KRITIK

Nur eine Stunde Ruhe

Bild (c) 2015 DCM Filmdistribution.

Bild (c) 2015 DCM Filmdistribution.

Zahnarzt Michel (Christian Clavier) hat ein komfortables Leben. Zur geräumigen Pariser Stadtvilla samt distinguierter Gattin (Carole Bouquet, das Bond-Girl aus „In tödlicher Mission“) leistet er sich eine junge Geliebte (Valérie Bonneton, „Eyjafjallajökull“) und kostspielige Hobbies. Soeben erstand er auf dem Flohmarkt eine kostbare Jazzplatte mit dem sprechenden Namen „Me, Myself and I“. Jetzt wünscht sich Michel nur eines: eine Stunde Ruhe, um das rare Vinyl ungestört anhören zu können.

Doch ach, dem gediegenen Bourgeois fuhrwerkt der nervtötende Alltag in die Parade. Die Geliebte geht auf Distanz, die Frau möchte etwas Wichtiges gestehen, ein Schwarzarbeiter flutet die Wohnung, der Salonrevoluzzer-Sohn quartiert eine asiatische Großfamilie im Dienstmädchenzimmer ein, und dann sind da noch die aufdringlichen Nachbarn, die partout ihre Hausparty in Michels Quartier verlegen wollen.

Szene_Nur_eine_StundeRegisseur Patrice Leconte (mit langer Pause nach u.a. „Die Verlobung des Monsieur Hire“) zählte mal zu den filigransten Autorenfilmern des französischen Kinos – mit „Une heure de tranquillité“, so der Originaltitel, drückt er mit klamottigem Tür-auf-Tür-zu-Humor derart auf die Boulevardtheatertube, dass man den Film glatt für ein Relikt von der Louis-de-Funès-Resterampe halten könnte.

Tatsächlich bewegt sich Darsteller Christian Clavier, der seit dem Megahit „Monsieur Claude und seine Töchter“ auch deutschen Zuschauern ein Begriff ist, mit misanthropischem Jähzorn und hektischem Tempo ganz gezielt in Funèsschen Fußstapfen. Für eine böse Satire aufs französische Großbürgertum, das sich die Weltwirklichkeit vom Hals halten möchte und bockig auf einer strikten Grenzziehung zu allem Migrantischen besteht, ist diese auf einem Bühnenstück basierende, allzu alberne Komödie natürlich viel zu zahm geraten.



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