KRITIK

Mr. Morgan´s Last Love

Plakat zum Film Mr Morgans Last LoveWer will einem Film schon Übles nachreden, wenn Sir Michael Caine darin mitspielt? 80 Jahre alt ist der waschechte Londoner im März geworden, ein Anlass, der dieses Jahr schon diverse Ausstellungen und Ehrenpreise hervorbrachte. Zwei Oscars hat er auch schon, 1986 den für Woody Allens „Hannah und ihre Schwestern“ – damit begann sein zweiter Frühling, nach einer langen Karriere als smarter, blonder Brit-Ganove in Klassikern wie „Alfie“ oder „Get Carter“.

Mit Mitte sechzig läutete sein zweiter Oscar das Alterswerk ein: Er bekam ihn für „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ und vor allem für diese spezifische Art ironischer Melancholie, die er darin perfektionierte und seither selbst in Blockbustern variiert. Seine Rolle als Alfred, Flattermanns Butler in Christopher Nolans „Batman“-Trilogie, machte ihn selbst unter Popcornkino-Nerds zum Kultstar.

Geschenkt also, dass „Mr. Morgan´s Last Love“ nun sicher nicht zu seinen besten Filmen gehört. An Michael Caine liegt es jedoch nicht. Mit gewohnter Klasse spielt er den den Titelhelden, einen Ex-Philosophieprofessor und Amerikaner (!) in Paris, der den einige Zeit zurückliegenden Tod seiner Frau nicht verwunden hat und seine Tage damit fristet, mit dem Bus einsam durch die Straßen der französischen Hauptstadt zu fahren und sich ewige Zweisamkeit mit der Verstorbenen herbeizuimaginieren. Selbstmord bleibt eine Option.

Als er dann die fidele Tanzlehrerin Pauline (toll: Clémence Poésy) kennenlernt, nimmt der Film zunächst einen üblichen Verlauf. Die dreimal so junge Frau dringt langsam zu Morgan vor, auch erotisch knistert es, andeutungsweise. Dann aber wird eine Beinahe-Katastrophe zur dramaturgischen Zäsur. Mr. Morgans Kinder, die sich beide vom Vater zeitlebens vernachlässigt fühlen, reisen an. Karen (giftig: Gillian „Akte X“ Anderson) geht bald wieder, Miles aber (stark: Justin Kirk aus „Weeds“) bleibt – und der Film nimmt zum zweiten Mal seinen üblichen Verlauf. Diesmal bis zum grenzkitschigen Schluss.

Die deutsche Regisseurin Sandra Nettelbeck („Bella Martha“) inszeniert diese zwischen Schmunzelkomik und tiefer Trauer oszillierende Dramödie arg sentimental und bisweilen eher schleppend. Heraus kommt daher ein Standard-Rührstück, das allerdings dadurch glückt, dass aus der insgesamt famosen Darstellerriege einer immer noch herausragt: Sir Michael Caine.

  



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INHALT

Beginnend mit dem Tag, an dem Pauline (Clémence Poésy) ihm im Bus ihre Hilfe anbietet, stolpert der sture, vom Leben erschöpfte Matthew Morgan (Michael Caine) zurück ins Glück. Die entwaffnende Lebensfreude und der unerschütterliche Optimismus der jungen Frau erobern sein altes Herz und der stille Professor wird unverhofft zu einem Schüler des Lebens. Auf ihren alltäglichen Abenteuern mit Spaziergängen durch Paris, Mittagessen im Park und Reisen aufs Land entdeckt das ungewöhnliche Paar zahlreiche Schätze: Freundschaft, Gemeinschaft, Romantik – und die Bedeutung von Familie. Pauline sucht bei Matthew die familiäre Geborgenheit, die sie so früh verlieren musste, während sich Matthew dank Pauline zum ersten Mal seit langem wieder seinem Sohn Miles (Justin Kirk) annähert. Was als Versuch von Miles und seiner Schwester Karen (Gillian Anderson) beginnt, Matthew nach Hause in die Vereinigten Staaten zu holen, führt zu Entwicklungen in Miles’ eigenem Leben, mit denen er nie gerechnet hätte. Gerade rechtzeitig lernen Vater und Sohn, sich wieder gegenseitig zu respektieren, die Vergangenheit ruhen zu lassen und der Zukunft entgegen zu sehen – und finden beide, jeder auf seine eigene Weise, wieder Liebe und Hoffnung. (Text: Senator Presse)
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Eure Kritiken zu Mr. Morgan´s Last Love

  1. Sally Schiller

    Superb ! Absolutely the best film I have seen in a long time and I have seen many!

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