KRITIK

Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat

Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat Mit der Detailwut von Ruhestands-Generälen, die im Keller mit Zinnsoldaten und Minipanzern die schönsten Schlachten der Geschichte nachstellen, beugen sich derzeit, in Phase zwei der Berichterstattung zur „Operation Walküre“ (auch bekannt als „der umstrittene Stauffenberg-Film“), die deutschen Rezensenten über Bryan Singers Widerständler-Drama und dessen Hauptdarsteller Tom Cruise.

Akribisch erzählen jetzt all diese Hobby-Historiker die Ereignisse vom 20. Juli 1944 nach, ergehen sich in klugen Betrachtungen über die Darstellung des Suizids von Generaloberst Ludwig Beck (Terence Stamp), über den Leibesumfang des Henning-von-Tresckow-Darstellers Kenneth Branagh, über die mentale Verfassung des Zauderers Friedrich Olbricht (Bill Nighy). Ein bekannter Münchner Filmkritiker hat sogar ein Buch über diesen Schicksalstag und das ganze Drumherum geschrieben, immer auf Augenhöhe mit dem Helden Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der da beispielsweise im Stile einer Live-Reportage auf den Obersalzberg begleitet wird, wo er den ersten Blickkontakt mit dem Führer hat. Hui, ein feiner Gruselmoment.

Das gewaltige Bohei um Singers Film, das eine fast einjährige Vorgeschichte hat und in spätestens vier Wochen vergessen sein wird, zeigt eigentlich nur, wogegen sich doch alle in ihrem Kampf um Deutungshoheit des Geschehens so heftig verwehren: Hollywood hat Deutschlands heilige Gedenk-Agenda im Handstreich erobert. Und zwar mit einem ordentlichen Mainstream-Thriller, der gerade in der Inszenierung des Attentatsversuchs starke Suspense-Momente hat.
Sicher, eine Schwäche des Films ist, dass er keine Zeit hat, die Wandlung Stauffenbergs zum Gegner Hitlers zu erzählen, was Tom Cruise in eine eindimensionale Heldenrolle zwingt. Doch was soll`s – wie Singer es unfreiwillig geschafft hat, diesen hierzulande anhaltend schwelenden Befindlichkeitskrampf in all seinen Facetten offensichtlich zu machen, ist Oscar-reif.



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INHALT

Nachdem Oberst Graf von Stauffenberg im Afrika-Feldzug schwer verletzt wird, will er nicht mehr länger tatenlos zusehen, wie Deutschland von einem größenwahnsinnigen Tyrannen zugrunde gerichtet wird. Er schließt sich einer Gruppe von hochrangigen Mitgliedern des Militärs und der Politik an, die Hitlers Treiben nach einigen gescheiterten Versuchen endlich ein Ende bereiten wollen. Akribisch wird ein Bombenattentat in der Wolfsschanze vorbereitet. Am 20. Juli liefert Stauffenberg die Bombe ab. Sie explodiert. Aber ist Hitler wirklich tot?
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Eure Kritiken zu Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat

  1. Christian

    Viel Lärm um nichts. Nie gab es im neueren Deutschland im Vorfeld so viel Getöse und Gespött um einen letztlich mittelprächtigen Actionfilm. Und was bekommt man dann zu sehen? Einen Film, in dem die Lichtgestalt Tom Cruise alle anderen (hervorragenden) Darsteller zu Randnotizen degradiert, seine Beweggründe in einem Tagebucheintrag dargestellt werden und hier die Mühen um eine halbwegs nervenaufreibende Suspence zu Lasten einer vernünftigen Charakterzeichnung gehen. Für mich ein nur mittelprächtiger Actionfilm.

  2. Guide76

    Ich verstehe die ganze Aufregung um den Film nicht. Tom Cruise überzeugt hier einmal mehr in einem durchweg spannenden Action-Thriller über ein geschichtlich wichtiges Ereignis. Ein klasse Film, bedrückend und spannend.

  3. Manni

    Ein guter, spannender Geschichts-Thriller.

  4. Hitmanski

    Klinisch kaltes Möchtegern-Perfektionskino, dass in seinem überbudgetierten Ausstattungswahn zwar zu unterhalten – oder besser: nicht zu langweilen – vermag, dabei jedoch stets als leere Hülle und entkernte Fassade in Erinnerung bleibt.
    
VALKYRIE drückt sich konsequent um das ambivalente Potenzial seiner Geschichte und Figur herum; die Möglichkeit, einen Prolog für ein kommendes „what if“-Szenario, samt der darin enthaltenen Kontroverse zu definieren, lässt Bryan Singer ungenutzt verstreichen, vielleicht hat er sie auch garnicht erst erkannt.

    So bleiben letztendlich auch Zweifel daran bestehen, ob Cruise am Mittelmaß seiner Fähigkeiten, oder an Script und Inszenierung (Stichwort:“Attentat als formalen Heist“) scheitert, die ihm zwar einen leidlich um Historizität bemühten biographischen Werdegang zuschanzen, jeglichen emotionalen Zugang oder auch nur die persönlichen Unsicherheiten aber äußerst marginal auf die Form einiger an gängigen Szenenklischees orientierten Sequenzen mit seiner Frau herunterbrechen.

    Trotz aller anmaßenden Versuche des deutschen Feuilletons, Singers Film eine Daseinsberechtigung fernab seines Blockbusterwesens herbeizuschreiben, und oftmals die Simplizität mit einem Verweis auf die nötige Zielgruppenanpassung für das – offensichtlich als geistig vollkommen zurückgeblieben erachtete – US-Publikum zu legitimieren: VALKYRIE sucht in seinem komplexen Thema unnötigerweise nach den einfachsten Lösungen, und setzt zu einer Heldenverehrung an, obwohl es in dem ganzen Szenario keine klassische Heldenfigur gibt.

    Dass ist nicht nur fahrlässig, sondern irgendwie auch enttäuschend und unnötig, beraubt sich Singer so doch zu Gunsten einer Scheindramaturgie selbst um das faszinierende Potential seiner Geschichte und der nicht unumstrittenen Stauffenberg-Figur. Übrig bleibt ein weiteres Starvehikel im historischen Gewand und das vielleicht unpolitischste Politikum seit Jahren – ob das dem Thema angemessen erscheint, bleibt dabei jedem Zuschauer selbst überlassen.

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