KRITIK

Mr. Bean macht Ferien

Mr Komiker, die nicht aus der Rolle herausfinden, mit der sie mal berühmt wurden, sind tragische Gestalten. Auch Rowan Atkinson kann man sich kaum als glücklichen Menschen vorstellen. Der britische Schauspieler, Schöpfer der schusseligen Kunstfigur Mr. Bean, ist mittlerweile arg in die Jahre gekommen, scheint aber dazu verdammt zu sein, seinen weltfremden Chaos-Stifter – Anfang der 90er für einige famose Fernsehsketche ins Leben gerufen – bis über die Pensionsgrenze zu geben.

Mr. Bean, der bereits ein absolut uncharmantes Kinoabenteuer hinter sich hat („Bean – Der ultimative Katastrophenfilm“) darf sich dabei auch nicht mehr verwandeln. Er ist als wortkarger Grimassenschneider zur ewigen Alltagsuntauglichkeit verdammt, wobei seine Slapstick-Kapriolen zunehmend überlebt wirken.

Das wird besonders augenfällig im zweiten Bean-Film, der von einer Reise des englischen Middle-Class-Trottels ins Land der Lieblingskulturfeinde erzählt, nach Frankreich, wo ihm zur Begrüßung rotzige Austern und garstige Schalentiere serviert werden und er sich mit drei „französischen“ Vokabeln über Wasser hält: Oui! Non! Und: Gracias! Um die gerechten Roadmovie-Bedingungen zu schaffen, muss Bean binnen Kürze Geld und Papiere verlieren. Zudem gesellt sich ihm ein verirrter russischer Junge zu, dessen Vater – Jurymitglied der Filmfestspiele von Cannes – durch die Schuld des Blödel-Briten auf dem Bahnsteig zurückblieb.

Es kommt aber kein Hauch von weltfremd-komödiantischer Tramp-Romantik auf. Dafür interessiert sich Regisseur Steve Bandelack nicht. Er hat zu viel damit zu tun, Atkinson in mehr oder weniger heiteren Nöten zu inszenieren. Revue-Charakter hat das – in den besseren Fällen, wo Bean etwa einer vom Winde verwehten Busfahrkarte in wilder Hühner-Hatz bis in den kilometerweit entfernten Stall nachjagt. Komisch ist es auch, wenn Bean in den Dreh einer im Zweiten Weltkrieg angesiedelten Joghurt-Reklame platzt oder zum Finale in Cannes sein eigenes Reise-Video in die Galavorführung eines egomanischen Regisseurs (Willem Dafoe) schneidet. Bloß die absurde Poesie, die Atkinson und sein Team wohl im Sinn hatten, die kommt nie auf. Es sind eben die Ferien des Mr. Bean, nicht die des Monsieur Hulot.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Mr. Bean hat den andauernden englischen Regen satt. Seine letzte Rettung könnte der Hauptgewinn auf einer Tombola sein. Und siehe da: Mr. gewinnt eine Reise an die französische Rivera inkl. Videokamera. Urlaubsreif und mit seiner neuen Kamera bewaffnet zieht er fortan eine Spur der Verwüstung durch Südfrankreich und schafft es dabei sogar in den Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes. Gleichzeitig hält man ihn aufgrund eines Missverständnisses auch noch für einen Kidnapper.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Mr. Bean macht Ferien

  1. Zorro

    Ein echter Mr. bean. Ich wollte eigenlich nicht in den Film gehen. Doch als echter Mr Bean Fan konnte der erste Teil nur besser werden. Und der zweite Teil ist echt besser. Sehr witzig. Ein echter Bean Film!

  2. MistaBien

    Alles richtig gemacht! Der Film kommt fast ganz ohne Dialog aus. Das kommt Mr. Bean sehr zugute. Ich hab mich zumindest in der ersten Stunde sehr amüssiert…

  3. Equalizer

    Der Film war einsame Spitze, aber wo bleibt der Sountrack zum Film??

  4. diyar

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*