KRITIK

Mütter und Töchter

Mütter und Töchter Regisseur und Drehbuchautor Rodrigo Garcia ist der Sohn des Schriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers Gabriel Garcia Marquez. Nach Filmen wie „Gefühle, die man sieht“ (1999) oder „Passengers“ (in D nur auf DVD erschienen) und zahlreichen Episoden erfolgreicher TV-Serien („Six Feet Under“, „In Treatment“) schuf der Kolumbianer mit seiner vierten Spielfilmregie ein einfühlsames und vielschichtiges Drama, in dem es vor allem um die Frau geht.

Im Mittelpunkt der Erzählung stehen drei herausragende Schauspielerinnen: Naomi Watts, Kerry Washington und vor allem Annette Bening. Sie alle verkörpern sehr überzeugend drei ganz unterschiedliche Frauen, deren Verbindung das Thema Adoption ist und deren Wege sich auf die eine oder andere Weise kreuzen. Annette Bening spielt unglaublich facettenreich die unglückliche allein lebende Karen, die vor 37 Jahren ihre Tochter zur Adoption freigab und diesen Verlust immer noch nicht überwunden hat. Sie lässt den Zuschauer an ihrem Gefühlschaos teilhaben, bis sie sich am Ende in ihrer Haut unter der Mithilfe einer neuen Liebe doch wohl fühlen kann und offen Gefühle zeigt.

Eine große Überraschung ist auch Samuel L. Jackson, der sich im Gegensatz zu seinen coolen Auftritten als Actionheld als feinfühliger und liebevoller Rechtsanwalt und Familienvater präsentiert, eine Rolle, die sehr gefällt. Auch die weiteren, von Rodrigo Garcia ausgesuchten Nebendarsteller komplettieren wunderbar die Geschichten um Eltern, Adoption, Familienmodelle und Kinder.

In „Mother and Child“ schnürt es einem in Schlüsselszenen mehr als einmal die Kehle zu und es ist gut, dass der Regisseur Rodrigo Garcia die drei Erzählstränge durch einige humorvolle Dialoge und Szenen aufmuntert, z. B. wenn Annette Bening sich auf ein Date mit ihrem Kollegen Jimmy Smits einlässt und ihn dann nur rüde auflaufen lässt.Immer am Rand des rührseligen Kitsch gelingt Garcia die Gratwanderung zwischen Rührstück und ernsthaftem Drama. „Mother and Child“, wie der Film im Original heißt, ist ein anrührender Film über die Angst, seine Gefühle zu zeigen bzw. die Unfähigkeit, sie zuzulassen. Auch geht es in dem Ensemblefilm, den Garcia selbst geschrieben hat um die Erkenntnis, dass es nicht auf das einander verbindende Blut ankommt, sondern um „die Zeit, die man miteinander verbracht hat“, wie es die Frauen im Film mehrmals erwähnen. Sehenswert.



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INHALT

Karen ist Physiotherapeutin und pflegt abends ihre Mutter, die sie dazu brachte, als 14-Jährige ihre Tochter nach der Geburt zur Adoption freizugeben. Seitdem fühlt sie sich schuldig. Nach dem Tod der Mutter begibt sie sich auf die Suche nach dem Kind. Elizabeth ist eine exzellente Anwältin, die mit ihrem Chef ein sexuell aufregendes Verhältnis ohne Liebe anfängt. Als sie schwanger wird, bricht sie die Liaison ab, stirbt bei der Geburt. Die glücklich verheiratete Lucy kann keine Kinder bekommen und darf das Baby von Elizabeth adoptieren.
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