KRITIK

Mr. Shi und der Gesang der Zikaden

Mr Wayne Wang, Hong-Kong-Regisseur aus New York, gehörte in den 90ern zu den interessantesten Regisseuren des US-Kinos: Filme wie „Eat a Bowl of Tea“ oder „Smoke“ sind heute Klassiker.

Irgendwann später aber begann sein Abstieg zum Schnulzen- („Manhattan Love Story“) und Possenregisseur („Noch einmal Ferien“). Fast wollte man ihn endgültig abschreiben, da kommt er jetzt plötzlich mit einem leisen, kleinen und angenehm unprätentiösen Drama daher: „Mr. Shi und der Gesang der Zikaden“ erinnert ein wenig an „Das Hochzeitsbankett“ von Ang Lee.

Wie auch in Ang Lees Meisterwerk reist ein ältlicher chinesischer Vater in die USA, um sein Kind zu besuchen. Wie dort prallen zwei Welten aufeinander. In Wangs Comeback jedoch bleibt die Komik leise, das Drama unaufgeregt: Mr. Shi (Henry O aus „Rush Hour 3“) reist an, weil seine Tochter (Feyhong Yu aus Wangs „Töchter des Himmels“), eine stille Bibliothekarin, ihren Mann verlassen hat. Er trifft auf eine traurige junge Frau, die sich in einer neuen Affäre verheddert hat, doch zum Verständnis kommt es nicht: Man redet nicht miteinander, zumindest nicht auf gleicher Ebene.

Aus diesem Aneinander-Vorbei-Kommunizieren schlägt der Film aber auch immer wieder komische Funken – etwa wenn Shi im Park in einer gleichaltrigen Iranerin kurzfristig eine „Gesprächs“-Partnerin findet (Persisch prallt auf Chinesisch) oder er Mormonen zum Missionsgespräch über Gott und Mao ins Wohnzimmer bittet. Am Ende ist wenig gelöst, einiges geklärt und ein leiser Film vorüber, der neue Hoffnung weckt in Sachen Wayne Wang.



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INHALT

Herr Shi aus Peking, ein Pensionär, der noch niemals die Volksrepublik China verlassen hat, besucht seine Tochter Yilan in einer sehr aufgeräumten Stadt an der amerikanischen Ostküste. Die hat sich von ihrem chinesischen Mann scheiden lassen, und nun will Herr Shi nach dem Rechten sehen, der Tochter unter die Arme greifen und verstehen, was sie zu diesem Schritt veranlasst hat. Obwohl es Herrn Shi nicht schwer fällt, Kontakte zu knüpfen – seine Vergangenheit als Raketenwissenschaftler ist die perfekte Visitenkarte, um Gespräche mit Fremden in Gang zu setzen –, hapert es bei der Verständigung mit der Tochter. Die reagiert auf den Besuch reserviert, weicht Gesprächen aus. Da helfen auch die leckeren Gerichte des Herrn Shi wenig, der seine Tochter mit chinesischen Köstlichkeiten zu verwöhnen versucht.

Doch dann kulminieren die Ereignisse: Herr Shi, der seine Tochter ein wenig ausspioniert, erfährt, dass sie einen russischen Geliebten hat, der Beziehung jedoch keine Zukunft einräumt. Etwa zur gleichen Zeit lernt er auf seinen einsamen Spaziergängen im Park eine Exil-Iranerin in seinem Alter kennen, die wie er nur bruchstückhaft Englisch spricht. Beide erzählen sich von ihrem Leben und ihrem Leid – und obwohl Madame ihre Geschichte zu großen Teilen in Farsi erzählt und Herr Shi in Mandarin zu philosophischen Gedankengängen über den Gesang der Zikaden ausholt, verstehen die beiden sich prächtig. Doch dann verschwindet die Frau – abgeschoben in ein Altersheim. Herrn Shi bleiben nur noch die Gespräche mit seiner Tochter, doch das setzt voraus, zunächst die richtigen Worte zu finden. Als dies endlich gelingt, können endlich Missverständnisse aus dem Weg geräumt und Familiengeheimnisse aus der Vergangenheit ins rechte Licht gerückt werden.
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