KRITIK

Nichts bereuen

Nichts bereuen „Nichts bereuen“ ist das Spielfilmdebüt des erst 25-jährigen Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg Benjamin Quabeck, von dem man in Zukunft noch einiges erwarten darf. Geschickt bediente sich Quaebeck in der Werkzeugkammer des Mediums und erzählt seine Gedanken über das Erwachsenwerden anhand digitaler Handkamerabilder, toller Landschaftstotalen über Wuppertal und intensiver Nahaufnahmen. Gekonnt setzt er die ihm zur Verfügung stehenden Mittel ein. So gut, dass von dem Film eine überzeugend intensive Stimmung und lakonische Leichtigkeit ausgeht, die den Betrachter das ganze Leiden und die zahlreichen, teils unglaubwürdigen Erlebnisse des Protagonisten mitfühlend mit(er)leben lassen..
Daniel Brühl, der Shooting-Star des deutschen Nachwuchs-Schauspiels, brilliert hier als hoffnungslos romantischer Teenager, dem die Rolle des Außenseiters fremd ist. Er hat mit Dennis (überzeugend: Denis Moschitto), einen guten Freund gefunden, der ihm mit Rat und Tat zur Seite steht. Eine gemeinsame Urlaubstour in einem alten VW-Bulli wird nicht als pseudo-romantisches Pamphlet an die Freundschaft dargestellt, sondern gibt sich situativ und sehr nahe am Alltag. Hier darf auch schon mal über einen eigenen Spruch gelacht werden, fern jeglicher Klischees und der Darstellung einer hippen Jugendwelt.
Genauso real zeigt sich das harte Leben als Zivildienstleistender. Daniel ist hier nicht der Prototyp des typischen Zivis und hat weder lange, ungekämmt Haare, noch raucht er Kette oder trägt einen schwarz/weißen Schal. Zivi Daniel wechselt die Windeln einer hilfsbedürftigen Seniorin, trinkt eine Flasche Hochprozentiges mit einem rüstigen Rentner und kann sich bei Erbrochenem auf dem Wohnzimmerteppich glaubhaft ekeln. Das ist real und ehrlich. Identifikation sowohl mit dem Beteiligten als auch mit dem Erlebten nicht ausgeschlossen! Ähnlich verhält es sich mit seiner Liebe zu Luca, die hier überzeugend von Viva-Moderatorin Jessica Schwarz verkörpert wird. Behutsam versucht Kameramann David Schultz die zarte Liebe in Bilder umzusetzen, ohne, dass er ihr dabei zu nahe auf den Pelz rückt.
Im Großen und Ganzen hat Jungregisseur Quabeck einen tollen Film geschaffen, der ehrlich und aufrichtig ist. Nichts bereuen ist eine gelungene kleine Ode an das Erwachsenwerden, mit der Benjamin Quabeck ein großer Wurf geglückt ist. Authentisch und mit viel Seele. Wer diesen Film verpasst, der wird es bereuen. Christian Gertz



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INHALT

Ein Film über das Erwachsenwerden. Daniel ist Abiturient an einem Gymnasium in Wuppertal. Er ist ein Romantiker, das erfahren wir direkt von ihm, weil er zu uns spricht. Außerdem erzählt er uns, dass er seitdem er 15 ist, kein Kind mehr sein will. Mit 15 hat er seine große Liebe Luca kennen gelernt, auf dem Schulhof. Das ist genau 1480 Tage her.
Doch wie vom Kindsein ist Daniel vom Erwachsensein noch weit entfernt. Das „erste Mal“ hat er mit Luca, der Traumfrau aus der Schule, schon sehr oft erlebt – in seiner Fantasie. Luca ist leider die Frau, die vornehmlich mit älteren Studenten zusammen sein will und für Daniel nur freundschaftliche Gefühle übrig hat.
Als sie nach Amerika geht, veranstaltet sie ein große Abschiedsparty. Für Daniel die letzte Chance, ihr seine aufrichtige Liebe zu gestehen. Doch es läuft nicht so, wie er sich das vorstellte. Gefrustet tritt er die Zivistelle an, die sein Vater ihm gegen seinen Willen besorgt hat. Als Daniel sich so langsam an ein Leben ohne Luca gewöhnt, lernt er die Krankenschwester Anna kennen, die sich in den hoffnungslosen Romantiker verliebt. Doch plötzlich steht Luca, unerwartet aus Amerika zurück, vor ihm....
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Eure Kritiken zu Nichts bereuen

  1. Andreas

    Habe den Film in Anwesenheit desRegisseurs Quabeck gesehen. Es ist ein intensiver, glaubhafter und deshalb großartiger deutscher Film ueber die schwierige Zeit des Erwachsenwerdens. Diejenigen, die mal der großen Liebe nachgetrauert haben, werden den Film in ihr Herz schließen und nicht nur diejenigen…

  2. Udo

    Benjamin Quabeck, der Regisseur..des Films ist erst 25 Jahre alt. Von seinem ersten preis (Hypovereinsbank) hat er sich einen gebrauchten Lotus Esprit gekauft. Was für ein geiler Typ und ein großes Talent. Ich drueck ihm die Daumen für sein Diplom, dass er mit diesem Abschlussfilm sicher locker in der Tasche haben duerfte.

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