KRITIK

My Week with Marilyn

Plakat zum Film My Week with MarilynNorma Jean Baker hatte eine unglückliche Kindheit. Später, als sie unter dem Markennamen Marilyn Monroe der Welt größter weiblicher Filmstar war, nahm sie Tabletten und litt an der Tatsache, dass das Publikum sie nur als naive Blondine sehen wollte. Mit 36 Jahren starb sie. Viel zu früh. Für den ersten Kinofilm über die Monroe hat Regisseur Simon Curtis (TV-Regisseur aus GB) kein herkömmliches Bio-Pic im Sinn, das ihr Leben vom Kindbett bis in Kennedys Lotterlaken verfolgt hätte, sondern nur einen kurzen Ausschnitt, an dem sich ihr Lebensdrama verdichtet aufzeigen lässt: die Dreharbeiten zu Laurence Oliviers Romanze „Der Prinz und die Tänzerin“ (1957).

Szene aus dem Film My Week with MarilynDer britische Theaterstar und „die Monroe“ instrumentalisierten sich dabei selbst: Olivier (mit Gusto gespielt von Kenneth Branagh) hoffte, dass ihr strahlender Hollywood-Glamour auf ihn abfärben würde. Das Sexsymbol aus „Blondinen bevorzugt“ hingegen suchte an seiner Seite mimisches Renommee. Das ging natürlich nicht gut, und Curtis’ Film stellt die Scharmützel am Set liebevoll, aber ohne jede Denunziation nach: Oliviers in Shakespeare-Bonmots ventilierten Zorn über die Allüren der US-Diva und über ihren Glauben an das von ihm verachtete „Method Acting“, aber auch ihre Zusammenbrüche nach eigenen Textpatzern.

Schwächer ist die zentrale Handlung um den jungen Produktionsassistenten Colin Clark (Eddie Redmayne aus „Die Säulen der Erde“, TV 2010 oder „Der gute Hirte„, 2006), dem sich die Monroe am Set unwahrscheinlicherweise anvertraut. Schenkt man Clarks Memoiren Glauben, aus denen der Film sich den staunenden Außenblick leiht, gab es sogar eine kurze Affäre.

Das Wunder des konventionell inszenierten Films, der mit heiterem Grundton auf Seelennöte blickt, ist aber eindeutig die wunderbare Michelle Williams, die als Marilyn ihre dritte Oscarnominierung (nach „Brokeback Mountain“ und „Blue Valentine„) einfuhr. Ihr gelingt das Kunststück, die Ikone gleichzeitig als Mythos und als Mensch darzustellen. Die Regie von Simon Curtis hingegen, die in Art und Inszenierung sehr an seinen TV-Film „My Summer with Des“ (TV, 1998) erinnert, bietet kaum Überraschungen. Sehenswert.

Kritikerspiegel My Week with Marilyn



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Dimitrios Athanassiou
moviemaze.de
9/10 ★★★★★★★★★☆ 


Sascha Westphal
epd Film, Die Welt, FR
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
6.5/10 ★★★★★★½☆☆☆ 




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INHALT

Im Sommer 1956 bekommt der 23jährige Colin Clark (Eddie Redmayne) eine Anstellung als Assistent am Set des Filmes "The Prince and the Showgirl", welcher gerade in London gedreht wird. In den Hauptrollen spielen die Hollywood-Ikone Marilyn Monroe (Michelle Williams) und Sir Laurence Olivier (Kenneth Branagh). Monroe ist aber nicht bloss zum arbeiten nach London gekommen, sie verbringt dort auch die Flitterwochen mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Arthur Miller (Dougray Scott). Als dieser zurück in die USA reist, möchte ihr Colin Clark eine angenehme Zeit in der Hauptstadt ermöglichen. Fern ab von allem Trubel verbringen die beiden gemeinsame Stunden, Monroe blüht an der Seite des jungen Mannes richtiggehend auf.
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Eure Kritiken zu My Week with Marilyn

  1. Yvonne

    Ein Film, der vor allem durch seine Hauptdarstellerin getragen wird. Ein bisschen kann man hinter die Kulissen des Stars schauen.

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