KRITIK

Nie wieder Sex mit der Ex

Nie wieder Sex mit der Ex Vor den deutschen Titelmachern muss man diesen Film in Schutz nehmen: Nur weil die Marketingfibel für Massenproduktwerbung behauptet, etwas „Sex“ im Titel und ein doofer Reim gingen schließlich immer, heißt das nicht, dass Jungregisseur Nicholas Stoller bloß eine tumbe Posse abgedreht hätte. Im Gegenteil: Der Originaltitel „Forgetting Sarah Marshall“ beschreibt sogar ziemlich exakt, worum es hier geht.

Der dezent verlotterte Fernsehserienkomponist Peter wird hier zu Beginn des Films von seiner Freundin Sarah Marshall, einer sehr hübschen Blondine (Kristen Bell von den „Heroes“) verlassen. Die angesagte Schauspielerin hat jetzt einen Neuen – einen englischen Rocksänger mit Talent zu akrobatischem Liebesspiel. Längere Zeit vergeht, in der man Peter beim Liebeskummer zusehen kann, und tatsächlich hat man das in einer Komödie selten ausgiebiger tun können, und weil Darsteller Jason Segel das so überzeugend und witzig vorführt, tut man das sogar gern.

Dann treffen sich alle Beteiligte auf Hawaii wieder, Peinlichkeit jagt Peinlichkeit, der Brite floppt, Getrennte drohen sich wiederzuvereinigen, doch natürlich lauert die Liebe in anderer Verkleidung längst hinter der nächsten, nun, Hotelrezeption.

Kein berauschender Plot, gewiss, aber das Drumherum stimmt hier. Hauptdarsteller und Drehbuchautor Jason Segel stammt wie Regisseur Stoller und diverse weitere Mimen und Mitarbeiter aus dem Stall von Produzent Judd Apatow („Beim ersten Mal“), ohne den zurzeit kaum eine (halb-)schräge Komödie auskommen kann – und der sogar „full frontal male nudity“ durchsetzen konnte, also nackte männliche Tatsachen, was im Mainstream-Hollywood sonst immer noch ein absolutes Tabu ist.

Einige Dialogpassagen sind mau, andere zum Brüllen, das Beste aber ist der britische Komiker Russell Brand in der Rolle des Rocksängers: Zumindest im Original könnte der Kontrast zwischen dessen unbedarfter Nonchalance im lässigen Londoner Zungenschlag und dem uramerikanischem Geplänkel der Hawaii-Urlauber kaum größer (und witziger) sein. Gut möglich aber, dass dieser Witz die Übertragung ins Synchrondeutsche nicht überstanden hat.



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INHALT

Der unauffällige Peter Bretter wird nach sechs Jahren von seiner Fernsehstar-Freundin Sarah Marshall abserviert. Er ist am Boden zerstört, zumal er zudem erfahren muss, dass Sarahs Neuer ausgerechnet der Frauenschwarm und Britrocker Aldous Snow ist. Bei einem Hawaii-Urlaub will er seine Wunden lecken und Abstand gewinnen. Das entpuppt sich nicht zuletzt deshalb als schwerig, weil Peter entsetzt feststellen muss, dass Sarah und Aldous ausgerechnet im selben Resort absteigen und ihren ersten Liebeserlaub verbringen.
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Eure Kritiken zu Nie wieder Sex mit der Ex

  1. Udo

    Zugegeben: Überraschend gut. Mit sehr viel Tiefen aber auch einigen Höhen. Vor allem die Nebendarsteller sind die Eintrittskarte wert.

  2. Sabs

    Das geht ja gar nicht. SElbstdarstellung, Selbstverliebhtheit, wenig komische Gags, das is nix!

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