KRITIK

Offroad

Plakat zum Film OffroadWer will noch einmal, wer hat noch nicht.“ Getreu diesem Motto werden in letzter Zeit – so hat es zumindest den Anschein – auf Fernseh-Niveau inszenierte Komödien ins Kino gehoben, unsere sympathischen und beim Massenpublikum beliebten Darsteller werden es schon richten. Und als Hybrid, also ein von einer Fernsehanstalt unterstützter Spielfilm, der zunächst im Kino und anschließend im Fernsehen gezeigt wird, scheint das Risiko nicht mehr allzu groß zu sein. So die Vermutung, wenn man sich das jüngste Produkt dieser Entwicklung anschaut. „Offroad“ von Elmar Fischer. Der deutsche (Kultur-)Förder-Irrsinn treibt wieder einmal seltsame Blüten.

Elmar Fischer, der 2003 mit seinem Regiedebüt „Fremder Freund“ Kritik und Publikum überzeugen konnte, verfilmte hier abermals ein eigenes Drehbuch. Der TV-erprobte Regisseur (Der Kriminalist, Im Dschungel) erzählt die Geschichte der jungen Meike Pelzer, die im beschaulichen Geilenkirchen aufwächst und als studierte Betriebswirtin in der Position einer Junior-Chefin in der Firma ihres Vaters arbeitet. Als Einzelkind genießt sie ihr luxuriöses Dasein unter der Obhut der stolzen Familie. Die Hochzeit mit ihrem gutaussehenden Verlobten Philip (Maximilian von Pufendorf), einem angehenden Anwalt, steht kurz bevor. Alles scheint also in bester Ordnung. Doch der Schein trügt.

Mit der Ersteigerung eines amerikanischen Geländewagens löst sie eine Kette von Ereignissen aus, an dessen seltsamen Verläufen sie mehr und mehr Gefallen findet. Nach einer Probefahrt tauchen unter dem doppelten Kofferaumboden ihres Gelädenwagens mehrere Päckchen Kokain auf. Zu viel, um der Versuchung, den Fund nicht bei der örtlichen Polizei zu melden, widerstehen zu können. Der Fund allein reicht jedoch nicht aus, um den vorgezeichneten Lebensweg zu verlassen. Dazu muss sie nur Minuten später ihren Verlobten mit ihrer besten Freundin (Nora Binder) stöhnend im Gartenhaus erwischen. So will es die Geschichte. Das reicht. Meike Pelzer setzt sich in ihr neues Auto und ist in mehrfacher Hinsicht „Offroad“.

Szene aus dem Film Offroad

(c) Paramount Pictures Germany

Bei den ersten – auch körperlich spürbar – erfolglosen Versuchen, das Koks zu „verticken“, lernt sie den hilfsbereiten Salim (Elyas M´Barek aus „Türkisch für Anfänger“) kennen. Salim ist ein smarter Kleindealer, der die Firmentochter erst einmal nach Berlin begleitet. Doch rasch wird beiden klar, dass „das hier wohl eine Nummer zu groß ist“. Erst recht, als sich die rechtmäßigen „Besitzer“ der teuren Ladung an ihre Fersen heften, drei ungeschickte Mitarbeiter einer Werbeagentur, die mit dem Drogenhandel ein Nebengeschäft betreiben, um ihre Agentur in Berlin Mitte am Leben halten zu können. So weit, so verzwickt.

So abstrus sich die Story von einem Ereignis zum nächsten hangelt, so unrund verhält sich auch die Inszenierung von Elmar Fischer. Nach einer viel zu ausführlichen Einführung der Personen, tritt der Regisseur plötzlich so sehr aufs Gaspedal, dass der Zuschauer nicht nur den Überblick sondern wenig später auch die Lust verliert. Handlungsstränge werden zusammengeführt, um sie dann entweder abrupt zu beenden oder ins Leere laufen zu lassen. Timing und Tempo schlagen fortan Purzelbäume. Die Verfolgungsjagden mit den zu Karikaturen überzeichneten Medienmenschen sind auf dem Niveau einer schlechten Folge von „Alarm für Cobra 11“ inszeniert, Klischees aus Action- und Komödienserien der 80er werden ausgekramt und neu aufbereitet. Und wenn gegen Ende zu allem Überfluss auch noch der untreue Verlobte als rettender Engel die Szenerie betritt, geht auch das letzte Fünkchen Empathie für die seltsam teilnahmslos (oder ist es Coolness?) agierende Hauptdarstellerin verloren. Da kann auch die nach den Komödien von Til Schweiger beliebte Nora Tschirner und ihr nach Verständnis fordernder Off-Kommentar nicht mehr viel retten.

Im Großen und Ganzen hat sich also die sympathische Darstellerin Nora Tschirner keinen Gefallen getan mit diesem Film. Bei Elmar Fischer wird deutlich, dass es nicht ausreicht, allein aus sich heraus zu wirken. Und mehr noch, mit diesem Film zeigt sie, dass ihr schauspielerisches Talent sehr begrenzt ist. Der Kick, der sich aus den beiden jungen Darstellern Tschirner und M´Barek ergeben sollte, erschöpft sich sehr schnell und bleibt am Ende liegen, verödet – abseits der Straße, eben Offroad.

  

Kritikerspiegel Offroad



Dimitrios Athanassiou
moviemaze.de
2/10 ★★☆☆☆☆☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau; mehrfilm.de
2/10 ★★☆☆☆☆☆☆☆☆ 


Klaus-Peter Heß
Münstersche Zeitung
2/10 ★★☆☆☆☆☆☆☆☆ 


Sascha Westphal
epd Film, Die Welt, FR
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
2.5/10 ★★½☆☆☆☆☆☆☆ 





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Eure Kritiken zu Offroad

  1. Franca

    DAS WAR MIT ABSTAND DER SCHLECHTESTE FILM. Habe mich für die vergeudete Zeit und das Geld geärgert. Sehr flach und höchstens mal 1 – 2 „schmunzler“. Dachte ständig „naja vielleicht fängt der Film ja bald an“ aber es kam nichts. Die anderen Zuschauer im Kino fanden es auch weder witzig noch sonst was.

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