KRITIK

Number 23

Number 23 Das Gefühl, von einem Buch direkt angesprochen zu werden, kann weltversöhnlich wirken, auch hoffnungsfroh stimmen. Jedoch nicht, wenn es sich um einen Paranoia-Thriller handelt. Einen solchen entdeckt Agatha Sparrow (Virginia Madsen) eines Tages in einer Buchhandlung und schenkt ihn unbedachterweise ihrem Mann Walter (Jim Carrey).

„Die Nummer 23“ heißt dieses ominöse, im Selbstverlag erschienene Werk von einem gewissen Tobsy Cret, aus dem man unschwer den Mr. Top Secret herauslesen kann. Ein Pseudonym-Scherz eben. Doch je tiefer Walter, ein einfältiger Hundefänger aus der Vorstadt, in die Lektüre eintaucht, desto mehr gruselt es ihn. Denn der numerologische Noir-Krimi, der sich da entspinnt, scheint sein eigenes Dasein auf gespenstische Weise nachzuzeichnen. Und damit nicht genug: Überall, in jedem Datum, verborgen hinter jedem Namen entdeckt Sparrow plötzlich die mysteriöse Ziffer 23. Sein Verstand scheint sich zu verabschieden – ins Reich der okkulten Mathematik.

Es ist ja noch gar nicht lange her, dass der deutsche Regisseur Hans-Christian Schmid in seinem Hacker-Thriller „23“ die Paranoia beschwor, die aus Illuminaten-Mystik und Zahlen-Rätselei entstehen kann. Ein durchaus packender Film war das, der den Obskurantismus-Hype um die Zahl 23 für eine Geschichte über Adoleszenz-Irrungen, Polit-Verstrickungen und Drogen-Taumel nutzte.

Regisseur Joel Schumacher („Falling Down“), seit jeher mehr ein Oberflächen-Bebilderer, inszeniert hier die enigmatische Reise eines Mannes ins eigene Kopf-Labyrinth – vollgestreut mit Verweisen auf Detektiv-Geschichten der Schwarzen Serie und befeuert von Internet-Verschwörungstheorien jüngerer Zeit. Die Anschläge vom 11. September etwa lassen doch aufhorchen: 9/11/2001, in der Quersumme 23…

Schade nur, dass Schumacher diesen Zahlen-Trip, durchaus spannend entwickelt, am Ende allzu brav auflöst: Familientragödie statt Welträtsel.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Walter Sparrow glaubt das Leben zu kennen, bis der Roman "The Number 23" es völlig verändert. Je mehr er sich in die Biografie des Protagonisten Fingerling einliest, desto größere Parallelen entdeckt er zur eigenen, desto mehr ist auch er besessen von der Zahl 23, die Fingerling in den Absturz trieb. Um seinen eigenen zu verhindern, sucht Walter den Autor des Buches und erfährt Verblüffendes.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Number 23

  1. Christian

    Komiker Jim Carrey als Verschwörungsopfer? Damit habe ich mich bis zum arg konstruierten Ende sehr schwer getan. Obwohl Regisseur Joel Schumacher hier alles in nette Bilder packt, die Geschichte will einfach nicht unter die Haut gehen.

  2. Merowinger

    Es gibt einen deutschen Film namens „23“, der das Thema spannender, realistischer und insgesamt um Längen besser aufgreift. „The Number 23“ dagegen ist streckenweise wirr, unausgegoren und schleppt sich streckenweise mühsam über die Runden.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*