KRITIK

Oblivion

Plakat zum Film Oblivion„60 years ago Earth was attacked …We won the war but they destroyed half the planet…“ – Mensch gegen Maschine: dieses populäre Konfliktgebiet in den Drehbüchern älterer als auch jüngerer Hollywood-Produktionen bzw. im Speziellen des Science-Fiction-Genres bescherte dem Publikum in den letzten Jahren und Jahrzehnten so manche unvergessene Filmmomente. Nach den Geschwistern Wachowski („Matrix”), Sir Ridley Scott („Blade Runner”) und dem bereits verstorbenem Stanley Kubrick („2001 – A Space Odyssey“) schickt sich mit Joseph Kosinski („Tron Legacy”) nun ein weiterer Regisseur an, sich an diesem Sujet abzuarbeiten. Und eventuell aus dem übergroßem Schatten der Regiekollegen mit entsprechendem Erfolg hervorzutreten.

Dazu serviere man: einen hochwertigen Cast von Tom Cruise („Mission Impossible”) über Melissa Leo („The Fighter“) bis hin zu Olga Kurylenko („Ein Quantum Trost”) und dem allseits beliebten Morgan Freeman („Million Dollar Baby”). Hinzu gebe man ein hochwertiges Setting, atemberaubende visuelle Einfälle, handwerkliches Geschick und verfolge zudem die noble Absicht, mit allerhand notwendigem Fortune „Oblivion” in einer Mixtur aus Anspruch und den etablierten (Unterhaltungs)Mechanismen der Blockbuster-Kultur Hollywoods zu einem am Ende großartigen Sci-Fi-Exponat (zudem inhaltlich memorabel) reifen zu lassen.

Doch leider wird dieses Ziel Dank der uninspirierten Regie Joseph Kosinskis und eines flachen Drehbuchs, welches das wahre, emotionale Drama um das Schicksal der Menschheit hinter „Oblivion” nicht aufleben lässt, verfehlt. Abgesehen von einer visuell halbwegs überzeugenden, post-nuklearen Welt, zeigt sich Joseph Kosinski mittels seines Blockbusters „Oblivion” trotz des interessanten, klassischen Asimov / Philip K. Dick-Themas (Menschen erscheinen in unserer Welt einmal mehr als geklonte, Gedächtnis-gelöschte, ausgestoßene, fast seelenlose Individuen) an einer näheren Ausleuchtung dieser Thematik kaum interessiert. Vor allen in den ersten 50 Minuten Laufzeit dümpelt „Oblivion” als real gewordene „Wall-E”-Referenz vor sich hin, wenn Tom Cruise in seiner Rolle als Jack, der „Aufräumer“, seinen wenigen (actionreichen) Entdeckungen auf den Grund gehen darf. Zudem wirkt die schematisch-konstruierte Liebesbeziehung zu Andrea Riseborough als Vika der austauschbaren Hollywooddramaturgie unterworfenen, welche die Drehbuchautoren in eine bereits unzählige Male gezeigte Menage á trois zur Steigerung des weiteren Verlaufs entwickeln. Abgesehen vom guten, inszenatorischen Willens zur Schilderung von Einsamkeit und Isolation des Menschen in einer zerfallen, post-atomaren Welt und einigen visuell-ausgefallenen Kabinettstückchen innerhalb der ersten Hälfte erweist sich „Oblivion” am Ende als erstaunlich ideenlos. Neben Darsteller Morgan Freeman, welcher sich mit genüsslich rauchender Havanna und ungewohnt selbstironisch-cooler als auch überflüssiger Attidüde ab und an in Pose setzen darf.

Zwischen schick-tristen, generierten Bildern und ordentlichen Actionsequenzen vermittelt Joseph Kosinski zwar den Eindruck von wohltuender Ruhe, rückt seine Protagonisten zwecks Konflikts in den Mittelpunkt (um den weiteren inszenatorischen Verlauf „Oblivions” zu zementieren), geht aber selbst nie der so (auch im späteren Zusammenspiel mit Olga Kurylenko) asimov´schen, einprägsamen wie bedeutsamen Frage nach, ob die Verschmelzung von Mensch und Maschine eines Tages gar unausweichlich erscheint. Also die Präsenz / Invasion Tet´s ein unausweichliches Schicksal darstellt. Und ob man, wenn man von der gegenseitigen, neu-entdeckten Existenz durch eine maschinelle „Verarbeitung” wie Tet wüsste, sich vor einander ängstigen oder (auf physische und psychische attraktive Weise) abgestoßen fühlen würde. Die thematischen Behandlungen derlei Kernthemen / Fragestellungen im Science-Fiction-Genre lassen die professionellen Vertreter innerhalb des Genres in einem interessanteren Licht erscheinen. Joseph Kosinski schuldet dem Betrachter am Ende von „Oblivion” dazu eine Menge Antworten…

