KRITIK

My Blueberry Nights

My Blueberry Nights Der Blaubeerkuchen schmeckt nicht schlechter als die Apfel- und Schokoladentorten, und trotzdem bleibt er am Ende eines jeden Tages in Jemerys Café übrig. Dieses Diner ist ein Strand der Ungeliebten, was für Menschen, Kuchen und die nie abgeholten Schlüssel gilt, die Jeremy (Jude Law) in einem Glas hinter der Theke aufbewahrt.

Jeder davon erzählt eine Geschichte, eine traurige, versteht sich – von einer Tür, die irgendwo zwischen zwei Liebenden zugeschlagen ist. Auch Elizabeth (Sängerin Norah Jones in ihrer ersten Kinorolle), die eines Abends hier hereingeschneit kommt und vom Blaubeerkuchen kostet, leidet an gebrochenem Herzen. So wie Jeremy selbst.

Allabendlich begegnen sich diese beiden einsamen Seelen nun, und in einer der schönsten Szenen küsst Jeremy der eingeschlafenen Elizabeth ein paar Kuchenkrümel von den Lippen: ein unschuldiger Mundraub. Aber Elizabeth weiß, dass der schnelle Trost bisweilen in die Sackgasse führt, und so begibt sie sich auf eine Reise, die sie über den Umweg mehrerer tausend Meilen auf der Route 66 zum Ziel bringen soll.

„My Blueberry Nights“ ist der erste Film, den der Hongkong-Regisseur Wong Kar-wai in den USA gedreht hat. Die Erwartungen an das Fernwest-Debüt des Mannes, der mit „In the Mood for Love“ die schönste Liebesgeschichte des vergangenen Jahrzehnts inszeniert hat, waren hoch, mindestens einen nie gesehenen Blick auf die amerikanischen Weiten und ihre Kino-Mythen hatten sich wohl viele erhofft. Und sahen sich enttäuscht. Von Kitsch war die Rede, aber das verkennt die melancholische Grundnote dieses Roadmovies, das Kameramann Darius Khondji in betörend satte Farben getaucht hat.

Sicher, der Film mäandert, nimmt sich unerwartet Zeit für Geschichten am Wegesrand. Wenn Elizabeth – von Jones als reine Sehnsucht verkörpert – in Memphis in das Ehedrama zwischen einem versoffenen Polizisten (David Strathairn) und seiner Ex-Frau (Rachel Weisz) verwickelt wird, oder in Las Vegas der Pokerspielerin Leslie (Natalie Portman) begegnet, einem ziemlich verrückten Tramp. Das könnte immer so weitergehen – und man würde auch gerne weiter dabei zusehen.

Wong Kar-wai sucht diesmal das Glück. Und das nicht auf süßliche Weise, obwohl so viel vom Blaubeerkuchen genascht wird.



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INHALT

Jeden Abend kommt Elizabeth in das Café von Jeremy, um sich einen Blueberry-Pie zu bestellen und aus dem Fenster zu starren. Schließlich erzählt sie Jeremy vom Ende ihrer großen Liebe. Am nächsten Tag taucht Elizabeth nicht mehr im Café auf: Jeremy entdeckt, dass sie die Stadt verlassen und eine lange Reise quer durch die USA angetreten hat, um sich selbst zu finden.
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Eure Kritiken zu My Blueberry Nights

  1. Maja

    Ein wunderbarer Film, der eine tolle Stimmung verbreitet. Ich würde sofort noch einmal reingehen…

  2. Jada

    Der Film ist gut, nur Norah Jones nimmt man den angeblichen Trennungsschmerz nicht so recht ab. Jude Law ist wiedermal super.

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