der Deutschen in der Welt auf Jahrzehnte hin prägen“, prophezeite zu Beginn der Dreharbeiten beispielsweise „FAZ“-Mitherausgeber Frank Schirrmacher. Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck dazu: „Wir Deutsche müssen Tom Cruise dankbar sein. Dieser Film sollte Pflicht für alle Schulklassen werden!” Macht nun Hollywood auch den deutschen Widerstand global und damit in Deutschland erst richtig populär? Oder enteignet Hollywood einmal mehr die deutsche Geschichte und schlachtet sie in seiner „Traumfabrik“ aus? Diese Fragen beschäftigten die Feuilletonisten landauf landab bevor sie auch nur eine Minute des Films gesehen hatten. Auch in dem sicheren Glauben, dass einer Lichtgestalt vom Format eines Tom Cruise der Film nie misslingen könne. Doch alles Getöse und Gerede ist auf mal nach der Betrachtung Makulatur, denn der Film ist alles, nur eins ist er nicht: Er ist nicht gut.

Die zügig heruntererzählte Handlung hält sich immerhin im Wesentlichen an die große, detailreich überlieferte History. „Based on a true story“ heißt es für all diejenigen im Abspann, die noch nie zuvor von einem Attentat auf Hitler gehört hatten. Der Film ist sichtlich um Authentizität bemüht, die befürchtete Gewaltorgie des Actionregisseurs Bryan Singer („Superman Returns“, „X-Men“) bleibt aus und die Dramaturgie bedient sich kühl an den nackten chronologischen Fakten der Vorbereitung auf eine Tat in Form eines Countdowns. Das schwächste Glied in der ansonsten funkelnden Kette (Ausstattung, Musik, Dramaturgie, Nebendarsteller) ist hier ausgerechnet der Hauptdarsteller.

Tom Cruise drückt mit seinem Spitzbubencharme und als Produzent und Lichtfigur einer Hollywood-Produktion (mit deutschen Drehschauplätzen) trotz (oder gerade wegen) seiner Augenklappe dem Film seinen Stempel auf und um ihn herum implodieren alle schauspielerischen und sonstigen Bemühungen zu schnell vergessenen historischen Randnotizen. Nein, Action-Profi Bryan Singer ist kein Schauspiel-Regisseur. Er selbst musste nach ersten Verrissen in US-Branchenblättern zugeben, dass er sich zuviel zugemutet hatte: In der „New York Times“ ging er wenige Tage nach der US-Premiere leicht auf Distanz. „Okay, das war mein Versuch, mal einen kleinen Film zu drehen“, sagt er über die 90-Millionen Dollar-Produktion, „und ich hab es vergeigt“. Dem können wir uns nach diesen zwei zwar spannenden aber mit großer Wahrscheinlichkeit schnell in Vergessenheit geratenden Geschichtsstunden nur anschließen.



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INHALT

Nachdem Oberst Graf von Stauffenberg im Afrika-Feldzug schwer verletzt wird, will er nicht mehr länger tatenlos zusehen, wie Deutschland von einem größenwahnsinnigen Tyrannen zugrunde gerichtet wird. Er schließt sich einer Gruppe von hochrangigen Mitgliedern des Militärs und der Politik an, die Hitlers Treiben nach einigen gescheiterten Versuchen endlich ein Ende bereiten wollen. Akribisch wird ein Bombenattentat in der Wolfsschanze vorbereitet. Am 20. Juli liefert Stauffenberg die Bombe ab. Sie explodiert. Aber ist Hitler wirklich tot?
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Eure Kritiken zu Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat

  1. Christian

    Viel Lärm um nichts. Nie gab es im neueren Deutschland im Vorfeld so viel Getöse und Gespött um einen letztlich mittelprächtigen Actionfilm. Und was bekommt man dann zu sehen? Einen Film, in dem die Lichtgestalt Tom Cruise alle anderen (hervorragenden) Darsteller zu Randnotizen degradiert, seine Beweggründe in einem Tagebucheintrag dargestellt werden und hier die Mühen um eine halbwegs nervenaufreibende Suspence zu Lasten einer vernünftigen Charakterzeichnung gehen. Für mich ein nur mittelprächtiger Actionfilm.

  2. Guide76

    Ich verstehe die ganze Aufregung um den Film nicht. Tom Cruise überzeugt hier einmal mehr in einem durchweg spannenden Action-Thriller über ein geschichtlich wichtiges Ereignis. Ein klasse Film, bedrückend und spannend.

  3. Manni

    Ein guter, spannender Geschichts-Thriller.

  4. Hitmanski

    Klinisch kaltes Möchtegern-Perfektionskino, dass in seinem überbudgetierten Ausstattungswahn zwar zu unterhalten – oder besser: nicht zu langweilen – vermag, dabei jedoch stets als leere Hülle und entkernte Fassade in Erinnerung bleibt.
    
VALKYRIE drückt sich konsequent um das ambivalente Potenzial seiner Geschichte und Figur herum; die Möglichkeit, einen Prolog für ein kommendes „what if“-Szenario, samt der darin enthaltenen Kontroverse zu definieren, lässt Bryan Singer ungenutzt verstreichen, vielleicht hat er sie auch garnicht erst erkannt.

    So bleiben letztendlich auch Zweifel daran bestehen, ob Cruise am Mittelmaß seiner Fähigkeiten, oder an Script und Inszenierung (Stichwort:“Attentat als formalen Heist“) scheitert, die ihm zwar einen leidlich um Historizität bemühten biographischen Werdegang zuschanzen, jeglichen emotionalen Zugang oder auch nur die persönlichen Unsicherheiten aber äußerst marginal auf die Form einiger an gängigen Szenenklischees orientierten Sequenzen mit seiner Frau herunterbrechen.

    Trotz aller anmaßenden Versuche des deutschen Feuilletons, Singers Film eine Daseinsberechtigung fernab seines Blockbusterwesens herbeizuschreiben, und oftmals die Simplizität mit einem Verweis auf die nötige Zielgruppenanpassung für das – offensichtlich als geistig vollkommen zurückgeblieben erachtete – US-Publikum zu legitimieren: VALKYRIE sucht in seinem komplexen Thema unnötigerweise nach den einfachsten Lösungen, und setzt zu einer Heldenverehrung an, obwohl es in dem ganzen Szenario keine klassische Heldenfigur gibt.

    Dass ist nicht nur fahrlässig, sondern irgendwie auch enttäuschend und unnötig, beraubt sich Singer so doch zu Gunsten einer Scheindramaturgie selbst um das faszinierende Potential seiner Geschichte und der nicht unumstrittenen Stauffenberg-Figur. Übrig bleibt ein weiteres Starvehikel im historischen Gewand und das vielleicht unpolitischste Politikum seit Jahren – ob das dem Thema angemessen erscheint, bleibt dabei jedem Zuschauer selbst überlassen.

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