Befremdlich wirkt in diesem Hinblick die Tatsache, dass Joseph Kosinski diesem Mangel an inhaltlichen Tiefgang beiläufig wegzuwischen versucht, in dem er sich erst garnicht einer positiven Antwort in Hinblick auf ein derlei abschreckendes Szenario (Menschen müssen mit Maschinen zu einer neuen Lebensform zwecks des eigenen Überlebens vereint werden) stellt, sondern lediglich ein inszenatorisches „wir alle kommen schon blendend nach der Vernichtung durch unserer Invasoren miteinander aus, erschaffen durch Kopulation im Paradies die Menschheit neu” für den Betrachter übrig hat, wenn Tom Cruise Tet im lediglich schwarz-weiß gedachtem Showdown am Ende von „Oblivion” gegenübersteht. Entsprechende Motivationen Tet´s zur maschinellen Verarbeitungen der Menschheit / Fragen zur eigenen Herkunft Tet´s aus den Weiten des Alls werden erst gar nicht ergründet, die Menschen müssen lediglich (wie so oft in vergleichbar eindimensional inszenierten (Roland Emmerich) Hollywood Blockbustern) vernichtet werden. Und „Oblivion” muss Dank Tom Cruises Rettungstat und des eigenen Wiederauftauchens (Doppelrolle!) dann zunächst im klischeehaften Heldentod gipfeln um dann in plumpe, popcornhafte Heldenverehrung umzuschlagen.

„Standdown!” –Joseph Kosinski gelingt es nicht, eine qualitativ überzeugende Science-Fiction Dystopie zu inszenieren und entsprechend auf den Betrachter einwirken zu lassen. Dank seiner vermittelten Botschaft und des sich daraus resultierenden Tenors schafft er am Ende etwas völlig anderes: eine hollywoodesk-utopische (und höchst unrealistische) Vorstellung eines möglichen Wunsches der Gesellschaft nach endgültiger Erlösung von allem Übel, inklusive jedwedem 9/11-Einflusses (wenn Tom Cruise in eingestreuten Rückblenden der dahin siechenden, später nicht mehr existenten Zivilisation in unseren modernen, gräulichen Betonwüsten gedenkt). Man kann sich „Oblivion” unter diesen Gesichtspunkten als harmlosen, tumben Hollywoodquatsch zurecht sehen, welcher gerne in Bildern platter Symbolkraft hofiert, was er an der Menschheit gerne kritisieren und an deren Ängsten zur Zukunft ausdrücken möchte.

Joseph Kosinski gelingt es nicht, damit an den per Vorschau durch die Trailer vermittelten und durch das Feuilleton bekannt gewordenen Ankündigungen am eigenem Anspruch / an den eigenen, gesetzten Zielen, sprich sich unter den besten Blockbuster-Regisseuren Hollywoods zu etablieren. Garniert wird „Oblivion” zudem mit einigen platten Verweisen auf Stanley Kubricks philosophisches Science-Fiction-Meisterwerk „2001 – A Space Odyssey, wenn Tet eine frappierende Ähnlichkeit zu HAL aufweist und Tom Cruise als eine kurze, visuelle Referenz an das bekannte „Starchild” ebenfalls in einer Wolke aus Licht erscheinen darf(!). Stanley Kubrick verstand es in „2001 – A Space Odyssey”, seine Bilder auf den Betrachter dauerhaft in einer einzigartigen Weise einwirken zu lassen. Joseph Kosinski jedoch gelingen zwar in „Oblivion” ansatzweise ähnlich wirksame Bilder, die jedoch am Ende dann doch der Verlockung erliegen, diese Dank der Hollywood-Schema-F-Inszenierung mit ordentlich plumper Action (Tet´s Zerstörung) nachwürzen zu müssen. Dadurch beraubt sich „Oblivion” selbst des inhaltlichen Anspruches, welcher als ein Teilziel der gesamten Inszenierung ausgewiesen wurde. „Oblivion” wird als Film somit auf Dauer, trotz überzeugender schauspielerischer Leistungen – auch des Hauptdarstellers, in den Niederungen des Blockbuster-Segments verschwinden.

  



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INHALT

In naher Zukunft ist unsere Welt nahezu komplett zerstört. Die Menschheit muss von nun an über den Wolken leben, um sich vor blutrünstigen Aliens zu retten, die die letzten Trümmer der Erde belauern. Als der Soldat Jack (Tom Cruise) die Mission erhält, auf den Erdboden zurückzukehren um die außerirdische Lebensform zu zerstören, findet er eine mysteriöse Frau (Andrea Riseborough) in einem abgestürzten Raumschiff. Es folgen eine nicht zu stoppende Reihe eigenartiger Ereignisse, die Jack alles in Frage stellen lassen ...
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Eure Kritiken zu Oblivion

  1. Bubi

    Meine Güte -welche Erwartungen hat denn der Kritiker an den Film gestellt -das kann ja nur in die Hose gehen. Der Film soll also die grossen existentiellen Fragen nicht nur korrekt stellen sondern auch die dem Kritiker genehmen Antworten finden. Ein wenig weniger Überheblichkeit würde manchem ach so schlauen Kritiker gut zu Gesicht stehen.

