KRITIK

Nachtzug nach Lissabon

Plakat zum Film Nachtzug nach LissabonMehr als zwei Millionen Mal allein im deutschsprachigen Raum hat sich Pascal Merciers Roman „Nachtzug nach Lissabon“ verkauft. Und Mercier, hinter dessen Pseudonym sich der Berner Philosoph Peter Bieri verbirgt, sei ganz begeistert von der Verfilmung, die der dänische „Fräulein Smilla“-Regisseur Bille August nun unter der Fuchtel diverser europäischer Co-Produzenten angefertigt hat. So hieß es zumindest während der 63. Internationalen Filmfestspiele Berlin, wo die Besetzungsriege aus Noch- und Halb-Stars über den Teppich marschierte: Unter anderen Jeremy Irons, Mélanie Laurent aus „Inglourious Basterds“, Christopher Lee, Martina Gedeck und August Diehl.

Doch die Romanverfilmung entpuppt sich schnell als spannungsarme Sache: Das Selbstfindungsdrama eines Berner Lateinlehrers (Irons), der per Zufall an das Lebensweisheitsbüchlein eines portugiesischen Widerstandskämpfers gerät, aus einer schicksalhaften Laune heraus in den Nachtzug steigt und in Lissabon der eigenen Befreiung näherkommt – eine Handlung, die sich so dahinschleppt.

Szene aus dem Film Nachtzug nach LissabonWie fotogen Lissabon ist, haben Filme von Wim Wenders bis Manoel de Oliviera oft genug bewiesen, doch in Augusts braver Bebilderung wirkt die weiße Stadt am Tejo leblos und kulissenhaft. So öde wie möglich parallelmontiert, wird die Vita des Fibelschreibers Amadeu (Jack Huston aus „Boardwalk Empire“) während der Salazar-Diktatur (1933-1974) mit den Recherchen des Lehrers Gregorius, die sich vorwiegend in langen Interviews mit Amadeus Zeitgenossen (Lee, Bruno Ganz, Charlotte Rampling) erschöpfen. Amadeu verliebte sich einst in Estefania (Laurent), der Lehrer trifft Miranda (Gedeck). Sie ist Augenärztin – Achtung, Symbol!

Von der Faszination der Hauptfigur für die portugiesische Sprache, die im Roman so wichtig ist, fehlt im Film jede Spur. Denn in der Originalversion sprechen alle Figuren Englisch, die Portugiesen absurderweise mit Akzent. In der Synchronfassung wird dann sowieso alles plattgedeutscht. Diese Art Gedankenlosigkeit passt sehr gut zum betulichen Stil dieses Films, der sich letztlich damit begnügt, Promi- Darsteller beim Aufsagen von Kalenderweisheiten abzulichten. Eine Enttäuschung.

  

Kritikerspiegel Nachtzug nach Lissabon



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Lida Bach
u.a. film-zeit.de, kino-zeit.de, titel-magazin
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Carsten Happe
Der Schnitt, Filmgazette
1/10 ★☆☆☆☆☆☆☆☆☆ 


Klaus-Peter Heß
Münstersche Zeitung
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
3.5/10 ★★★½☆☆☆☆☆☆ 




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