KRITIK

New Moon – Biss zur Mittagsstunde

New Moon - Biss zur Mittagsstunde Als die bekennende Mormonin Stephenie Meyer im zarten Alter von 21 Jahren die Liebesgeschichte zwischen der High-School-Schülerin Bella und ihrem Vampir Edward ersann, ahnte niemand, dass sie mit ihrem Buch „Twilight – Biss zum Morgengrauen“ die Gefühle unzähliger Teenager spiegeln würde. Zusammen mit drei weiteren Büchern der „Twilight“-Geschichte entstand ein Hype, der eine ähnlich treue Fangemeinde nach sich zog wie einst die „Harry Potter“-Bücher. Die Vampir-Saga ist längst zu einem mächtigen Fandom geworden.

Mit der Filmauswertung wurde das bekannte Vampirfilm-Genre, das stets den Mythos der Einsamkeit und Andersartigkeit einer nachtaktiven, bleichen Kreatur belebte, auf eine neue, konservative Stufe gehoben. Während die Fernsehserie „Buffy“ (1997-2003) den alten Vampir-Mythos „nur“ von seiner Nachtaktivität befreite, wurde durch „Twilight“, ganz wie von selbst, aus einem voller erotischer Verderblichkeiten steckenden Genre eine biedere Teenie-Romanze. Teenager-Frust meets Vampire-Mythos. Clever.

Stephenie Meyer hat den Nerv der Zeit getroffen. Der zweite Band ihrer Twilight-Reihe „New Moon“ (dt.: Bis(s) zur Mittagsstunde) erschien im September 2006 und hielt sich über 30 Wochen auf Platz 1 der New York Times Bestseller-Liste. Filmisch kommt man diesem Erfolg nun durch eine Neu-Besetzung in punkto Regie entgegen. Was hier jedoch leider nicht funktioniert, so viel darf man vorwegnehmen. Hatte es Catherine Hartwicke im ersten Teil noch verstanden, für die Teenager-Befindlichkeiten und ihre Liebesgeschichte(n) stimmige Bilder zu finden, tut sich Chris Weitz sichtlich schwer, der Vorlage Leben einzuhauchen.

Ob es am Fehlen der Hauptfigur Edward Cullen, gespielt vom neuen Teenie-Idol Robert Pattinson, liegt? Oder an der damit einhergehenden düsteren Grundstimmung? Nein, auch der zweite Teil der Saga erzählt, wie sein Vorgänger, eine typische Coming-of-Age-Geschichte. Als es auf einem Geburtstagsfest zu Bellas Ehren bei den Cullens zu einem Zwischenfall kommt, muss Edward feststellen, dass diese Liebe kein Zuckerschlecken, äh Blutschlecken ist. Edward macht sich nach etwa 15 Filmminuten samt Familie aus dem Staub und lässt seine Bella (Kristen Stewart) zurück. Bella ist traurig. Die Kamera kreist einige Male um ihren müden Gesichtsausdruck.

Nur wenig später springt ihr alter Freund Jacob (Taylor Lautner) aus dem Wald. Gut sieht er aus. Gestählter Körper, den der neue Regisseur gerne und oft in Szene setzt. Mit seinen Freunden zieht er, meist halbnackt, im kalten US-Bundesstaat Washington durch die Gegend. Doch auch wenn er die Angriffe der Feinde abwehren kann und für seine Bella Motorräder zusammenschraubt, schlägt Bellas Herz nur für Edward. Der will sich nun aus Liebeskummer opfern. In Italien. Das muss Bella verhindern.

Während Edward wie eine Mischung aus einer mit übernatürlichen Kräften gesegneten Jesus-Figur und einem morbidem James Dean in Szene gesetzt wird und damit Projektionsfläche für alle Teenie-Träumereien sein dürfte, wird der mögliche Konkurrent Jacob, so will es das Buch, als braungebrannter Macho einer Art Surfer-Gang präsentiert, die sich etwa zur Hälfte des Films als Werwolf-Rudel entpuppt.

Natürlich sind es die Männer, so will es die streng gläubige Stephenie Meyer, die in New Moon ihre Hüllen fallen lassen. Während sich Edward in einer pathetischen Szene in Zeitlupe entkleiden darf, gibt es mit Jacob kaum eine Szene, in der er sein T-Shirt anlässt. Das erinnert oft an die Oberflächlichkeit eines Musikvideos. Auch wenn alle Zutaten, inklusive schöne halbnackte Menschen, gewaltarme Action und romantischer Kitsch, auf 130 Minuten ausgedehnt, auf Film- und damit auf Teenie-Erfolg getrimmt sind. Nur leider bietet dieser Film nicht mehr als genau diese Schauwerte.



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INHALT

Während Bella Swan die Mysterien der übernatürlichen Welt der Cullens ergründet, der sie so sehr auch selbst angehören möchte, entdeckt sie einige uralte Geheimnisse, die sie größeren Gefahren aussetzen als je zuvor. Kurz nach Bellas 18. Geburtstag fällt Edward den Entschluss, sie zu verlassen, um sie zu beschützen. Mit gebrochenem Herz taumelt Bella wie eine Schlafwandlerin, betäubt und einsam, durch ihr letztes Jahr an der High School, bis sie entdeckt, dass sie Edward sehen, er ihr erscheinen kann, wenn sie sich in große Gefahr begibt. Ihr Wunsch, ihn um jeden Preis um sich haben zu können, treibt sie dazu, immer größere Risiken auf sich zu nehmen, wozu auch eine neue Vorliebe für Hochgeschwindigkeitsspritztouren mit dem Motorrad gehört.

Mit Hilfe von Jacob Black, ihrem Freund aus gemeinsamen Kindertagen, der dem mysteriösen Stamm der Quileute angehört, bringt Bella ein Motorrad für ihre abenteuerlichen Touren wieder in Schuss. Nach und nach erwärmt sich Bellas vereistes Herz durch die aufkeimende Beziehung zu Jacob, der selbst ein übernatürliches Geheimnis in sich trägt.

Als Bella eines Tages allein über eine Wiese geht, steht sie plötzlich einem tödlichen Angreifer gegenüber. Ein grausiges Ende bleibt ihr nur erspart, weil ihr ein Rudel Wölfe von enormer Größe zu Hilfe kommt. Diese Begegnung macht erschreckend deutlich, dass Bella sich noch immer in großer Gefahr befindet.
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Eure Kritiken zu New Moon – Biss zur Mittagsstunde

  1. mijosu

    Nah am Buch, jedoch könnte die Trennung etwas dramatischer gestaltet sein. Das Ende leider zu abrupt. Ansonsten sehr gut geworden.

  2. Eliza

    Ein wunderbarer Film, tolle Darsteller, das Buch wurde gut umgesetzt. Karte reservieren!

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