    Nun zum Film|

    1. Tolle Bilder-selten so eine stimmige Zukunftsvision gesehen. Auf BD Referenz!
    2. Grandiose und passende epische Filmmusik von M38. Sound of BD absolute Referenz!
    3. Toller Tom Cruise mit glaubwürdiger Spielweise und genau richtiger Dosierung.
    4. sehr gute Andrea Riseborough – spielt sehr glaubwürdig und mit der Rolle angemessen Tiefgang.
    5. Olga K. fällt deutlich ab. Eher eine Fehlbesetzung.
    6. starke 1. Hälfte , Handlung hat interessante Twists , an manchen Stellen etwas hölzern.
    7. Wo verdammt nochmal wird hier Wallie zitiert??? Das schreibt ein Kritiker vom anderen ab, weil es so schön pfui bäh klingt und den Film so schön desavouiert.

    Insbesondere in der ersten Hälfte ein toller Filmgenuss der leider in der 2. Hälfte nach lässt, da Olga K . die Bühne betritt und die Liebesbeziehung zu Jack hölzern und bemüht wirkt.
    Ansonsten sehr unterhaltsam, visuell und musikalisch überzeugend.

  2. blockbusterandmore

    @Bubi: Cheapshots gegen Rezensenten, welche sich wirklich mit einem Film und dessen Thema auseinandersetzen, sind auf verschiedenen Plattformen immer gern gesehen…:p Mach sich verdammt gut, so etwas…

    Wenn man etwas an einer Kritik auszusetzen hat, dann sollte man sich mittles eines Fanboy-Aufschreis nicht gegen den Autor einer Kritik stellen, sondern entsprechende Gegenargumente finden… Deine vorgetragenen Punkte sind zwar allesamt nett zu lesen, spiegeln aber nur die im Text hervorgebrachte Argumentation wieder, das gute Schauspielleistungen in Oblivion an den Tag gelegt wurden. Entkräften aber keineswegs den Kern der hier vorgebrachten Kritik…Die Kritik an der Kritik üben wir noch mal, gelle? Oblivion mag als oberflächlicher, tumber Hollywood- Blockbuster sicherlich mehr oder weniger unterhaltsam sein, keine Frage… Jedoch können die Macher der Ankündigung / der bis nach Deutschland durchgereichten Botschaft , man würde einen halbwegs intelligenten, richtigen Science Fiction Film mit Oblivion zu sehen bekommen, keineswegs gerecht werden…Alles in allem entpuppt sich Oblivion nach dem sehen eher als eine platte, vor sich hin ossizilierende zurechtgejazzte Post- 09/11 Erlöserphantasie, in welcher alles Übel (was der modernen Welt egal in welcher Form schaden könnte) am Ende religiös-verbrämt von der Landkarte getilgt sein sollte…Der dazugehörige Score mag sich auf den ersten Blick toll anhören, unterstreicht aber letztendlich auch in pathetischer Orchester-Manier nur das Gehabe von Tom Cruise, sich als selbstgerechter Scientologe in Szene setzen dürfen, der am Ende von Oblivion weiß wo es lang geht und eine neue Weltordnung, angefangen auf einem grünen Fleckchen Erde, installieren darf. Plumper kann man die eigenen Intentionen in „Oblivion“ nicht mehr hervorbringen. Niemand erwartet von Oblivion ein vielschichtiges Meisterwerk wie „2001 – A Space Odyssey “ oder dergleichen, aber es schmerzt schon sehr, das die klassischen Science-Fiction Themen wie der Mensch/Maschine Konflikt am Ende nur Tom Cruises tumber Show weichen müssen, selbst Will Smiths durchschnittlicher Blockbuster „I-Robot“ bot bessere Ansätze zum klasischen Asimov-Thema…*Spoiler Beispielsweise als Wil Smith in der Rolle des Detective Del Spooner wirklich damit zu kämpfen hatte, nach einem Unfall teilweise nur noch eine Maschine zu sein….Man konnte dies sehr gut erkennen (weil es visuell deutlich gemacht wurde) und den entstehenden Konflikt des Menschen besser nachfühlen, als es in im Tom Cruise sterilem Blockbuster nun mal der Fall ist…Ja selbst Bioware hat es in der Gaming/Film-Industrie mit dem Abschluss seiner Gaming-Saga zu ME3 trotz der immanenten Unbeliebheit des Endes besser als der aktuelle Hollywood-Zirkus verstanden, sich mit der am Schluss unausweichlichen Synthese von Mensch und Maschine zu beschäftigen. Etwas, was Oblivon nur vorgibt, aber letztendlich doch niemals einlöst. Das sind wesentliche Kritikpunkte, welche vollständig nachweisbar sind.

    Zum Thema Oblivion gibt zum Beispiel hier eine schöne Auseinandersetzung zum nachlesen : http://www.moviepilot.de/news/a-neverending-story-tom-cruise-scientology-121382?full_page=true

    Und das BluRays eine hohe Qualität in Sachen Bild- und Ton bieten, ist mittlerweile selbstverständlich… Damit erzählst du hier niemanden etwas neues…Es hilft also keinem Leser. auf mehrfilm.de weiter..

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