KRITIK

Mord im Pfarrhaus

Mord im Pfarrhaus Das Plakat zum Film mag Eindruck erwecken, weil es Rowan Atkinson prominent in den Vordergrund rückt. Doch „Mord im Pfarrhaus“ ist angenehmerweise kein neuer „Mr. Bean“-Film. Von seinem Alter ego hat sich der britische Komiker dieses Mal ein gehöriges Stück entfernt – und die Schlüsselrolle in dem neuen Film von Niall Johnson der wunderbaren Maggie Smith überlassen.

Als Haushälterin Grace Hawkins zieht sie bei den Goodfellows in der 57-Seelen-Gemeinde Little Wallop ein. Auf den ersten Blick herrscht dort die perfekte Idylle: Vater Walter (Atkinson) ist der Dorfpfarrer mit immer offenem Ohr für die alten Damen vom Komitee für Blumenschmuck, Mutter Gloria (Kristin Scott Thomas) lernt Golfspielen und kümmert sich um die Kinder Holly und Petey. Doch hinter der Fassade sieht die Sache anders aus, wie nicht nur die neugierige Rentnerin von nebenan feststellen muß. Der Ehe der Goodfellows ist die Leidenschaft abhanden gekommen, weswegen er sich um so mehr mit Gott, sie sich hingegen mit dem Golflehrer (Patrick Swazey, der sein Image als Sexsymbol gehörig aufs Korn nimmt) beschäftigt. Und die 17jährige Holly wechselt ihre Liebhaber so schnell, daß sich keiner deren Namen merken kann, derweil Muttersöhnchen Petey regelmäßig verprügelt wird in der Schule.

Doch die Ankunft der so gutmütigen wie patenten Grace scheint Wunder zu bewirken: Holly wird häuslich, Walter entdeckt in seinen Predigten plötzlich wieder Humor und Lebensfreude und selbst der ewig kläffende Nachbarshund ist mit einmal verschwunden. Und bald auch sein Herrchen …

Der deutsche Filmtitel erinnert an Agatha-Christie-Krimis, doch Regisseur Johnson, der zuletzt das Drehbuch zum Thriller „White Noise“ verfaßte, setzt nicht auf Spannung, sondern auf Humor; auch wenn dieser eher hellgrau denn tiefschwarz ist. Schon im Prolog, der in den 1960er Jahren spielt und von einer mörderischen jungen Frau erzählt, taucht der riesige Schrankkoffer auf, mit dem Grace später in Little Wallop eintrifft, und als man sie schließlich sieht, wie sie Peteys Schulhofrivalen die Bremskabel durchschneidet, hat man längst begriffen, daß „Mord im Pfarrhaus“ keine falschen Fährten legen will.

Statt dessen also eine makabere Komödie mit exzellenter Besetzung. Atkinson, der als Vikar seinen Auftritt aus „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ wieder aufgreift, setzt auch hier auf die ihm eigene Tapsigkeit, nimmt sich aber im Vergleich zu seinen Auftritten als „Mr. Bean“ erfreulich zurück. An seiner Seite glänzt eine entspannte Kristin Scott Thomas, der man viel häufiger die Möglichkeit geben sollte, ihr komisches Talent zu präsentieren. Und Maggie Smith, Grande Dame der britischen Schauspielkunst, darf ihrem betulichen Charme endlich wieder mal eine Portion Abgründigkeit aufsetzen.

Allzu tief sind die Abgründe in „Mord im Pfarrhaus“ allerdings nicht. Zwar bleibt die Komödie angenehm unmoralisch und pietätlos, doch wird sie auch allzu gemächlich erzählt. Die deutsche Synchronisation raubt einigen Wortwitz, und in Sachen frecher Gags reicht der Film nie wirklich an Vorbilder wie „Arsen und Spitzenhäubchen“ heran.



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INHALT

Vikar Walter Goodfellow kümmert sich in dem idyllischen englischen Nest Little Wallop zwar rührend um seine Schäfchen, vernachlässigt aber seine Pflichten als Ehemann und Familienvater. Während der Sohn in der Schule gemobbt wird und die Tochter ihre aufkeimende Sexsucht mit ständig wechselnden Partnern stillt, lässt sich die Ehefrau Gloria auf ein amouröses Abenteuer mit dem gut gebauten Golflehrer Lance ein. Erst als die schrullige alte Haushälterin Grace ihre Stelle antritt, scheinen sich die Probleme auf einen Schlag zu lösen. Was die Pfarrersfamilie allerdings (noch) nicht weiß: Grace geht, wenn es sein muss, zum Wohle der Goodfellows wörtlich über Leichen.
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Eure Kritiken zu Mord im Pfarrhaus

  1. snooge

    herlich dieser humor…mehr als ein bloßes „Sonntag abend ins kino latschen weils im tv nix gibt“ bekommt man bei diesem film. der typisch britische humor lockte einmal mehr ein herzhaftes lachen aus mir heraus. schade, dass es nicht viele von diesen „vor sich hinplätschernden“ filmen mit unglaublich wunderbaren geschmack, menschen auch ohne großes „tram tram“ einen schönen abend zu bereiten, gibt… sehr sehr sehens- und lohnenswert…

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