KRITIK

Mord und Margaritas

Mord und Margaritas Es ist eine Demontage. Diese kleine Komödie demontiert ein Image. Wohl die meisten Kino- und Filmfreunde hätten mit dem Namen Pierce Brosnan zwei Figuren in Verbindung gebracht: Mit Remington Steele, diesem gutangezogenen Gauner-Detektiv mit perfektem Seitenscheitel und guten Manieren und natürlich mit der Figur James Bond, in deren Haut der Ire Pierce Brosnan viermal schlüpfte. Und jetzt das! Hier heißt es nun „mein Name ist Noble, Julian Noble“, welch ein Hohn allein schon der Name. Denn Julian Noble ist Auftragskiller, trägt Bürstenschnitt, Goldkettchen und Siegelring. Seine Manieren sind alles andere als fein, Charme hat er Weißgott keinen und der Mittvierziger schert sich einen Sch… um seine Mitmenschen.

Wen wundert es da, dass Freunde Mangelware sind, wenn überhaupt vorhanden. Folglich kommt das, was irgendwann kommen musste. Der ansonsten so treffsichere einsame Wolf schlittert in eine Midlife-Crisis. Und die hat sich gewaschen. Ein nächster Auftrag bringt ihn nach Mexiko. An einer Hotelbar in Mexiko-City macht er die Bekanntschaft mit einem ebenso unsicheren Geschäftsmann (überzeugend: Greg Kinnear). Und obwohl beide unterschiedlicher kaum sein können, verbindet sie doch etwas: Beide stehen unter Druck. Noble kann schon lange nicht mehr auf die kaltblütige Sicherheit früherer Tage setzen, Geschäftsmann Danny Wright muss unter allen Umständen einen erfolgreichen Geschäftsabschluss tätigen, sonst ist er seine kleine Firma los. Dass das erste Aufeinandertreffen der beiden nicht gut gehen kann, war abzusehen. Julian Noble feiert seinen Geburtstag und nötigt seinem Gesprächspartner an diesem Abend einen Drink nach dem nächsten auf. Irgendwann hat Danny Wright die Nase voll von der aufdringlichen Art seines Gegenübers. In einer köstlichen Szene feiert Noble am nächsten Morgen seine augenscheinliche Gleichgültigkeit über diese Abfuhr vom Vorabend und stolziert wie ein eitler Pfau, nur mit Stiefeletten, Badehose und Bierdose bekleidet durch die Lobby des mexikanischen Hotels. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hat sich der Schauspieler Pierce Brosnan von seinem Dandy-Image verabschiedet.

Doch Julian Noble gibt sich alle Mühe, doch noch die Sympathien des sympathischen Geschäftsmannes zu gewinnen. Er lädt „Mister Wright“ zu einem Stierkampf ein und das Schicksal einer ungewöhnlichen Freundschaft nimmt seinen Lauf.

Während der Dreharbeiten zu diesem Film soll Pierce Brosnan angeblich die Absage für weitere Auftritte als Geheimagent James Bond erhalten haben. Ist diese Nachricht wahr, würde der vor Gleichgültigkeit strotzende, überzeugende Auftritt Brosnans nicht verwundern. An diesem hervorragenden Abgesang an eine Filmfigur kann man sich nur erfreuen. Diese Demontage ist gelungen. Regisseur Richard Sheppard muss nicht mehr tun, als diese überzeugende Performance mit einer leichten Hand zu begleiten. Operation gelungen und mit einer Oscar®-Nominierung belohnt. Eine überzeugende Performance, ein klasse Film!



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INHALT

Das Leben von Profikiller Julian Noble ist eine Endlosschleife von kühlen Morden, einsamen Hotelzimmern und anonymem Sex. Als der Profi in Mexiko den Geschäftsmann Danny Wright kennen lernt, entdeckt er in dem braven Ehemann seinen ersten Freund. Ihm outet er seinen Beruf und bittet ihn um Hilfe, als ihn seine Ex-Bosse auslöschen wollen, weil er seit der Begegnung mit Wright seinen tödlichen Biss völlig verloren hat.
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Eure Kritiken zu Mord und Margaritas

  1. Karthasis

    ein netter film mit einem überzeugenden ex-james-bomnd. am schluss wird es etwas langweilig aber der film lohnt sich dennoch.

  2. Keule

    Demontage Teil 2. Pierce Brosnan, der Vorzeige-Dandy. Habe etwas ganz anderes erwartet, herausgekommen ist eine Damdy-Demontage, die zudem noch sehr sehenswert ist. Was für ein geiler Film. Witzig in den Dialogen, nett in den Szenen, überzeugend in den schauspielerischen Leistungen. Der Film lohnt sich, auch, weil man immer noch einmal überrascht werden kann.

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