KRITIK

Noch einmal Ferien

Noch einmal Ferien Wer darüber rätselt, warum bei den Oscars nur „Problemfilme“ fern des Mainstreams aufliefen, muss sich bloß ansehen, was Hollywoods Mainstream momentan produziert: Remakes, Fortsetzungen, Besinnliches und Keusches, meist mit kulleräugigen Kindern: eben Filmkost für Kriegszeiten.

Da mischt auch Wayne Wang mit. Der einstige Cineasten-Liebling („Smoke“) hat seit „Chinese Box“ keinen erinnerungswürdigen Film mehr inszeniert und dreht jetzt Kinderkomödien mit Hunden („Winn-Dixie“) – oder, wie hier, das Remake eines Films von 1950. Wobei das Original im Vergleich geradezu frech wirkt.

In der Neufassung ist es die propere Rapperin Queen Latifah, die nach einer Hirntumordiagnose beschließt, ihren drögen Alltag als Verkäuferin zu zertrümmern und das Ersparte in den ihr prophezeiten letzten drei Wochen bei Ferien in einem Luxushotel zu verprassen. Die Produzenten des Films haben offensichtlich einen Deal mit dem tschechischen Amt für Tourismus, weswegen Georgia (so der Rollenname) den dekorativ verschneiten Kurort Karlsbad als finale Residenz wählt.
Dort trifft sie auf bemüht verschrobenes Personal, das entweder von deutschen Synchronleuten zum Sächseln gezwungen oder aber (im Falle des Kochs) von Gérard Depardieu wie ein angetrunkener Vorstadtkabarettist verkörpert wird. Weil sich im Hotel wundersamerweise auch ihr Boss (Raubtierkapitalist vom Reißbrett) und ihr Senator (Karrierist) aufhalten, werden diese von der vermeintlich Schwerreichen natürlich zum guten Leben bekehrt. Es gibt viele Beschlüsse zum Besseren in Karlsbad, und noch mehr peinliche Europa-Klischees.

Wang inszeniert die überraschungsfreie Slapstickklamotte schlampig ins soßige Happy End, wobei die Balance zwischen Tragödie und Posse niemals stimmt. Eine Krebs-Klamotte? Ein Mutmach-Drama? Wahrscheinlich doch nur ein Durchhalte-Märchen nach Standard-Rezepten. Wäre Queen Latifah nicht ganz in ihrem Wonneproppen-Element – es gäbe Grund entsetzt zu sein.



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INHALT

Buchhalterin Georgia Byrd führt ein höchst überschaubares und sparsames Leben. Bis zu dem Tag, an dem sie erfährt, dass sie sterbenskrank ist. Sie verkauft ihr Hab und Gut und jettet nach Europa, um sich in der verbleibenden Zeit sämtliche Wünsche zu erfüllen und noch einmal richtig auf den Putz zu hauen. Mit ihrem exzentrischen und unkonventionellen Auftreten in den Nobelhotels der Alten Welt gehört sie schon bald zur High Society und findet sogar die Liebe in den Armen eines Franzosen. Fragt sich nur, wie lange Georgia das noch genießen kann.
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