KRITIK

Monster House

Monster House Das amerikanische Wohngebiet mit seinen grünen Vorgärten, Holzveranden und Halloween-Kürbissen: In gefühlten 9243 Filmen diente es schon als Schauplatz. Die Entertainment-Großmeister Steven Spielberg und Robert Zemeckis haben sich in ihren Filmen besonders häufig darin aufgehalten. Und oft ist es zudem das verwitterte Spukhaus nebenan (Spielberg selbst drehte mit 26 den Fernsehfilm „Haus des Bösen“), dessen gefahrvolle Erkundung als letztes präpubertäres Abenteuer der Vorstadtjugend herhalten muss.

Auch in diesem von Spielberg und Zemeckis produzierten, angenehm knuddeltierfreien Digital-Trickfilm (Regiedebüt von Gil Kenan) ist das nicht anders. Da müssen der stimmbrüchige DJ, der dicke Chaot Ketchup und die elitäre Gymnasiastin Jenny das Geheimnis eines Gruselhauses ergründen, das nicht nur Spielzeug, sondern auch Hunde, Punkrocker und Polizisten verschluckt. Wie sie erfahren, sind der cholerische Mr. Nebbercracker und seine im Horror-Keller als Betonleiche konservierte, monsterdicke Ehefrau am Unwesen beteiligt. Genauer gesagt: Letztere ist sogar das Unwesen persönlich. Die Lösung folgt, natürlich, an Halloween.

Technisch ist „Monster House“ makellos: In kaum einem anderen CGI-Trickfilm gab es bislang so überzeugende menschliche Charaktere zu bestaunen – gerade weil auf detailversessenen Fotorealismus bewusst verzichtet wird. Vielmehr wurde die “Motion Capturing”-Methode verwandt, mit der echte Schauspieler-Mimik nachträglich in Comic-Zeichnungen umgerechnet wird – man kennt das aus Zemeckis’ eigenem Film “Der Polarexpress”, allerdings ist es hier noch viel besser gelungen. Und die digitalen „Kamerafahrten“, die mal über den Rasen rasen, mal aus dem Himmel zu Boden stürzen und wieder nach oben achterbahnfahren, sind streckenweise wirklich atemberaubend.
Aber auch Story und Dialoge gerieten, vom etwas zu pompös-martialischen und lang gestrecken Showdown mal abgesehen, äußerst frech und unverstaubt, mitunter sogar surreal: Ein Hauch von Jugendfilmklassikern wie „Stand by Me“ oder „Die Goonies“ liegt über der Szenerie. Und Figuren wie Mr. Nebbercracker (im Original “verkörpert” von Hollywoods Freak-Spezi Steve Buscemi), der videospielsüchtige Pizzabote oder die flippige Babysitterin machen einfach Spaß. Manchmal könnte man fast glauben, dass Erwachsene mehr Freude daran haben könnten als die kindliche Zielgruppe – zumal einige Passagen für diese durchaus zu gruselig sein könnten. Aber der schräge Witz sorgt stets für Verschnaufpausen. Eine angenehme Überraschung also im mittlerweile arg tierzentrierten Trickfilmgenre.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Nachdem die Eltern am Wochenende einen Ausflug unternehmen, bleibt der zwölfjährige DJ allein im Vorstadthaus. Nachts werden er und sein Kumpel Chowder auf merkwürdige Geräusche im Haus auf der anderen Seite der Straße aufmerksam. Schnell erhärtet sich der Verdacht der Jungs, dass das Haus selbst lebendig ist und nichts Gutes im Schilde führt. Von der Polizei verlacht, nehmen die beiden Jungs verstärkt durch ihre Freundin Jenny den Kampf gegen die beängstigende Horrorhütte auf.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*